Forschende haben Vermutung
Bizarres Spektakel im Meer: Warum Orcas Jagd auf Mondfische machen – aber sie nicht fressen
Aktualisiert:
von Benedikt Rammer:newstime
Rätsel um kurioses Orca-Verhalten
Videoclip • 01:02 Min • Ab 12
Orcas haben laut einer neuen Studie tote Mondfische gezielt gerammt und in kleine Stücke zerlegt. Forschende vermuten dahinter Fütterung von Jungtieren, Spielverhalten oder Training für die Jagd.
Das Wichtigste in Kürze
Forschende beobachteten vor Mexiko, wie Orcas tote Mondfische gezielt rammten und in kleine Stücke zerlegten.
Laut Studie könnte das Verhalten Jungtieren das Fressen erleichtern, dem Spiel dienen oder Teil eines Trainings sein.
Die Beobachtung passt zu anderen bekannten Beispielen für kooperative und hochkomplexe Jagdtechniken von Orcas.
Orcas sind für ihre ausgefeilten Jagdtechniken bekannt. Nun haben Biolog:innen ein weiteres auffälliges Verhalten dokumentiert: Vor der Küste des mexikanischen Bundesstaates Baja California Sur beobachteten sie, wie Schwertwale tote Mondfische rammten und deren Gewebe in viele kleine Teile zerfetzten. Die Beobachtung wurde in der Fachzeitschrift "Frontiers in Ethology" veröffentlicht.
Die Erstautorin Kathryn Ayres von der Meeresschutz-Organisation "Beneath The Waves" beschreibt den Vorgang so: "Wir haben dokumentiert, wie ein Orca einen Mondfisch festhält und ihn loslässt, kurz bevor ihn ein anderer Orca mit hoher Geschwindigkeit rammt, wodurch das Gewebe in Tausende Stücke zerbricht". Für die Forschenden spricht vieles dafür, dass das Verhalten kein Zufall ist, sondern Teil einer gemeinsamen Aktion innerhalb der Gruppe.
Mexiko, Baja California Sur: Ein Orca prallt absichtlich auf einen toten Mondfisch und zerlegt ihn so in Tausende kleine Teile.
Bild: Kathryn Ayres/beneaththewaves.org/dpa
Forschende sehen mehrere Erklärungen
Nach Angaben des Teams war der gerammte Mondfisch bereits tot. Auch seine Eingeweide fehlten schon, was nach Einschätzung der Wissenschaftler:innen zeigt, dass es sich nicht um eine eigentliche Tötungsstrategie handelte. Stattdessen gehen die Autor:innen von anderen möglichen Funktionen aus. Ayres sagte: "Wir vermuten, dass dies jüngeren Orcas die Nahrungsaufnahme erleichtert oder einfach nur dem Spiel dient. Orcas sind dafür bekannt, mit ihrer Beute zu spielen", so die Forscherin laut Studienbeschreibung.
Konkret beobachtete Ayres im Jahr 2024 ein Orca-Weibchen, das einen toten Spitzschwanz-Mondfisch an seiner großen Schwanzflosse festhielt. Ein Männchen der Gruppe beschleunigte dann und schwamm direkt auf den Fisch zu. Kurz vor dem Zusammenstoß ließ das Weibchen los. Durch den Aufprall wurde das Gewebe des Mondfischs zerfetzt. Ein Jungtier begann anschließend, die kleineren Stücke zu fressen. Die erwachsenen Tiere fraßen dagegen größere Überreste des Körpers und ließen die kleineren Fragmente liegen.
Auch in den News:
Mondfische sind groß und schwer
Mondfische gehören zu den auffälligsten Knochenfischen der Welt. Sie können mehr als drei Meter lang und über zwei Tonnen schwer werden. Außerdem halten sie sich in unterschiedlichen Tiefen auf und kommen auch an die Wasseroberfläche. Im Golf von Kalifornien waren Orcas schon früher dabei beobachtet worden, wie sie Mondfischen Wunden zufügten und gezielt die fettreichen inneren Organe fraßen.
Die neue Studie beschreibt nun ein anderes Muster. Ein ähnlicher Vorfall wurde laut den Autor:innen auch 2025 vor der Isla Cerralvo im Golf von Kalifornien gefilmt. Das spricht aus Sicht des Teams dafür, dass es sich nicht um ein einmaliges Ereignis handelt. Möglich sei, dass erwachsene Tiere Jungtiere beim Fressen unterstützen. Ebenso denkbar sei eine soziale Spielhandlung oder eine Art Training für spätere Jagden.
Orcas gelten als extrem anpassungsfähig
Dass Orcas gemeinsam jagen und dabei komplex vorgehen, ist seit Langem bekannt. Laut Studie fressen Schwertwale rund 200 verschiedene Tierarten. Sie jagen teils auch Beute, die größer ist als sie selbst. Die Autor:innen verweisen darauf, dass Orcas sogar bei der Jagd auf Walhaie kooperieren: Mehrere Tiere halten demnach die Beute fest, während ein weiteres Tier sie rammt.
Auch andere Strategien zeigen, wie flexibel Orcas vorgehen. So blockieren sie mitunter Fluchtwege von Weißen Haien oder erzeugen zusammen Wellen, um Robben und Pinguine von Eisschollen ins Wasser zu spülen. Die neuen Beobachtungen bei Mondfischen fügen diesem Bild nun ein weiteres Beispiel hinzu. Sie zeigen, wie ausgeprägt das soziale Lernen und die Zusammenarbeit in Orca-Gruppen offenbar sind.
Verwendete Quellen
Mitteilung des Verlages Frontiers
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

USA erhöhen Druck auf den Iran
Trump lässt gefürchteten B-1-Bomber auf iranische Revolutionsgarden los

Fünf Cent pro Liter
Amazon gibt Tankrabatt: Was du über die Aktion wissen musst

Sanierungsarbeiten
Stau Richtung Nordsee: Autobahn A12 tagelang komplett gesperrt

Drogeriekette
Warum dm halb einer Stiftung und halb einem 23-Jährigen gehört

Besonderes Jubiläum
Steiff veröffentlicht begehrte Pokémon-Figur in Europa

Vögel oder Kultur?
Neue Euro-Scheine: EZB zeigt Designs – so kannst du mitentscheiden

