Sexualisierte Gewalt im Netz

Collien Fernandes bei Miosga: "Damit habe ich im Leben nicht gerechnet"

Veröffentlicht:

von Marko Schlichting

:newstime

Collien Fernandes bei Großdemo

Videoclip • 36 Sek • Ab 12


- Anzeige -
- Anzeige -

Ein Fünftel aller Frauen ist digitaler Gewalt ausgesetzt. Nun soll ihnen ein neues Gesetz helfen. Bei "Caren Miosga" äußert sich Schauspielerin Collien Fernandes über ihren Fall, der eine Diskurs-Lawine ausgelöst hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Collien Fernandes hat mit ihrem Fall eine Debatte über sexuelle Gewalt im Internet ausgelöst.

  • Im TV-Talk von Careb Miosga fordert sie, den Weg über die Justiz zu gehen.

  • Justizministerin Hubig verspricht in der Sendung ein neues Gesetz.

Theresia Crone ist Jurastudentin. Sie hat digitalisierte sexuelle Gewalt im Internet erlebt, genau wie die Schauspielerin Collien Fernandes. Beide gehören am Sonntagabend zu den Gästen bei "Caren Miosga" im Ersten. Beide haben sich gewehrt. Collien Fernandes, die Ex-Frau von Moderator und Schauspieler Christian Ulmen, hat sich an die Medien gewandt. Theresia Crone ist vor Gericht gegangen. Und sie hatte Erfolg.

"Es gab einen Strafbefehl", erzählt sie am Sonntagabend (29. März) im ARD-Talk. Der Täter sei vom Gericht wegen Verleumdung, Stalking und der Verletzung des Rechts am eigenen Bild zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen verurteilt worden. Aber: "Ich bin der einzige bekannte Fall, wo es für pornografische Deepfakes zu einer Strafe gekommen ist. Deswegen ist es mir wichtig zu sagen: Das ist keine Erfolgsgeschichte, sondern ein Zufallstreffer", sagt Crone.

Collien Fernandes: "Wir müssen den Weg über die Justiz gehen"

Fernandes hat ein mögliches Gerichtsverfahren noch vor sich. Die zunächst im "Spiegel" erhobenen schweren Vorwürfe gegen ihren Ex-Ehemann zeigen aber bereits jetzt Wirkung im politischen Diskurs: Tausende haben am Wochenende in mehreren Städten gegen Deepfakes und Gewalt gegen Frauen im Internet demonstriert. So wollten sie ihre Solidarität mit Collien Fernandes und allen betroffenen Frauen zeigen.

Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten eine Verschärfung des Sexualstrafrechts und einen besseren Schutz vor Gewalt im Internet. Besonders für Frauen. Von der positiven Resonanz über die Medienberichterstattung sei sie überrascht, sagt Collien Fernandes bei Caren Miosga. "Dass das so eine wahnsinnige Bewegung auslöst, dass so viele Menschen auf die Straße gehen, damit habe ich im Leben nicht gerechnet."

Von digitaler Gewalt seien vor allem Frauen betroffen, so Fernandes weiter. Die Täter seien zumeist männlich. "Darum ist es auch wichtig, den Frauen zu sagen: Geht raus! Ansonsten bleiben die Gesetze einfach Papier. Wir müssen den Weg über die Justiz gehen, um zu zeigen: Da passiert etwas. Es kann ja nichts passieren, wenn die Frauen nicht den Mund aufmachen", so Fernandes. Sie fordert, Gewalt gegen Frauen müsse generell härter bestraft werden. Deutschland müsse sich ein Beispiel an Spanien nehmen, wo die entsprechenden Gesetze härter seien.

- Anzeige -
- Anzeige -

"Nehmen wir sexualisierte Gewalt im Internet nicht ernst genug?"

Fernandes wünscht sich: "Es braucht erst einmal Schulungen für die Menschen, die die Anzeige von Betroffenen entgegennehmen. Man sollte auch in die Schulen gehen und ein Bewusstsein schaffen, was dieses Thema angeht." Fernandes weiß aber auch, dass Bundesjustizministerin Stefanie Hubig von der SPD auf ihrer Seite ist. Hubig will ein Gesetz auf den Weg bringen, das Frauen vor digitaler Gewalt schützt. "Da bin ich ganz zuversichtlich", sagt Fernandes.

"Nehmen wir sexualisierte Gewalt im Internet nicht ernst genug?", fragt Caren Miosga im Laufe ihrer Talkshow die Bundesjustizministerin. Ihr Urteil ist erschütternd: "ich würde sagen: leider ja." Dann erklärt Hubig: "Wir sehen einfach, dass im Bereich der digitalen Gewalt und des Schutzes davor wir nicht da stehen, wo wir stehen müssten. Wir haben Strafbarkeitslücken, das liegt auf der Hand. Und wir sehen auch, dass es im Bereich der Durchsetzung Schwierigkeiten gibt. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, da zu handeln."

Mit einem Gesetzentwurf will sie etwas dagegen tun. Hubig: "Wir wollen einmal unterscheiden zwischen pornografischen Deepfakes und anderen Deepfakes." Bei "normalen" Deepfakes soll das Verbreiten künftig strafbar sein, bei pornografischen Deepfakes bereits das Herstellen. "Wir sind jetzt mit dem Gesetzentwurf fertig, sodass wir den in die Frühkoordinierung geben konnten, und ich bin froh, dass wir einen Schritt weiter sind. Das ist keine einfache Materie, aber unglaublich wichtig."

Journalist kritisiert Äußerung von Kanzler Merz

Doch das wird nicht reichen, meint Jurist und Journalist Ronen Steinke. Der Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" fürchtet: Ohne ein Umdenken in der Gesellschaft wird man sexueller Gewalt im Internet gegen Frauen nicht Herr werden können. Männer würden das Thema nicht nur verharmlosen, sondern oft sogar damit angeben, wenn sie zu Tätern werden. Besonders kritisiert er die Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der hatte auf eine Frage im Bundestag am vergangenen Mittwoch zwar erklärt, er lehne Gewalt generell ab, hatte aber vor allem sexualisierte Gewalt von Zuwanderern kritisiert.

Auch Theresia Crone ist sauer, dass sich Merz nicht klarer gegen Gewalt im Internet positioniert hatte. Wichtig sei, die strafrechtliche Lücke in diesem Bereich zu schließen, sagt sie: "Im Endeffekt sind das so viele Menschen, die da mitmachen. Es ist so, dass es ganze Apps und ganze Webseiten gibt, die finanziell davon profitieren. Das ist ein Geschäftsmodell. Ich finde, wir sollten auch als Gesellschaft sagen: Das ist besonders heraushebendwürdig, wir sagen hier gemeinsam: Das machen wir nicht mit."

Die Aktivistin appelliert: "Wir können jetzt dafür sorgen, dass sich was ändert." Und nicht nur, was die Gesetze angeht, sondern auch in der gesellschaftlichen Diskussion. Da wünscht sie sich besonders die Unterstützung von Männern.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken