Unternehmensgeschichte
Bäckerei Kamps: Vom Brötchenkönig zur Beteiligungsgesellschaft
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Die Bäckereien kämpfen ums Überleben (1. Dezember 2025)
Videoclip • 01:43 Min • Ab 12
Aus einem einzelnen Laden wurde ein Filialnetz mit Hunderten Standorten: Kamps zählt heute zu den größten deutschen Bäckereiketten – und hat auf dem Weg dorthin mehrere Besitzerwechsel und strukturelle Veränderungen erlebt.
Das Wichtigste in Kürze
Die erste Filiale der Bäckerei Kamps eröffnete 1982 in Düsseldorf.
Gründer Heiner Kamps machte die Kette groß, verließ sie aber 2002.
Seit März 2026 gehört die Kamps GmbH zur Investmentfirma Argos.
Das ist das Unternehmen Kamps
Als die "bekannteste Bäckerei Deutschlands" und Marktführer in Nordrhein-Westfalen bezeichnet sich die Bäckereikette Kamps selbst. Sie besitzt knapp 340 Filialen, von denen fast alle als Franchise betrieben werden. Das Konzept setzt auf eine zentrale Produktion und ein einheitliches Sortiment in allen Filialen.
Die Geschäfte finden sich häufig an Orten mit vielen Menschen, etwa Bahnhöfen, in Einkaufszentren und an Flughäfen. Der Fokus liegt auf Brötchen, Snacks und belegten Produkten für unterwegs. Nach eigenen Angaben backt Kamps jeden Tag knapp 211.000 Brötchen.
Gegründet wurde Kamps 1982 vom "Brötchenkönig" Heiner Kamps. Doch das Unternehmen gehört ihm schon seit Jahren nicht mehr. Nach mehreren Eigentümerwechseln ist der neue Inhaber seit März 2026 eine französische Investmentgesellschaft.
Kamps hat nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter:innen in der Zentrale und in der Produktion. Dazu kommen die Beschäftigten der Franchise-Partner. Welchen Umsatz das Unternehmen erzielt, ist nicht offiziell bekannt: Seit Mitte der 2000er-Jahre veröffentlicht die Gruppe für Teile des Geschäfts keine detaillierten Zahlen mehr.
Kamps betreibt zahlreiche Filialen vor allem an Flughäfen, in Einkaufszentren und an Bahnhöfen - wie hier am Hauptbahnhof Potsdam.
Bild: Joko/Imago
Wie "Brötchenkönig" Heiner Kamps seine Bäckereikette gründete
Heiner Kamps kam im Mai 1955 als ältester Sohn eines Bäckers zur Welt. Die Familie lebte in der Nähe der nordrhein-westfälischen Stadt Bocholt. Er spielte viele Jahre Wasserball, zeitweise auch in der Bundesliga.
Nach dem Schulabschluss trat Kamps in die Fußstapfen des Vaters: Er absolvierte eine Ausbildung zum Bäcker im elterlichen Betrieb. Der junge Mann war ehrgeizig. Obendrauf setzte er noch eine Lehre zum Konditor, bekam den Meisterbrief als Bäcker und wurde Industriebackmeister. Danach studierte er noch Betriebswirtschaft.
1982 eröffnete Heiner Kamps seine erste Bäckerei in Düsseldorf – mit gerade einmal 27 Jahren. Seine Idee: Er wollte Backwaren in gleichbleibender Qualität zu günstigen Preisen anbieten. Das Konzept kam gut an und die Firma wuchs: Zehn Jahre nach der Gründung hatte Kamps 20 Filialen. Über diese erste Zeit sagte der Unternehmer später einmal:
Ich habe reichlich Mehl geatmet.
Anfang der 1990er-Jahre verkaufte Kamps seine Kette an das US-Unternehmen Borden. Er blieb weiter für das Deutschland-Geschäft verantwortlich. 1996 holte er sich das weiter gewachsene Unternehmen mit sechs anderen Managern zurück.
1998 setzte Kamps einen weiteren ehrgeizigen Plan in die Tat um: Als erster Großbäcker ging er an die Börse. Der Aktienkurs stieg deutlich und die Kamps AG wurde zum Börsenstar. Mit dem eingenommenen Geld ging sie anschließend auf Einkaufstour. Durch die Übernahme mehrerer in- und ausländischer Bäckereiketten wuchs die Firma stark. Innerhalb von knapp zwei Jahren kaufte sie elf Bäckerei-Filialketten mit fast 1.500 Verkaufsstellen.
Außerdem erwarb Kamps mehrere Großbäckereien, etwa die Wendeln Brot GmbH. Zu dieser gehörten die bekannten Marken Golden Toast und Lieken Urkorn. Sie produzierte Backwaren für verschiedene Eigenmarken im Einzelhandel. Zusätzlich stellte sie Brötchen für Fast-Food-Ketten wie McDonald's und Burger King her.
Die Kamps AG entwickelte sich durch die Expansion zu einem der größten Backwarenhersteller in Europa. 2002 hatte sie rund 1.000 Filialen.
Heiner Kamps gründete die nach ihm benannte Bäckereikette im Jahr 1982.
