Geniale Idee
Warum Tiefkühl-Sahnetorten lange als unmöglich galten – und wie Coppenrath & Wiese das änderte
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Tiefkühlkost in der Mikrowelle?
Videoclip • 05:38 Min • Ab 12
Gefrorene Sahnetorten sind heute selbstverständlich – doch bis in die 1970er‑Jahre waren sie jedoch industriell nicht herstellbar. Tüftler Josef Wiese fand eine Lösung – und gründete mit seinem Cousin das Unternehmen Coppenrath & Wiese.
Wie Tiefkühltorten massentauglich wurden
Sahne verliert beim Einfrieren und später beim Auftauen oft ihre cremige Konsistenz: Sie flockt aus und wird wässrig. Das ist keine gute Voraussetzung für eine Torte. Genau dieses Problem lösten die Gründer von Coppenrath & Wiese – und schufen damit die Grundlage für eine ganz neue Produktkategorie.
1974 hatten Aloys Coppenrath und sein Cousin Josef Wiese eine ungewöhnliche Idee: Sie wollten Konditoreiwaren tiefgekühlt verkaufen. Die Sahnetorten sollten industriell hergestellt, schockgefrostet und von den Kund:innen erst zu Hause aufgetaut werden.
Doch das größte Hindernis war die Sahne selbst, die sich nicht so einfach einfrieren ließ. Josef Wiese ließ sich davon nicht entmutigen. Der Konditormeister war ein Tüftler – er wollte eigentlich sogar Konstrukteur werden. Nach dem frühen Tod seines Vaters musste er jedoch die elterliche Konditorei übernehmen. Seine Begeisterung für Technik verlor er trotzdem nie.
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Wiese begann, Maschinen und Verfahren zu entwickeln, mit denen er Sahne kontinuierlich aufschlagen und in gleichbleibender Qualität verarbeiten konnte. Ihm gelang der Durchbruch: Damit blieb die Sahne stabil und cremig. Welche Technik genau dahintersteckt und wie er das anstellte, verrät das Unternehmen nicht. Bis heute spricht es vom "sahnigen Geheimnis".
Ebenso wichtig war das anschließende Einfrieren. Die fertig gebackenen Torten werden direkt nach der Herstellung innerhalb kürzester Zeit schockgefrostet. Durch das schnelle Einfrieren entstehen viel kleinere Eiskristalle als beim langsamen Gefrieren. Struktur, Feuchtigkeit und Cremigkeit der Sahne bleiben so weitgehend erhalten.
Das Zusammenspiel aus neuem Sahneverfahren und Schockfrosten machte Tiefkühltorten erstmals massentauglich.
1975 gründeten die Cousins ihre Firma Coppenrath & Wiese in einer umgebauten Molkerei. Das erste Produkt war die "Wiener Platte" mit sechs verschiedenen Sahnetortenstücken.
Das Unternehmen baute sein Sortiment immer weiter aus. Nach weiteren Torten wie der Schwarzwälder Kirschtorte folgten später Kuchen und Aufbackbrötchen.
Aus einer Idee, die viele für kaum umsetzbar hielten, entwickelte sich einer der erfolgreichsten Tiefkühlbackwaren-Hersteller Deutschlands. Heute produziert Coppenrath & Wiese an seinem Produktionsstandort in Mettingen täglich rund 260.000 tiefgekühlte Torten, Kuchen und Backwaren. Das Unternehmen gehört seit 2015 zu Dr. Oetker.
Coppenrath & Wiese verkauft tiefgekühlte Kuchen und Torten.
Bild: Manfred Segerer
Verwendete Quellen:
Unternehmensseite von Coppenrath & Wiese
Newstime: "Coppenrath: Wie sich aus einer Landbäckerei zwei bekannte Marken entwickelten"

