Wall Street
Wie Trump die Märkte fest in seinen Händen hält
Veröffentlicht:
17:30 SAT.1 Bayern
Trump sorgt für Börsen-Crash: Ist Altersvorsorge in Gefahr?
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Die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und der Börse ist dynamisch und aufgeheizt. Laut Analysen hat noch nie ein Präsident so viel Einfluss auf den Aktienmarkt gehabt wie er.
Das Wichtigste in Kürze
Die Bewegungen an der Börse hängen seit dem Amtsantritt von Donald Trump von den launischen Posts des Republikaners ab.
Während einige Markanalysten die Kontrolle des Republikaners über die Wall Street kritisieren, machen andere soziale Medien für die Marktvolatilität verantwortlich.
Unterdessen sieht sich Trump mit Vorwürfen konfrontiert, sich durch sein politisches Amt an Aktienmärkten zu bereichern.
Der Abschuss eines Apache-Hubschraubers brachte die US-Märkte wieder in Bewegung. Jedoch erst, als der mächtigste Mann der Welt das Wort erhob. Kurz nach dem Post von US-Präsident Donald Trump über das Fortsetzen der Angriffe auf den Iran reagierte die Börse: Die wichtigsten amerikanischen Aktienindizes verloren über ein Prozent, während der Ölpreis sprunghaft anstieg.
Kein seltenes Phänomen an der Börse. Politische Nachrichten beeinflussen Aktienkurse nun mal unmittelbar. Eine Nachricht über die Fortsetzung eines Kriegs rund um eine der weltweit wichtigsten Handelsstraßen stellt für Anleger ein hohes geopolitisches Risiko dar, worauf die Börse mit Volatilität reagiert.
Lieferketten werden unterbrochen, Ressourcen- und Nahrungsmittelengpässe könnten drohen. Auch andere wichtige Rohstoffe, die für Unternehmen in Abhängigkeit von der Branche Bedeutung tragen, könnten Auswirkungen auf Gewinnprognosen zeigen – für Investoren und Anleger ein Zeichen dafür, Aktien zu verkaufen. Weitere Faktoren, wie etwa Inflationsraten oder Zinsentscheidungen, nehmen außerdem Einfluss auf Kursbewegungen.
Trumps launische und aggressive Rhetorik verursacht Marktvolatilität
Doch im Falle von US-Präsident Donald Trump nehmen die Bewegungen auf dem Aktienmarkt neue Dimensionen an. Ein Tweet des Republikaners reicht, um einen Börsencrash zu verursachen. Vor allem ist dies seinem launischen und überspitzten Kommunikationsstil geschuldet. "Es gibt bei ihm keine typisch diplomatische Sprache, sondern sehr drastische Statements, auf welche die Märkte dann sofort anspringen.", sagte Chef-Kapitalmarktstratege bei Franklin Templeton, Martin Lück dem ZDF.
An der Börse hat sich Trump damit zumindest einen Namen gemacht. Begriffe wie TACO - "Trump always chickens out", TUNA - "Trump usually negates announcements" oder NACHO - "Not a chance Hormuz opens" gehören mittlerweile zu Wall-Street-Akronymen, die einen Kurszusammenbruch aufgrund einer leeren Drohung des US-Präsidenten beschreiben, woraufhin dann eine Kurserholung folgt.
Experte: Börse in Trumps "Würgegriff"
Wie eine aktuelle Auswertung des Analyseunternehmens für Finanzmärkte Fundstrat zeigt, war Donald Trump auch für die fünf besten und fünf schlechtesten Tage des S&P-500-Index - des wichtigsten Aktienindex der USA - verantwortlich. Die Untersuchung betrachtet dabei den Zeitraum seit Beginn der Amtszeit von Ronald Reagan 1981. Demnach hat kein anderer Präsident vor Trump so viele beste und schlechteste Tage auf dem Aktienmarkt verursacht wie der Republikaner.
"Er hat den Markt im Würgegriff", kommentierte der Fundstrat-Wirtschaftsstratege Hardika Singh die Ergebnisse. Der beste Tag des S&P-500-Index war der Analyse zufolge der 9. April 2025, als Trump ankündigte, seine Zölle auszusetzen. Als schlechtester Tag wurde der 4. April datiert, als China Zölle gegen die USA bekanntgab. "Der Präsident sollte eigentlich nicht so außerordentlich viel Kontrolle über die Geschicke des Aktienmarktes haben. Das ist völlig beispiellos", ergänzte Singh.
