In Warmwasserleitungen
Grenzwerte deutlich überschritten: Gefährliches BPA in Leitungswasser gefunden
Aktualisiert:
von Max StrumbergerBedroht Ewigkeitschemikalie Trifluoracetat (TFA) unser Trinkwasser?
Bild: Lukas Schulze/dpa
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart warnt vor einer unsichtbaren Gefahr aus dem Wasserhahn: Bisphenol A (BPA). Diese giftige Chemikalie kann aus alten Trinkwasserleitungen freigesetzt werden, die mit Epoxidharz saniert wurden, und stellt ein Risiko für die Gesundheit dar.
Das Wichtigste in Kürze
In der Vergangenheit wurden ältere Trinkwasserleitungen häufig mit Epoxidharz verdichtet.
Doch wie sich jetzt zeigt, hat dies für die Gesundheit potenziell drastische Konsequenzen.
Der Grund: Darin ist der gefährliche Stoff BPA enthalten.
Das Leitungswasser in Deutschland zählt zu den weltweit besten. Doch häufig kann ein Glas Wasser aus der Leitung gefährliche Schadstoffe wie beispielsweise Bisphenol A enthalten, wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) berichtet.
BPA, so die gängige Abkürzung, ist eine chemische Verbindung, die in der Herstellung von Kunststoffen und Harzen weit verbreitet ist. Aber wie gelangt es in die Leitung? Der Grund liegt häufig an einem Verfahren, mit dem in die Jahre gekommene Trinkwasserleitung aus verzinktem Stahl mit BPA-haltigem Epoxidharz versiegelt wurden.
Der Verband der Rohrinnensanierer schätzt, dass bis zu 100.000 Wohnungen betroffen sind, in denen das sogenannte Relining-Verfahren angewendet wurde. Das Problem dabei ist die thermische Beständigkeit der Epoxidharze. Diese sind laut Experten nur bis 65 Grad Celsius beständig. Bei thermischen Desinfektionen des Trinkwassersystems, die zur Beseitigung von Legionellen notwendig sind, beträgt die Wassertemperatur jedoch mindestens 70 Grad. Diese hohen Temperaturen können die Schutzschicht aus Epoxidharz schädigen und das Trinkwasser kontaminieren, was die Freisetzung von BPA begünstigt und die Gesundheit der Verbraucher gefährdet.
Auch in den News:
Grenzwerte im Trinkwasser deutlich überschritten
Studien haben gezeigt, dass BPA hormonähnliche Eigenschaften besitzt, die das endokrine System von Menschen und Tieren beeinflussen können. Es kann als endokriner Disruptor wirken, indem es die Funktion von Hormonen im Körper nachahmt oder stört. Diese Eigenschaft hat zu Bedenken hinsichtlich der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen geführt, insbesondere in Bezug auf die Fortpflanzung, die Entwicklung und das Wachstum. Die Suche nach Alternativen zu Bisphenol A hat zur Entwicklung von BPA-freien Kunststoffen geführt, die ähnliche Eigenschaften bieten, jedoch ohne die gesundheitlichen Risiken.
Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts haben alarmierende BPA-Konzentrationen im Leitungswasser festgestellt. In 87 Prozent der Warmwasserproben lagen die BPA-Werte über dem ab 2024 gültigen Grenzwert von 2,5 Mikrogramm pro Liter (µg/L). In einigen Fällen wurden die erlaubten Werte sogar um das Achtfache überschritten.
Auch BPS und BPF werden aktuell untersucht
Hersteller verwenden zunehmend andere Verbindungen wie Bisphenol S (BPS) oder Bisphenol F (BPF), um die gleichen funktionalen Vorteile zu erzielen. Diese Alternativen sind jedoch ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen, da sie möglicherweise ähnliche endokrine Disruptor-Eigenschaften aufweisen könnten. Die Forschung in diesem Bereich ist entscheidend, um sicherzustellen, dass neue Materialien sicherer sind und keine unerwünschten Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
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