Sturz von Brücke
Bungeeseil vergessen: Erschütternde Details zum Tod einer jungen Frau in Brasilien
Veröffentlicht:
von Joachim VonderthannWeil das Sicherungsseil vergessen wurde, springt eine 21-Jährige von einer Brücke in Brasilien in den Tod. Die Mitarbeiter wollten ihren verheerenden Fehler offenbar vertuschen.
Bild: IMAGO/Pond5 Images
Nach dem tödlichen Seilsprung einer 21-Jährigen an einer verlassenen Brücke im brasilianischen Bundesstaat São Paulo kommen immer mehr verstörende Details ans Licht. Das Todesopfer soll sogar bestohlen worden sein.
Das Wichtigste in Kürze
Eine 21-Jährige starb in Brasilien bei einem Seilsprung, nachdem sie ohne Sicherungsseil in die Tiefe stürzte.
Ein Zeuge wirft einem Mitarbeiter vor, die Actionkamera des Opfers nach dem Unfall entfernt zu haben.
Rope Jumping ist die Extremvariante des bekannteren Bungee Jumping.
Actionkamera von toter Seilspringerin entfernt
Nach dem tödlichen Seilsprung einer 21-Jährigen im Hinterland des brasilianischen Bundesstaates São Paulo ermittelt die Polizei gegen mehrere Beteiligte. Die junge Frau war an der sogenannten "Ponte do Esqueleto" bei Limeira aus rund 40 Metern Tiefe gestürzt, ohne dass sie mit einem Sicherungsseil verbunden gewesen sein soll.
Wie die brasilianische Zeitung "O Globo" berichtet., soll ein Zeuge beobachtet haben, dass ein Mitarbeiter direkt nach dem Unfall die Actionkamera der Frau entfernt habe. Die Kamera ist laut Polizei bislang nicht gefunden worden und gilt inzwischen als wichtiger Gegenstand der Ermittlungen. Der Zeuge vermutet, dass damit möglicherweise Beweise beseitigt werden sollten.
Rope Jumping ist ein Extremsport, bei dem sich Menschen gesichert mit einem Kletterseil in die Tiefe stürzen. Im Gegensatz zum bekannteren Bungee Jumping ist das Seil kaum elastisch. Es wird üblicherweise versetzt von der Absprungstelle befestigt, so dass der Sturz durch eine Pendelbewegung abgefedert wird.
Auch in den News:
Kamera der Frau nach Todessturz von Brücke entfernt
Laut Polizeibericht hatte das Opfer den gesamten Vorfall mit einer Actionkamera aufgezeichnet. Nach Auswertung des vorhandenen Videomaterials sei bestätigt worden, dass die Kamera beim Sprung tatsächlich im Einsatz war. Die zuständigen Mitarbeiter:innen hätten auf Nachfrage aber erklärt, nicht zu wissen, wo sich das Gerät befinde, berichtet "O Globo".
Besonders schwer wiegen die Aussagen eines Zeugen, der selbst in der Warteschlange für einen Sprung stand. Seinen Angaben zufolge hätten die Verantwortlichen nach dem tödlichen Unfall keine Erklärung gegenüber den anwesenden Kund:innen abgegeben und desorientiert gewirkt. Danach soll ein Mitarbeiter die GoPro-Kamera vom Hals der bereits am Boden liegenden Sterbenden entfernt haben. Außerdem hätten Beteiligte ihre Ausrüstung eingesammelt, zu einem Fahrzeug gebracht und teils sogar ihre Kleidung gewechselt, wie die "Welt" berichtet.
Mitarbeiter vergessen Seil bei junger Frau
Die Zivilpolizei untersucht nun, wie es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte. Ein Polizeibeamter sagte, die drei Männer seien festgenommen worden und könnten wegen Totschlags angeklagt werden. "Sie erinnern sich nicht, ob sie vergessen haben, die Seile anzubringen, wer dafür zuständig war oder wer die Kontrolle versäumt hat. Tatsache ist aber, dass die Seile nicht an ihr befestigt waren", zitiert "O Globo" den Polizisten.
Auf online verbreiteten Videos des Vorfalls ist demnach zu hören, wie ein Umstehender die Mitarbeiter anschreit, sie sollten die Frau an einem Seil befestigen. Die Mitarbeiter selbst tragen demnach Gurte, die offenbar mit einem Sicherheitsseil verbunden sind. Die 21-Jährige soll darum gebeten haben, sich "wie ein Flugzeug" von der Brücke in die Tiefe fallen zu lassen. Zwei Ausbilder hoben sie demnach über ihre Schultern, bevor sie in den Abgrund stürzte.
Frau soll nach dem Sturz noch gelebt haben
Eine Krankenschwester, die kurz nach dem Unfall zu den ersten Helfer:innen gehörte, schilderte dramatische Momente. "Ich sah, dass sie schwer atmete. Ich überprüfte ihre Pupillen, die leider beide erweitert waren. Ich konnte einen Puls feststellen. Er war sehr schwach, aber sie hatte noch einen Puls", sagte sie laut Bericht.
Nach Angaben von "O Globo" hatte die 21-Jährige für den Sprung insgesamt 330 brasilianische Reais bezahlt, umgerechnet etwa 56 Euro. Darin enthalten gewesen seien 180 Reais für den Sprung und weitere 150 Reais für die Aufzeichnung mit einer 360-Grad-Kamera.
Auch die Stadtverwaltung von Limeira reagierte scharf. Bürgermeister Murilo Félix erklärte: "Leider hat die Untätigkeit der Bundesbehörden nun zu einer weiteren Tragödie in Limeira geführt." Die Stadt kündigte eine Klage gegen jene Bundesstellen an, die für die Sicherung der verlassenen Brücke zuständig ist.
Verwendete Quellen:
Welt: "Frau ohne Seil von Brücke geworfen – Mitarbeiter soll Kamera von Sterbender gestohlen haben"
Nachrichtenagentur dpa
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