Tennessee
Satanistin Christa Gail Pike überlebt zwei Todesspritzen – Hinrichtung in den USA gescheitert
Aktualisiert:
von Emre Bölükbasi:newstime
Hinrichtung in letzter Sekunde gestoppt (30. September)
Videoclip • 02:04 Min • Ab 12
Die geplante Hinrichtung der einzigen Frau im Todestrakt von Tennessee ist auf dramatische Weise gescheitert: Zwei Injektionen tödlicher Chemikalien brachten Christa Pike nicht den Tod. Wie es jetzt weitergehen soll.
Das Wichtigste in Kürze
Zwei Giftspritzen, kein Tod: Christa Gail Pike hat ihre Hinrichtung in Tennessee überlebt.
Die 50-Jährige liegt nun im Krankenhaus.
Warum die Chemikalien nicht wirkten, ist bislang unklar.
Es war eine Nacht voller Wendungen, die in einem medizinischen Notfall endete: Christa Gail Pike, verurteilte Mörderin und die einzige Frau im Todestrakt des US-Bundesstaates Tennessee, hat die Vollstreckung ihres Todesurteils auf bislang ungeklärte Weise überlebt.
Zwei Spritzen – und Pike lebte noch
Um 20:26 Uhr Ortszeit am Mittwoch (30. September) hatten Zeug:innen der Vollstreckung nach Angaben von Pikes Verteidiger:innen beobachtet, dass beide Injektionen mit den vorgesehenen tödlichen Substanzen verabreicht worden waren – und Pike dennoch atmete und schnarchte.
Richter Kyle Hixson informierte die Anwält:innen aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz darüber, dass der Staat die 50-Jährige zu keinem Zeitpunkt für tot erklärt habe. Die Justizvollzugsbehörde ordnete anschließend medizinische Notfallversorgung sowie den Transport Pikes in ein Krankenhaus an.
Ein juristisches Tauziehen bis zur letzten Sekunde
Dem dramatischen Scheitern der Hinrichtung war ein erbitterter Rechtsstreit vorausgegangen. Zunächst hatte ein Berufungsgericht die Vollstreckung gestoppt, weil Pikes Verteidiger:innen Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens geltend gemacht hatten.
Kern des Streits: Pikes Angaben zu schweren Kindheitstraumata – darunter Vergewaltigung, körperliche und sexuelle Gewalt – waren vom Staat Tennessee zunächst als Lüge abgetan worden, später aber doch anerkannt worden. Diese Kehrtwende, so die Verteidigung, stelle das Fundament des ursprünglichen Verfahrens und damit auch das Strafmaß infrage.
Der Staat Tennessee zog daraufhin mit einem Eilantrag vor den Supreme Court und warf der Verteidigung bewusste Verzögerungstaktik vor. Das Oberste US-Gericht gab dem Antrag statt und hob den Vollstreckungsstopp auf. Die drei liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson votierten dagegen: Sotomayor bezeichnete das Vorgehen als "außergewöhnlich" und mahnte, eine fehlerhafte Entscheidung sei in diesem Fall nicht mehr korrigierbar.
Auch in den News:
Tat mit Satanismus in Verbindung gebracht
Pike war 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Die Täterin war bei der Tat 18 Jahre alt. Gemeinsam mit zwei weiteren Teenager:innen hatte sie das Opfer 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Laut "Tagesschau" wurde bei dem Mord ein Pentagramm – ein Symbol des Satanismus – in die Brust des Opfers geritzt. Der Fall schlug deshalb hohe Wellen und schürte Ängste vor dem Satanismus.
Von den drei Beteiligten war Pike die Einzige, die das Todesurteil erhielt – ihr damaliger, zum Tatzeitpunkt 17-jähriger Freund wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, eine gleichaltrige Mittäterin erhielt eine Bewährungsstrafe.
Historischer Fall mit offenem Ausgang
Wäre die Hinrichtung planmäßig vollstreckt worden, hätte es sich um die erste Exekution einer Frau in Tennessee seit dem Jahr 1819 gehandelt. Nun liegt die Verurteilte in einem Krankenhaus – und die rechtliche wie medizinische Lage ist vollkommen offen.
Was als historisches Datum in die Annalen des US-Strafrechts eingehen sollte, ist zu einem beispiellosen Vorfall geworden, der neue juristische und ethische Fragen aufwirft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Tagesschau: "Supreme Court erlaubt Hinrichtung von Frau in Tennessee"
:newstime verpasst? Hier neueste Folge ansehen
Mehr entdecken

30. Todestag von Lady Di
Wegen Harry: Prinz William lehnt Interview für Diana-Doku ab

Tech-Milliardär
Musk soll in Hegseths Auftrag "Zukunft der Kriegsführung" erforschen

Neuer Krach?
Klingbeils Zuckersteuer vorerst gestoppt – Kanzleramt legt Veto ein!

Einwanderung
Japan erhöht Gebühr für Daueraufenthalt drastisch

Schweizer Alpen
Bei Zermatt: US-Amerikaner stirbt nach Sturz in Gletscherspalte

Stimmungstest
Hamburg: CDU rutscht in Umfrage auf zwölf Prozent ab




