Preisschock
Neue Typklassen: Für Millionen Autofahrer könnte die Kfz-Versicherung teurer werden
Aktualisiert:
von Damian Rausch:newstime
Bald mehr Vielfalt bei KFZ-Kennzeichen
Videoclip • 01:44 Min • Ab 12
Für mehr als zwölf Millionen Autofahrende in Deutschland ändert sich 2027 die Typklasse. Rund 7,4 Millionen Fahrzeuge werden in der Haftpflicht höher eingestuft, während etwa 5,1 Millionen von einer niedrigeren Klasse profitieren. Einige Modelle trifft die Neueinstufung besonders hart.
Das Wichtigste in Kürze
Für rund 7,4 Millionen Autofahrende steigt 2027 die Typklasse in der Kfz-Haftpflicht.
Etwa 5,1 Millionen Autofahrende erhalten dagegen eine günstigere Einstufung.
Die Typklasse ist ein wichtiger Faktor für den Versicherungsbeitrag, bestimmt dessen Höhe aber nicht allein.
Für Millionen Autofahrende könnte sich bei der Kfz-Versicherung im kommenden Jahr etwas ändern. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neuen Typklassen für 2027 berechnet. Insgesamt umfasst die Statistik rund 33.000 verschiedene Fahrzeugmodelle.
Wie der ADAC berichtet, erhalten rund 7,4 Millionen Autofahrende eine höhere Einstufung in der Kfz-Haftpflichtversicherung. Für sie kann die Versicherung dadurch teurer werden. Auf der anderen Seite werden rund 5,1 Millionen Autofahrende niedriger eingestuft. Für etwa 30 Millionen beziehungsweise 71 Prozent ändert sich die Haftpflicht-Typklasse nicht.
Eine höhere Typklasse bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der gesamte Versicherungsbeitrag steigt. Der GDV weist darauf hin, dass die Typklasse nur eines von mehreren Tarifmerkmalen ist. Daneben können beispielsweise Regionalklasse, jährliche Fahrleistung und persönliche Merkmale Einfluss auf den Preis haben.
Autoschlüssel liegen auf einem Stapel Euro-Geldscheine. Die neuen Typklassen für 2027 können sich auf die Kosten der Kfz-Versicherung auswirken.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Diese Autos werden 2027 höher eingestuft
Große Veränderungen bleiben laut ADAC und GDV die Ausnahme. Bei den meisten betroffenen Modellen geht es lediglich um eine Klasse nach oben oder unten.
Einige Fahrzeuge machen allerdings größere Sprünge. Der BMW 330d Touring xDrive steigt in der Haftpflicht um zwei Klassen auf Typklasse 17. Beim Citroën C4 1.2 geht es ebenfalls zwei Stufen nach oben auf Klasse 18. Auch der Škoda Rapid 1.2 steigt um zwei Klassen und landet bei Typklasse 19.
Weitere Modelle werden um eine Stufe höher eingestuft. Dazu gehören laut ADAC beispielsweise der Audi Q4 35 e-tron, der Mercedes CLA 250 E, der Renault Megane/Scenic E-Tech Electric und der MG ZS EV.
Bei einigen dieser Fahrzeuge steigen gleichzeitig die Kasko-Typklassen. Beim Audi Q4 35 e-tron geht es beispielsweise sowohl in der Haftpflicht als auch in der Voll- und Teilkasko jeweils um eine Klasse nach oben.
Diese Modelle profitieren von niedrigeren Typklassen
Andere Fahrzeughalter:innen können sich dagegen über eine bessere Einstufung freuen. Besonders deutlich fällt die Veränderung beim VW T7 Multivan 2.0 TDI aus: Seine Haftpflicht-Typklasse sinkt nach ADAC-Angaben um zwei Stufen auf Klasse 12. Gleichzeitig geht es in der Vollkasko um eine Klasse nach unten.