Bild: HMB-Media
Mehrfach verkauft: Die Eigentümer-Odyssee von Kamps
Nach der starken Expansion hatte Kamps mit Problemen zu kämpfen. Die Industriebäckerei-Zukäufe waren teuer, der Ausbau des Filialnetzes verlangsamte sich. Das Unternehmen hatte deshalb finanzielle Probleme und die Aktie brach ein.
2002 gelang es dem italienischen Nudel-Konzern Barilla, die Kamps AG gegen den Widerstand des Managements zu kaufen. Verschiedenen Medienberichten zufolge zahlte der Konzern dafür angeblich 1,8 Milliarden Euro. Heiner Kamps verließ die Firma endgültig. Durch den Verkauf seines Aktienpakets soll er knapp 60 Millionen Euro verdient haben, schrieb später die "Welt". Zum Ende seiner Beteiligung sagte er später dem "Stern":
Die Kamps-Story war ein großer Erfolg, auch wenn die feindliche Übernahme am Ende sicher nicht in meinem Sinne gewesen ist.
Barilla benannte die Kamps AG in Lieken AG um, nur die eigentliche Bäckereikette heißt seitdem Kamps GmbH. Sie wechselte in den folgenden Jahren mehrfach den Eigentümer: 2010 verkaufte Barilla die fünf Handwerksbäckereien und 900 Filialen an den Frankfurter Finanzinvestor ECM Equity Capital Management.
2015 übernahm die größte französische Café- und Bäckereikette Groupe Le Duff die Kamps GmbH.
Wem gehört Kamps heute?
Die Bäckerei hat mit Gründer Heiner Kamps schon seit vielen Jahren nichts mehr zu tun. Entsprechend befindet sie sich auch nicht im Familienbesitz.
Im März 2026 gelangte das Unternehmen wieder in neue Hände: Die unabhängige europäische Beteiligungsgesellschaft Argos mit Sitz in Paris erwarb die Mehrheit an der Kamps GmbH. Sie hatte zuvor schon die Bäckerei Schmidt übernommen, die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen über 70 Läden betreibt.
Sowohl Kamps als auch Schmidt bestehen als eigene Marken weiter. Mit ihren insgesamt 400 Filialen entsteht laut Argos "eine der größten Bäckereigruppen in Deutschland".
Was machte Heiner Kamps nach dem Verkauf seiner Bäckerei?
Heiner Kamps wechselte nach dem Verkauf seiner Bäckereikette in andere Lebensmittelbranchen: 2005 stieg er bei der Fischrestaurant‑Kette Nordsee ein und übernahm später den Feinkosthersteller Homann. 2011 wechselte Kamps als Geschäftsführer zur Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der unter anderem Müller-Milch gehört. Firmengründer Müller holte den Bäckermeister in seinen Konzern. Kamps blieb fünf Jahre in dieser Position und schied dann auf eigenen Wunsch aus.
Trotzdem blieb Kamps auch Backwaren treu: 2004 eröffnete er mit seinem Sohn Sebastian das erste "Bastians". Den Mix aus Bäckerei, Café und Restaurant gab es zweimal in Nordrhein-Westfalen. Inzwischen existiert nur noch die Kölner Filiale.
Heiner Kamps, seine Familie und sein Engagement
Heiner Kamps ist seit 2012 mit seiner Frau Ella verheiratet. Aus seinen insgesamt drei Ehen stammen fünf Kinder.
Der Kamps-Gründer und seine Familie leben heute zurückgezogen in Bayern sowie in Düsseldorf. Sohn Sebastian Kamps ist mit der Moderatorin und Schauspielerin Gülcan Kamps verheiratet.
Der Kamps-Gründer engagiert sich mit einer gemeinnützigen Stiftung für benachteiligte Menschen. Er rief "Brot gegen Not" im Jahr 2000 ins Leben und hat noch heute den Vorsitz inne. Die Organisation baut in Regionen mit besonders ausgeprägter Armut Ausbildungsbackstuben auf, etwa in Brasilien, Mosambik, Nicaragua oder Albanien. Benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene können dort eine Bäckerlehre machen. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe: Die Backstuben sollen später eigenständig weiterarbeiten.
FAQ: Kamps
Die Bäckereikette Kamps gehört mehrheitlich der europäischen Beteiligungsgesellschaft Argos. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris gab den Einstieg im März 2026 bekannt. Zuvor war Kamps rund zehn Jahre lang Teil der französischen Le Duff Group. Gegründet wurde die Bäckereikette 1982 von Heiner Kamps in Düsseldorf. Die Familie Kamps besitzt das Unternehmen heute aber nicht mehr.
Offiziell ist nicht bekannt, wie hoch das Vermögen von Heiner Kamps ist. Das "Manager-Magazin" schätzte es 2019 auf rund 250 Millionen Euro.
Ja, Kamps ist eine deutsche Kette von Bäckereien. Die Firma betreibt bundesweit rund 340 Filialen, die meisten in Nordrhein-Westfalen. Die Zentrale und die Handwerksbäckerei befinden sich in Schwalmtal am Niederrhein. Kamps gehört heute der französischen Beteiligungsgesellschaft Argos.
Verwendete Quellen:
Unternehmens-Webseite von Kamps
Welt.de: "Barilla verkauft alle 900 Bäckereien von Kamps"
Stern.de: "Herr der Brötchen: Heiner Kamps wird 65"
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