Resistent gegen Antibiotika
Gefährlicher Hefepilz Candida auris auf dem Vormarsch
Veröffentlicht:
von Max StrumbergerÄrztlicher Überweisungsschein mit Diagnose Candida auris.
Bild: IMAGO/Christian Ohde
Der erst 2009 entdeckte Hefepilz Candida auris breitet sich weltweit aus und sorgt auch in Deutschland für steigende Fallzahlen. Besonders gefährlich ist der Pilz für immungeschwächte Menschen, da er gegen viele Medikamente resistent ist und schwer zu behandeln ist.
Das Wichtigste in Kürze
Candida auris, ein resistenter Hefepilz, breitet sich weltweit aus und stellt eine ernste Gefahr für immungeschwächte Menschen dar.
In Deutschland wurden 2023 bereits 77 Fälle registriert – sechsmal mehr als in den Vorjahren.
Experten fordern strengere Maßnahmen.
Der erst 2009 entdeckte Hefepilz Candida auris breitet sich weltweit aus und sorgt auch in Deutschland für wachsende Besorgnis. Während der Pilz für gesunde Menschen meist harmlos ist, kann er für ältere oder immungeschwächte Personen lebensbedrohlich werden. 2023 wurden in Deutschland 77 Fälle registriert – sechsmal mehr als in den Vorjahren.
Laut Oliver Kurzai vom Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) handelt es sich hierbei um einen realen Anstieg der Fallzahlen und nicht nur um eine verbesserte Erfassung. Besonders problematisch ist die Resistenz des Pilzes gegen viele Medikamente und Desinfektionsmittel.
Candida auris wird vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zum Problem. Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektionen, etwa über kontaminierte Oberflächen oder medizinische Geräte wie Katheter. Besonders gefährdet sind Patienten mit geschwächtem Immunsystem, schweren Vorerkrankungen oder Prothesen. Gelangt der Pilz in den Blutkreislauf, droht eine Blutvergiftung, die in über der Hälfte der Fälle tödlich endet. Häufige Infektionen betreffen Wunden, Gewebe oder Prothesen, was die Behandlung zusätzlich erschwert.
Hohe Todesrate und schwierige Behandlung
Die US-Gesundheitsbehörde CDC meldete 2023 über 10.000 Fälle in 38 US-Bundesstaaten, mit einer Sterblichkeitsrate von 30 bis 60 Prozent bei infizierten Personen. Auch in Deutschland ist Candida auris endemisch, wie Mikrobiologe Oliver Kurzai betont. Zwar wurde bisher kein direkter Todesfall gemeldet, doch die Dunkelziffer könnte hoch sein. Besonders problematisch ist die Resistenz des Pilzes gegen Antimykotika, was die Behandlung erschwert und die Gefahr von Ausbrüchen in Kliniken erhöht.
Forscher wie Alexander M. Aldejohann von der Uni Würzburg drängen auf eine generelle Meldepflicht für jeden Labornachweis von Candida auris. Derzeit gilt die Meldepflicht nur für bestimmte Infektionen, was die Erfassung erschwert. Eine umfassendere Meldepflicht könnte helfen, Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Zudem wird zu verstärkten Tests auf den Pilz geraten, um die Verbreitung besser zu überwachen und gezielt Maßnahmen zu ergreifen.
Herausforderung für das Gesundheitssystem
Die Zunahme von Candida-auris-Fällen stellt das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Der Pilz ist nicht nur schwer zu behandeln, sondern auch schwer einzudämmen, wenn Ausbrüche nicht frühzeitig erkannt werden. Besonders Kliniken sind betroffen: 2023 waren drei größere Ausbruchsgeschehen für den Anstieg der Fallzahlen in Deutschland verantwortlich. Forscher betonen die Notwendigkeit strenger Hygieneprotokolle und gezielter Maßnahmen, um die Verbreitung dieses hartnäckigen Erregers einzudämmen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Mehr News

Nationale Gasreserve sinnvoll?
Leere Gasspeicher in Deutschland: Was bedeutet das?

Krieg im Nahen Osten
Iran-Krieg: Revolutionsgarden drohen Netanjahu mit dem Tod

Migration
Flüchtlingsboot vor Lampedusa gekentert: Kind vermisst

Rente
Steuervorteile für Rentner dank gestiegenem Grundfreibetrag

Erle und Hasel blühen
Pollenflug-Saison: Habe ich Heuschnupfen oder nur eine Erkältung?

Polit-Runde
"Caren Miosga": Darum geht es heute im Talk, das sind ihre Gäste

Beliebter Snack
Öko-Test prüft Salzstangen: Schadstoffe in jedem dritten Produkt

Skandal-Chats
Zusammenarbeit mit rechten Parteien? SPD und EU-Abgeordnete fordern Aufklärung

Ukraine-Krieg
Streit um Russland-Sanktionen: EU einigt sich auf Verlängerung