Auch beim Mercedes GLC 200 4MATIC verbessert sich die Einstufung. Die Haftpflichtklasse sinkt um eine Stufe, die Vollkaskoklasse sogar um zwei. Beim BMW 316i, Mitsubishi ASX 1.8 DI-D 4WD, Seat Toledo 1.2 und Škoda Fabia 1.2 fallen ebenfalls einzelne Typklassen niedriger aus.
Warum SUVs und Oberklasseautos häufig hohe Typklassen haben
Entscheidend für die Einstufung ist die Schadenbilanz des jeweiligen Fahrzeugmodells. Für die aktuelle Statistik wurden laut GDV die Schäden der Jahre 2023 bis 2025 ausgewertet. Modelle mit vergleichsweise wenigen und günstigen Schäden erhalten niedrigere Klassen. Werden dagegen viele oder besonders kostspielige Schäden reguliert, fällt die Einstufung höher aus.
Dabei unterscheiden sich Haftpflicht und Kaskoversicherung. In der Haftpflicht geht es vor allem um Versicherungsleistungen für Schäden, die anderen Verkehrsteilnehmenden zugefügt wurden. Bei der Vollkasko werden unter anderem Schäden am eigenen Fahrzeug nach selbst verursachten Unfällen berücksichtigt. In die Teilkaskostatistik fließen beispielsweise Diebstähle, Glasschäden, Wildunfälle und Schäden durch Naturereignisse ein.
Deshalb finden sich hochmotorisierte Oberklassefahrzeuge und SUVs häufiger in höheren Typklassen, während ältere Fahrzeuge und Kleinwagen häufig niedriger eingestuft werden. Als Beispiele nennt der ADAC den BMW 730d und den Jeep Grand Cherokee 3.6 auf der einen sowie Hyundai i10 1.1 und Opel Corsa-D 1.4 auf der anderen Seite.
Für Autofahrende ist deshalb wichtig: Eine bessere Typklasse garantiert noch keine niedrigere Versicherungsrechnung – und eine schlechtere Klasse bedeutet nicht zwingend eine Beitragserhöhung. Die Versicherer berücksichtigen zahlreiche weitere Faktoren.
Dazu gehören etwa Regionalklasse, Schadenfreiheitsklasse, jährliche Kilometerleistung, Fahrerkreis, Alter der Fahrerinnen und Fahrer, Selbstbeteiligung und teilweise die Art, wie das Fahrzeug abgestellt wird.
Auch die Regionalklassen für 2027 wurden bereits neu berechnet. Hier ändern sich die Haftpflicht-Einstufungen für fast zehn Millionen Autofahrende: 5,2 Millionen erhalten eine bessere, 4,8 Millionen eine schlechtere Regionalklasse. In 304 der 413 deutschen Zulassungsbezirke bleibt sie unverändert.
Auch in den News:
Versicherungswechsel kann sich zum Jahresende lohnen
Wer wegen einer neuen Typklasse oder aus anderen Gründen mehr bezahlen soll, kann seinen bestehenden Tarif mit Angeboten anderer Versicherer vergleichen. Bei vielen klassischen Verträgen mit Versicherungsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember gilt der 30. November als regulärer Kündigungsstichtag. Entscheidend sind jedoch immer die Bedingungen des jeweiligen Vertrags.
Die vom GDV veröffentlichten Typklassen sind zudem für die Versicherungsunternehmen nicht verbindlich. Sie können für Neuverträge unmittelbar und für bestehende Verträge in der Regel zur nächsten Hauptfälligkeit berücksichtigt werden.
Verwendete Quellen:
ADAC: "Für wen Autofahren 2027 teurer wird: Neue Typklassen der Kfz-Versicherung"
GDV: "Kfz-Haftpflicht: Typklasse ändert sich für mehr als 12 Millionen Autofahrende"
GDV: "Typklassen kurz erklärt" –
GDV: "Deutschlandweit neue Regionalklassen für fast zehn Millionen Autofahrende"
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