Schiffe umfahren Seeweg

Frachter fahren durch Wal-Gruppen: Straße-von-Hormus-Blockade wird zur Gefahr für Meerestiere

Aktualisiert:

von Joachim Vonderthann

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Buckelwal Timmy: Gibt es noch Hoffnung?

Videoclip • 01:29 Min • Ab 12


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Der Iran-Krieg hat Folgen bis in die Gewässer vor Südafrika: Immer mehr Frachtschiffe umfahren die blockierte Straße von Hormus und kreuzen nun wichtige Wal-Wandergebiete.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus verlagern den Schiffsverkehr vor die Küste Südafrikas.

  • Das erhöht dort das Risiko für Wal-Kollisionen deutlich.

  • Schutzvorschläge gibt es, aber deren Umsetzung kann noch dauern.

Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben nicht nur Auswirkungen auf den Welthandel und Benzinpreise. Sie bedrohen auch das Leben zahlreicher Meeressäuger weit entfernt vom Konfliktgebiet.

Weil viele Reedereien die gefährliche Passage im Nahen Osten meiden, nehmen ihre Schiffe nun den deutlich längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas, wie NTV berichtet. Das führt dazu, dass der Schiffsverkehr in Regionen zunimmt, in denen sich besonders viele Wale aufhalten.

Auf diese Entwicklung weist ein wissenschaftlicher Bericht hin, der bei den Beratungen der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) vorgestellt wurde. Die IWC wurde 1946 gegründet, um den Walfang zu regeln und Wale zu schützen. Die Leiterin der Walforschungsabteilung der Universität Pretoria, Els Vermeulen, warnt in dem Papier vor einer "erheblichen räumlichen Überlappung" von Schifffahrtsrouten und Wal-Wandergebieten, insbesondere beim Südkaper, einem Wal aus der Familie der Glattwale.


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Mehr Schiffe vor Südafrika – mehr Risiko für Wale

Schon vor einigen Jahren wurde ein Teil des Schiffsverkehrs, der normalerweise durch das Rote Meer und den Golf von Aden führt, umgeleitet. Auslöser war laut NTV damals ein Angriff der jemenitischen Huthi-Rebell:innen auf den britischen Frachter "Galaxy Leader".

Weitere Überfälle und schließlich der Ende Februar begonnene Krieg gegen den Iran sowie Teherans Blockade der Straße von Hormus haben die Lage weiter verschärft. Viele Reedereien schicken ihre Schiffe nun standardmäßig um das Kap der Guten Hoffnung, statt durch den Nahen Osten zu fahren.

Wie stark der Verkehr vor Südafrika zugenommen hat, zeigt der Beobachtungsdienst Portwatch des Internationalen Währungsfonds. Demnach fuhren in diesem Jahr zwischen dem 1. März und dem 24. April 89 Handelsschiffe rund um Südafrika – im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur 44. Die Folgen lassen sich auch in sozialen Medien beobachten, wo Crewmitglieder Videos von Fahrten durch dichte Wal-Gruppen posten.

Auch in den News:

Forscherin entsetzt über "gedankenloses Verhalten"

Wal-Forscherin Els Vermeulen berichtet von solchen Aufnahmen: "Es gab da Videos von Leuten auf Frachtschiffen, die durch dichte Wal-Gruppen fuhren." In dem Social-Media-Beitrag sei es nur darum gegangen, zu zeigen, "wie viele nette Wale wir sehen". Vermeulen ist darüber schockiert. Ihr sei "das Herz stehengeblieben", weil der Frachter auf den Videos offenbar gegen mehrere Wale gefahren sei.

Laut Vermeulen hat sich der schnelle Schiffsverkehr in den Regionen, in denen Wale nach Nahrung suchen, zuletzt vervierfacht. Für die Tiere ist das besonders gefährlich, weil sie mit den abrupt steigenden Schiffszahlen nicht Schritt halten können. Chris Johnson, Leiter der Walschutzinitiative der Umweltorganisation WWF, betont: "Die Tiere hatten keine Zeit, sich an die Schiffe zu gewöhnen."


Erste Reedereien reagieren – Technik soll Walen helfen

Einige Unternehmen haben bereits reagiert. Die weltgrößte Reederei MSC hat ihre Routen vor Sri Lanka und Griechenland angepasst, um wichtige Lebensräume von Walen zu umfahren. Fachleute hoffen, dass ähnliche Schritte nun auch vor Südafrika erfolgen.

Weitere Schutzideen setzen auf moderne Technik und bessere Kommunikation: Estelle van der Merwe, Leiterin des Umweltschutz-Netzwerks Ocean Action Network, schlägt Apps oder Funknachrichten vor, die Schiffe vor größeren Wal-Gruppen warnen.

Zusätzlich wird daran geforscht, KI-gestützte Kameras an Bord von Frachtern einzusetzen. Diese Systeme sollen Wale frühzeitig erkennen, damit Schiffe rechtzeitig ausweichen oder ihre Geschwindigkeit reduzieren können.


Verwendete Quellen:

n-tv: "So leiden Wale in Südafrika unter Blockade der Straße von Hormus"

heute.at: "Iran-Krieg bringt Wale in Südafrika in Gefahr"

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