Erschreckende Zahlen
Bundeswehr: 430 Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
So übt die Bundeswehr den modernen Krieg
Videoclip • 01:44 Min • Ab 12
Die Zahl der Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten in der Bundeswehr steigt. Generalinspekteur Carsten Breuer fordert Soldat:innen und Vorgesetzte auf, nicht wegzusehen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Bundeswehr meldete 2025 bereits 430 Erstfälle sexualisierten Fehlverhaltens, 2026 könnte ein neuer Höchststand folgen.
Generalinspekteur Carsten Breuer fordert in einem internen Tagesbefehl, Fehlverhalten nicht zu tolerieren oder zu ignorieren.
Eine Dunkelfeldstudie zu Erfahrungen von Soldatinnen soll bis Ende 2026 Ergebnisse liefern und könnte weiteren Handlungsbedarf offenlegen.
Die Bundeswehr registriert offenbar immer mehr Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten. Generalinspekteur Carsten Breuer hat sich deshalb laut einem Bericht des "Spiegel" in einem internen Tagesbefehl an Soldat:innen und Vorgesetzte gewandt. Er beobachte die Entwicklung "mit großer Sorge", heißt es demnach in dem Schreiben.
Unter sexualisiertem Fehlverhalten fasst die Bundeswehr verschiedene Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung zusammen. Dazu zählen anzügliche Sprüche und unerwünschte Annäherungen ebenso wie sexualisierte Gewalt. Breuer macht laut "Spiegel" klar: "Jede Form von sexuellem Fehlverhalten hat keinen Platz in den Streitkräften."
Neue Höchstwerte bei Meldungen möglich
Die Zahl der Erstmeldungen war in den vergangenen Jahren bereits gestiegen. 2023 wurden laut "Spiegel" 385 Fälle registriert, 2024 waren es 395, im Jahr 2025 dann 430. Aus Bundeswehrkreisen heißt es dem Bericht zufolge, dass 2026 ein neuer Höchststand erreicht werden könnte.
Breuer warnt demnach auch vor den Folgen für die Truppe. Wegsehen gefährde nicht nur den Zusammenhalt, sondern am Ende auch die Einsatzbereitschaft. "Das ist nicht akzeptabel", schreibt der Generalinspekteur und appelliert an Haltung und Verantwortungsgefühl aller Angehörigen der Bundeswehr.
Studie soll Dunkelfeld untersuchen
Zusätzlichen Druck erzeugt eine noch nicht veröffentlichte sogenannte Dunkelfeldstudie. Darin wurden aktive und frühere Soldatinnen anonym nach ihren Erfahrungen mit sexualisiertem Fehlverhalten gefragt. Nach Informationen des "Spiegel" haben sich mehr als 15 Prozent der angeschriebenen Frauen beteiligt. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.
Der Bericht schildert, dass viele Teilnehmerinnen nicht nur von einzelnen unangenehmen Erfahrungen, sondern von konkreten Missständen in Kasernen und Dienststellen berichten sollen. Die Angaben und die Studie sind bislang nicht veröffentlicht und können daher nicht abschließend bewertet werden. Breuer selbst wollte den Ergebnissen nicht vorgreifen, betont aber: "Die Zahl der gemeldeten Fälle ist zu hoch."
Auch in den News:
Aktionsplan und Folgen für Reservist:innen
Die Bundeswehr arbeitet nach Angaben des Magazins bereits an Maßnahmen. Die Heimatschutzdivision habe einen Leitfaden für ein "wertschätzendes Miteinander" entwickelt. Breuer ordnete demnach an, dass andere Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche vergleichbare Programme aufsetzen sollen. Schon in der Ausbildung müsse über Umgang mit Sexualität und sexualisiertem Fehlverhalten gesprochen werden.
Reservist:innen, gegen die disziplinare Maßnahmen wegen entsprechender Delikte angeordnet wurden, sollen nicht mehr zu Übungen einrücken dürfen. Für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist das Thema auch deshalb heikel, weil die Bundeswehr dringend Personal sucht.
Verwendete Quellen:
Spiegel: "Mehr sexualisiertes Fehlverhalten in der Bundeswehr alarmiert Generalinspekteur"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Riskantes Manöver
Flucht vor Zug: Traktor reißt bei Bad Lausick Bahnschranken ab

Katastrophenschutz
Bundesweiter Warntag 2026: Das musst du zu der Aktion wissen

Nach AfD-Wahlsieg
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer veräppelt Sachsen-Anhalt

Aussichten
Wetterumschwung: Erst über 30 Grad, dann Temperatursturz

Kurioser Fund
Sexpuppe löst Einsatz im Bremerhavener Kaiserhafen aus

Tragödie in NRW
Stark verweste Leichen in Solingen gefunden: Mutter und Sohn?



