Russland-Politik der USA

"Kompromittiert von Putin" - Scaramucci erhebt bei Illner schwere Vorwürfe gegen Trump

Veröffentlicht:

von Doris Neubauer

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Ablehnung gegen Trumps Russland-Politik

Videoclip • 02:00 Min • Ab 12


"Kompromittiert", "abgestumpft", "hinterhergelaufen": Bei "Maybrit Illner" fielen am Donnerstag harte Worte über Donald Trump und Europas Umgang mit der US-amerikanischen Ukraine-Politik. Und CDU-Politiker Laschet wurde die Täter-Opfer-Umkehr zum Verhängnis.

"Ich denke, er ist kompromittiert worden von Wladimir Putin." Es ist ein schwerer Verdacht, den Anthony Scaramucci am Donnerstagabend (22. Oktober) bei Maybrit Illner im ZDF über seinen früheren Arbeitgeber Donald Trump äußerte. Der ehemalige Kommunikationsdirektor, der 2017 ganze zehn Tage als Pressesprecher des Republikaners amtierte, war aus New York zugeschaltet.

Seit 2017 habe Trump Putin viele Wünsche erfüllt, so Scaramucci, etwa mit den Drohungen gegen Grönland und der Vernachlässigung der NATO-Partner. Seine "harsche Meinung" über Trump sei vielleicht "aggressiver" als die mancher anderer, doch die Umfragen stützten seinen Unmut: Nur noch 27 Prozent der Amerikaner seien mit Trumps Wirtschaftspolitik zufrieden, die allgemeinen Beliebtheitswerte lägen mit 31 bis 35 Prozent auf dem Tiefstand seiner Amtszeit, und 70 Prozent stünden hinter der Ukraine. "Doch dem Präsidenten ist das mehr oder weniger egal."

Warum Trump so handelt, erklärte CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen so: Selenskyj gelte ihm als Bittsteller, in Putin sehe er dagegen einen starken Mann, mit dem er sich vergleiche: "Es gibt nicht viele Leute, von denen ich sagen würde, Donald Trump hat Hochachtung vor ihnen. Ich glaube, es gibt zwei: Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu. Vor denen hat er große Hochachtung und fast schon Ehrfurcht." Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institute erkannte dahinter vor allem Wahlkampftaktik. Trump habe weder die Inflation gesenkt noch die Kriege beendet, wie versprochen, und versuche nun zu punkten, "indem er versucht, Selenskyj die Schuld in die Schuhe zu schieben".

Trumps ehemaliger Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci erhebt in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" schwere Vorwürfe gegen den US-Präsidenten.

Bild: ZDF/Svea Pietschmann


Michael Mittermeier wettert gegen Laschet: "Sind wir so abgestumpft?"

Mit dieser Täter-Opfer-Umkehr ist er offenbar nicht allein, wie Illner anmerkte und eine frühere Aussage des anwesenden Armin Laschet einspielte: "Selenskyj muss einen Weg finden, die Amerikaner bei der Stange zu halten", hatte der CDU-Politiker geraten. In der Sendung legte er nach: "Es ist unser tagtägliches Geschäft, Trump in Europa engagiert zu halten." Wie Selenskyj im US-Fernsehen auf Trump zu schimpfen oder "fünfmal am Tag zu sagen, es ist falsch", ändere nichts. Man müsse anerkennen, dass Trump in den Verhandlungen eine prägende Figur bleibe. "Mit dieser Realität muss man umgehen und alles dafür tun, um die europäische Position einzubringen."

Damit konnte Comedian und Kabarettist Michael Mittermeier wenig anfangen. "Wir sitzen hier in einem sicheren Land. Sind wir so abgestumpft?", fragte der studierte Politologe und Amerikanist. Wenn Trump dem Präsidenten des angegriffenen Landes vor laufender Kamera eine Mitschuld gebe, sei das "so krass, so schäbig". Doch auch Europas Politiker stünden in der Verantwortung. "Wie lange sind wir denn hinter Trump hergelaufen?", wandte er sich an Laschet. Schon vor zehn Jahren habe er gewarnt: Komme man Trump einen halben Meter entgegen, verlange er im nächsten Jahr einen ganzen. Statt sich anzubiedern, solle Europa "ein Gegengewicht anbieten und zeigen, dass wir auch stark sind".

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Michael Mittermeier hofft auf Ende von "Mr. Orange"

Einig war sich die Runde, dass Trump seinen Kurs auch nach den Midterms nicht ändern wird. "Er hat schon gesagt, er muss keine Wahl gewinnen", zitierte Pleitgen. Die meisten seiner Positionen zu Europa und dem Nahen Osten werde er unverändert fortführen. Das könne zu einer "großen Zerreißprobe für die amerikanische Gesellschaft" werden.

"In jedem Fall bleibt er sehr gefährlich in den nächsten zwei Jahren", brachte es Mittermeier auf den Punkt, um dann doch noch kabarettistisch zu werden: "Wir können nur hoffen, dass in zwei Jahren Mr. Orange weg ist ... auf welchem Golfplatz er sich auch begraben lässt."


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