Porträt

Er finanziert Timmys Rettung: Das ist Mediamarkt-Gründer Walter Gunz

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Rettungsversuch für Buckelwal Timmy

Videoclip • 02:13 Min • Ab 12


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Das Schicksal des gestrandeten Buckelwals Timmy in der Ostsee bewegte auch Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. So sehr, dass er einen aufwendigen Rettungsversuch mitfinanziert. Wer ist der einst erfolgreiche Unternehmer?

Das Wichtigste in Kürze

  • Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz finanziet einen neuen Rettungsversuch für Buckelwal Timmy.

  • Gunz ist Philosoph, Unternehmer und ehemaliger Karstadt-Manager, dessen Vermögen auf rund 500 Millionen Euro geschätzt wird.

  • Der frühere Mediamarkt-Chef gilt als Unternehmer mit eigener Wertebasis, der nach dem Prinzip "Was du aussendest, kommt zurück" handelt.

Als Mediamarkt-Gründer Walter Gunz mit seinen Mitstreiter:innen überraschend grünes Licht für einen privat finanzierten Rettungsversuch des in der Ostsee gestrandeten Wals bekommt, zeigt er sich kämpferisch. "Mehr als einmal sterben kann er ja nicht", sagte Gunz der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ohne die Aktion werde Wal Timmy in jedem Fall sterben. "Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet."

Zu den erwarteten Kosten der Aktion, die Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert übernehmen, gab der Mediamarkt-Gründer an, die Dimension nicht abschätzen zu können. Das Ganze werde "schon nicht hundert Millionen kosten", sagte er. "Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen." Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen.

Er selbst sei von Bekannten gefragt worden, ob man für den Wal nicht etwas tun könne, erzählt Gunz. "Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin."

Wal-Retter Gunz gründete einst Mediamarkt

Ein Held will Gunz nicht sein, abenteuerlich war die Unternehmer-Karriere des inzwischen 80-Jährigen aber durchaus. Laut "Manager Magazin" wurde sein Vermögen im Jahr 2019 auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Der 1946 in München geborene Unternehmer studierte Philosophie und startete seine Karriere zunächst beim Warenhauskonzern Karstadt. 1979 gründete er gemeinsam mit drei Partnern die erste Mediamarkt-Filiale in München.

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Sicheren Job bei Karstadt gekündigt

Gunz hatte seinen sicheren Job beim früheren Kaufhausriesen Karstadt gekündigt, obwohl er zunächst keine klare Perspektive hatte. In einem Porträt im gomagazine.de vor einigen Jahren beschreibt er, wie er damals arbeits- und perspektivlos war und trotzdem den Schritt wagte. Dreizehn ehemalige Kolleg:innen sollen ihm kurz nach seiner Kündigung gesagt haben: "Es war so schön mit Ihnen. Wenn Sie etwas Neues machen, wären wir gerne dabei." Dieses Erlebnis habe ihn stark geprägt.

Nur ein Jahr später eröffnete 1979 die erste Mediamarkt-Filiale in München – mit genau diesen dreizehn Mitarbeiter:innen. Dem Bericht nach folgten sie ihm, "obwohl ihnen Karstadt mehr Geld geboten hat". Der Erfolg war anfangs alles andere als sicher: Als Gunz einen Kredit beantragte, erhielt er nur etwa die Hälfte der Summe, die er gefordert hatte. Sicherheiten hatte er kaum, seine Dreizimmerwohnung war noch nicht abbezahlt.

Gunz liebt Literatur und Philosophie

Der spätere Multimillionär gilt als untypischer Elektronikunternehmer. Während Mediamarkt mit lauten Werbeslogans wie "Ich bin doch nicht blöd" warb, beschäftigte sich Gunz mit Literatur und Philosophie. Er liebt nach eigenen Angaben Autor:innen wie Goethe, Hölderlin, Pascal und Kant. Industrieprodukte bezeichnete er laut gomagazine.de als "seelenlos" und schaltet seinen eigenen Fernseher nur selten ein. Stattdessen sammelt er sakrale Kunst, etwa ein Fresko aus einer italienischen Kapelle.

Im Jahr 2000 zog sich Gunz aus dem Unternehmen zurück und war anschließend unter anderem als Berater tätig. 2013 veröffentlichte er das Buch "Ich war doch nicht blöd". Der Titel spielt auf den bekannten Mediamarkt-Slogan an, den er laut "BZ" geprägt haben soll. Das Buch ist keine klassische Biografie, sondern befasst sich auch mit Politik, Philosophie und Glauben. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" erklärte er, er habe im Yoga gelernt, gezielt das zu üben, was man am schlechtesten könne – das Schreiben des Buches sei für ihn genau eine solche Übung gewesen.

Seine Lebensphilosophie spielt für Gunz' Entscheidungen laut go,agazine.de eine große Rolle. "Was du aussendest, kommt zurück", wird er zitiert. Sollte die Rettung von Wal Timmy glücklich enden, dürfte eine Menge Dankbarkeit auf Gunz zurückkommen. Und er wäre dann doch der Held, der er eigentlich sein will.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

gomagazine.de: "Blöd war ich nicht"

Buisiness Insider: "Diese Milliardäre finanzieren die Rettung von Wal "Timmy" – einer gründete Mediamarkt"

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