Wall Street auf Achterbahnfahrt: Trumps Posts bestimmen den Kurvenverlauf
Finanzexperten beobachten besonders seit dem Ausbruch des Krieges im Iran eine irre Achterbahnfahrt an der Wall Street. Es sei mittlerweile bereits so weit gekommen, dass Anleger so konditioniert seien, nach einer aggressiven Ankündigung des Republikaners auf einen Rückzieher zu warten – Stichwort TACO.
Zwar bestand immer schon eine Wechselwirkung zwischen dem Weißen Haus und dem Aktienmarkt, jedoch würden Marktanalysten in der aktuellen Amtsperiode des Republikaners und der Wall Street eine besonders dynamische Beziehung sehen. "Ich habe noch nie einen Markt gesehen, der so stark von den täglichen Äußerungen aus dem Weißen Haus beeinflusst wurde", erklärte Marktstratege Ed Yardeni von Yardeni Research laut Nachrichtenagentur Bloomberg.
Der US-Präsident neigt auch hin und wieder dazu, direkt in den Aktienmarkt einzugreifen, indem er die Wall Street warnte, nicht in Panik zu geraten, oder Investoren zu Käufen ermutigte.
Für die dynamische Wechselwirkung zwischen der Wall Street und dem US-Präsidenten sei neben Trumps Affinität für die Börse allerdings auch noch ein anderes Medium verantwortlich. Die algorithmusgesteuerten Verwaltung von Aktienportfolios und die Kommunikation über Social-Media-Kanäle tragen heutzutage zur stärkeren Volatilität am Aktienmarkt bei. Trump kommuniziert viel häufiger über seinen Kanal auf Truth Social. Die Nachrichten verbreiten sich dann blitzschnell in sozialen Medien und erreichen die Öffentlichkeit unmittelbar.
Auch in den News:
Vorwurf des Insiderhandels: Auffällige Bewegungen am Ölmarkt
Unabhängige Analysen des gemeinnützigen Mediennetzwerkes "The Coversation" haben unterdessen Auffälligkeiten an den Bewegungen am Ölmarkt im Zusammenhang mit den Posts des US-Präsidenten verzeichnet. Demnach sollen sich Kurse bereits kurz vor der Veröffentlichung seiner Posts stark bewegt haben. Die unabhängige Untersuchung steht im Zusammenhang mit Wetten am Ölterminmarkt. Eine Summe von fast einer Milliarde US-Dollar sei auf einen fallenden Ölpreis gesetzt worden, kurz bevor Trump am 7. April einen Waffenstillstand mit dem Iran verkündete. Am selben Tag noch vor Börsenbeginn drohte Trump via Truth Social, dass "eine ganze Zivilisation heute Nacht untergehen" werde, was zu einem rapiden Anstieg des Ölpreises führte. Auch an Prognosemärkten soll es ähnliche Anomalien gegeben haben. Beide Märkte sind demnach anfällig für Insiderhandel, da durch vorzeitigen Zugang zu Informationen Gewinne erzielt werden können.
Andere führende US-Medien berichteten ebenfalls über persönliche Bereicherungen nach den Aussagen oder politischen Handlungen Trumps im Zusammenhang mit dem Erwerb von Anteilen an Unternehmen, wie Nvidia oder Palantir. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Insiderhandels gegen den US-Präsidenten hat die US-Ethikbehörde Office of Government Ethics (OGE) einen Bericht veröffentlicht, der den Wertpapierhandel des Republikaners dokumentiert. Trump soll sich durch die Geschäfte Vorteile aus politischen Entscheidungen verschafft haben. Die Wertpapiergeschäfte belaufen sich demnach auf ein Handelsvolumen von ungefähr 220 bis 750 Millionen Dollar und wurden im ersten Quartal 2026 durchgeführt – es handelt sich um tausende Transaktionen. Nach dem sogenannten "Stock Act" ist es Politikern, die ein Amt tragen, verboten, Börsengeschäfte durchzuführen. Beweise dafür gibt es aber bisher nicht.
Verwendete Quellen:
bloomberg.com: "'He Has the Market in a Chokehold': Stocks Swing as Trump Posts"
zdfheute.de: "Trump und die Börsen: Warum seine Worte Märkte verändern"
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