Minus bei Umsatz und Gewinn
Analyse: Deutsche Autobauer geraten weiter ins Hintertreffen
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Jobabbau in der Autoindustrie verschärft sich
Videoclip • 01:14 Min • Ab 12
Deutschlands Autobauer geraten international weiter unter Druck. Vor allem schwächere Geschäfte in China und sinkende Gewinne belasten VW, BMW und Mercedes-Benz.
Das Wichtigste in Kürze
VW, BMW und Mercedes-Benz verzeichnen gemeinsam ein Umsatzminus.
In China brach der Absatz der drei deutschen Hersteller deutlich ein.
Hohe Kosten und wachsende Konkurrenz setzen die deutsche Autoindustrie unter Druck.
Die deutschen Autokonzerne geraten gegenüber ihrer internationalen Konkurrenz zunehmend unter Druck. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben im ersten Halbjahr 2026 zusammen rund 284 Milliarden Euro umgesetzt – 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft "EY" hervor, über die die "Deutsche Presse-Agentur (dpa)" berichtet.
International zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Die 19 von "EY" untersuchten Autokonzerne steigerten ihre Erlöse insgesamt um 3,6 Prozent auf knapp 1,05 Billionen Euro. Für die drei deutschen Hersteller ist es bereits das dritte Umsatzminus in einem ersten Halbjahr in Folge.
Besonders deutlich wird die Entwicklung im internationalen Vergleich. 15 der untersuchten Hersteller konnten ihren Umsatz steigern. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW landeten dagegen auf den Plätzen 16, 17 und 19. Den größten Zuwachs erzielte Tesla, gefolgt von Suzuki und Geely.
Auch in den News:
Gewinne der deutschen Hersteller brechen ein
Auch bei der Profitabilität stehen die deutschen Unternehmen unter Druck. Das gemeinsame Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von VW, Mercedes und BMW sank laut "EY" um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Damit erreichten die drei Konzerne zusammen den niedrigsten Wert seit dem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020.
Andere Regionen verzeichneten ebenfalls Rückgänge. Bei chinesischen Herstellern sank der Gewinn um 21,9 Prozent, bei japanischen Unternehmen sogar um 36,5 Prozent. Die US-Konzerne Ford, General Motors und Tesla steigerten ihr Ergebnis dagegen um 32,9 Prozent.
"EY"-Branchenexperte Constantin Gall sieht die deutsche Autoindustrie deshalb in einer Profitabilitätskrise. Neben Marktanteilen gehe zunehmend auch Ertragskraft verloren. Als Belastungen nennt er unter anderem hohe Produktions- und Energiekosten sowie Kosten durch Regulierung und Bürokratie.
China wird zum größten Problem
Besonders schwierig bleibt die Situation in China. Zwischen Januar und Juni verkauften Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW dort laut "EY" 25 Prozent weniger Fahrzeuge. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der drei Unternehmen sank innerhalb eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent.
Dass der Druck dort anhält, zeigen auch weitere aktuelle Zahlen. "Reuters" berichtete im Juli, dass die Verkäufe deutscher Hersteller in China im zweiten Quartal nochmals deutlich zurückgingen. Bei Volkswagen belief sich das Minus im Quartal demnach sogar auf 37 Prozent. Chinesische Hersteller gewinnen insbesondere bei Elektroautos und technologischen Funktionen gegenüber den etablierten deutschen Marken an Bedeutung.
Gleichzeitig drängen chinesische Autobauer verstärkt nach Europa. Nach Angaben von "EY" steigerten die untersuchten chinesischen Hersteller ihren Absatz auf dem europäischen Markt im ersten Halbjahr um 44 Prozent – obwohl ihre weltweiten Verkäufe insgesamt zurückgingen.
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Auch Produktion in Deutschland schwächelt
Aktuelle Zahlen des "Verbands der Automobilindustrie (VDA)" zeigen, dass die Probleme nicht allein auf die Unternehmensbilanzen beschränkt sind. Von Januar bis August 2026 wurden in Deutschland 2,65 Millionen Pkw produziert – vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 liegt die Produktion sogar 16 Prozent niedriger. Die Exporte gingen in den ersten acht Monaten um fünf Prozent zurück.
Positive Signale gibt es dagegen bei Elektroautos: Laut "VDA" lagen die inländischen Bestellungen für rein batterieelektrische Fahrzeuge deutscher Hersteller von Januar bis August 64 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Zehntausende Arbeitsplätze betroffen
Die angespannte Lage hat längst Auswirkungen auf die Beschäftigten. Bei Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sowie bei großen Zulieferern laufen Spar- und Stellenabbauprogramme. Zehntausende Arbeitsplätze könnten in den kommenden Jahren wegfallen.
Der Konflikt über die Zukunft der Branche verschärft sich damit. Die IG Metall fordert Investitionen in deutsche Standorte und Zukunftstechnologien. Der "VDA" wiederum verweist auf die hohen Arbeitskosten und vergleichsweise niedrigen jährlichen Arbeitszeiten in Deutschland.
Der Druck dürfte damit vorerst hoch bleiben: Die deutschen Hersteller müssen gleichzeitig ihre Kosten senken, Milliarden in Elektromobilität und neue Technologien investieren und sich gegen die wachsende Konkurrenz aus China behaupten.
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