Digitalwährungen
Nach Milliarden-Hack: Binance nimmt Auszahlungen wieder auf
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Hackerangriff auf Kryptobörse Binance
Videoclip • 39 Sek • Ab 12
Nach dem milliardenschweren Hackerangriff nimmt Binance wieder Auszahlungen auf. Die Kryptobörse will die Verluste ihrer Kund:innen weitgehend selbst auffangen.
Das Wichtigste in Kürze
Binance hat nach eigenen Angaben rund 95 Prozent der gestohlenen Vermögenswerte ausgeglichen.
Auszahlungen wichtiger Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum sind schrittweise wieder möglich.
Das FBI macht nordkoreanische Hacker für den milliardenschweren Angriff verantwortlich.
Nach dem historischen Hackerangriff auf die Kryptobörse Binance kehrt die Plattform schrittweise zum Normalbetrieb zurück. Das Unternehmen hat damit begonnen, Auszahlungen wieder freizugeben. Gleichzeitig teilte Binance mit, inzwischen rund 95 Prozent der bei dem Angriff gestohlenen Vermögenswerte ersetzt oder finanziell abgedeckt zu haben.
Bei der Cyberattacke waren Kryptowährungen im Wert von rund 6,3 Milliarden US-Dollar entwendet worden. Der Vorfall gilt damit als einer der größten Krypto-Diebstähle überhaupt. Binance hatte Auszahlungen daraufhin vorübergehend gestoppt und umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen eingeleitet.
Wie Reuters berichtet, werden die Auszahlungen nun in mehreren Phasen wieder aufgenommen. Zunächst betrifft das unter anderem Bitcoin, Ether, BNB, Solana, XRP und Dogecoin. Die noch fehlenden rund fünf Prozent der gestohlenen Vermögenswerte bestehen Binance zufolge vor allem aus weniger liquiden Token, die schwieriger in größeren Mengen zu beschaffen sind.
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Binance will Milliardenverlust selbst tragen
Für Kund soll der Rekorddiebstahl nach Angaben des Unternehmens keine direkten finanziellen Verluste bedeuten. Binance versichert, die entstandenen Schäden vollständig selbst zu übernehmen. Zur Finanzierung greift die Plattform auf mehrere Reserven zurück.
Nach Unternehmensangaben kommen dabei unter anderem Mittel aus dem Notfallfonds SAFU, dem Futures Insurance Fund und der eigenen Unternehmensreserve zum Einsatz. Bereits am Samstag hatte Binance gemeldet, rund 90 Prozent der betroffenen Vermögenswerte ersetzt zu haben. Inzwischen sei dieser Anteil auf etwa 95 Prozent gestiegen.
Ein Teil der gestohlenen Gelder konnte zudem eingefroren werden. Binance hatte zuvor mitgeteilt, gemeinsam mit Partnern rund drei Milliarden Dollar an betroffenen Vermögenswerten auf der Blockchain lokalisiert und eingefroren zu haben.
Die zehn wichtigen Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, USDT, BNB, Solana, USDC, XRP, USD1, RLUSD und Zcash seien inzwischen wieder vollständig durch Reserven gedeckt.
Das Logo der Kryptobörse Binance. Nach einem milliardenschweren Hackerangriff nimmt die Plattform schrittweise wieder Auszahlungen auf.
Bild: Matt Slocum/AP/dpa
FBI macht nordkoreanische Hacker verantwortlich
Parallel zur Wiederherstellung der Plattform laufen die Ermittlungen zum Angriff weiter. Das FBI macht die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor für den Diebstahl verantwortlich. Nach Angaben der US-Bundespolizei steckt die staatlich unterstützte Gruppe hinter dem Abfluss von mehr als sechs Milliarden Dollar aus Binance.
Die Ermittler haben demnach beobachtet, wie Teile der gestohlenen Kryptowährungen in Ethereum umgewandelt wurden. Das FBI geht davon aus, dass die Täter versuchen werden, die Beute anschließend über dezentrale Finanzdienste und sogenannte Instant-Swap-Plattformen weiter zu verschleiern.
Gemeinsam mit dem Secret Service und der Steuerfahndung IRS-CI rief die US-Bundespolizei deshalb Kryptodienstleister dazu auf, Transaktionen zu blockieren, die mit identifizierten Wallet-Adressen der Hacker in Verbindung stehen.
Neuer Reservenachweis soll Vertrauen schaffen
Nach dem Milliardenangriff versucht Binance zugleich, Zweifel an der finanziellen Stabilität der Plattform auszuräumen. Das Unternehmen hat einen neuen sogenannten "Proof of Reserves"-Schnappschuss erstellt.
Damit soll nachvollziehbar werden, ob die Guthaben der Kund tatsächlich durch entsprechende Vermögenswerte der Börse gedeckt sind. Für die zehn wichtigsten betroffenen Kryptowährungen gibt Binance derzeit eine Deckung von mindestens eins zu eins an.
Der vollständige kryptografische Nachweis benötigt nach Unternehmensangaben allerdings noch Zeit. Binance rechnet damit, dass Nutzer die entsprechenden Daten ab dem 3. November vollständig überprüfen können.
Auch in den News:
Bitcoin reagiert vergleichsweise moderat
Trotz der Dimension des Diebstahls blieb ein massiver Einbruch des gesamten Kryptomarktes bislang aus. Der Bitcoin-Kurs geriet nach Bekanntwerden des Angriffs zwar unter Druck, der befürchtete flächendeckende Ausverkauf blieb jedoch aus.
Ein Grund dafür dürfte sein, dass Binance zugesichert hat, die Verluste selbst zu tragen und die Guthaben seiner Kundnicht zu kürzen. Dadurch unterscheidet sich der Fall deutlich von früheren Zusammenbrüchen großer Kryptoplattformen, bei denen Nutzer unmittelbar um ihre Einlagen fürchten mussten.
Binance arbeitet unterdessen weiter daran, die restlichen fünf Prozent der betroffenen Vermögenswerte zu ersetzen. Wann sämtliche Funktionen der Plattform wieder ohne Einschränkungen verfügbar sein werden, hängt nach Angaben des Unternehmens von weiteren Sicherheitsprüfungen ab.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Nachrichtenagentur Reuters
FBI: "North Korea Responsible for $6 Billion+ Binance Attack" fbi.gov
Binance: "Security Incident | Recovery Update #4: Withdrawals Resume in Phases" Binance
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