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Reifenprofil: Wann Autofahrer wirklich wechseln sollten
Aktualisiert:
von Joachim Vonderthann:newstime
Viele Winterreifen fallen durch (22. September)
Videoclip • 01:16 Min • Ab 12
Reifen dürfen in Deutschland nicht weniger als 1,6 Millimeter Profil haben. Der ADAC warnt jedoch: Schon deutlich davor nehmen wichtige Sicherheitsreserven ab – besonders bei Regen und Aquaplaning.
Das Wichtigste in Kürze
Die StVZO schreibt für das Hauptprofil von Autoreifen mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe vor.
Laut ADAC gehen auf nasser Fahrbahn wichtige Sicherheitsreserven bereits bei vier Millimetern Restprofil verloren.
Haben Winter- und Ganzjahresreifen diese Tiefe erreicht, sollten Autofahrer:innen tätig werden.
Die Profiltiefe der Reifen ist ein entscheidender Faktor für die Sicherheit eines Autos. Die Rillen im Reifen nehmen Wasser auf und leiten es ab. Wird das Profil flacher, kann der Reifen Wasser auf nasser Straße schlechter verdrängen. Das Risiko steigt, dass das Fahrzeug bei starkem Regen aufschwimmt und kaum noch auf Lenk- oder Bremsbewegungen reagiert.
Rechtlich ist die Grenze klar geregelt: Das Hauptprofil von Reifen muss über die gesamte Lauffläche hinweg mindestens 1,6 Millimeter tief sein. Das schreibt Paragraph 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung vor. Als Hauptprofil gelten die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel der Reifenbreite einnimmt.
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Ab diesem Reifenprofil kann es kritisch werden
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe bedeutet jedoch nicht, dass ein Reifen bis dahin die gleiche Sicherheitsleistung wie ein Neureifen bietet. Der ADAC hat kürzlich fünf Winterreifenmodelle in der Größe 185/65 R15 mit rund acht, vier und zwei Millimetern Restprofil verglichen. Ziel war es, grundsätzlich zu prüfen, wie sich zunehmender Verschleiß auf die Fahrsicherheit auswirkt.
Das Ergebnis: Wichtige Sicherheitsreserven gingen bereits "lange vor der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern verloren", so der ADAC. Die deutlichsten Einbußen zeigten sich nicht auf Schnee, sondern auf nasser Fahrbahn und bei Aquaplaning. Besonders anspruchsvoll sind Situationen, in denen ein Auto in einer Kurve gleichzeitig bremsen, beschleunigen oder ausweichen muss.
Schon bei vier Millimetern gehen Reserven verloren
Bei vier Millimetern Restprofil verloren die getesteten Reifen laut ADAC im Durchschnitt rund zwölf Prozent ihrer Aquaplaning-Reserven in Längsrichtung. Beim Aquaplaning in Kurven lag der Verlust bei knapp 25 Prozent. Das Auto kann bei stehendem Wasser also früher den Kontakt zur Fahrbahn verlieren.
Auch das Fahrverhalten auf nasser Straße verschlechterte sich. Beim sogenannten Nasshandling sank die durchschnittliche Bewertung im Test von 2,4 bei neuen Reifen auf 3,4 bei Reifen mit vier Millimetern Restprofil. Auf Schnee nahm die Traktion ebenfalls ab, doch das größte Sicherheitsrisiko sieht der ADAC bei nasser Fahrbahn.
Mit zwei Millimetern Reifenprofil wird es bei Nässe kritisch
Bei zwei Millimetern Restprofil verschärfen sich die Probleme deutlich. Der durchschnittliche Bremsweg auf nasser Fahrbahn verlängerte sich im ADAC-Test gegenüber neuen Reifen von 31,9 auf 37,3 Meter. Das sind mehr als fünf Meter oder rund 17 Prozent zusätzlich.
Beim Aquaplaning in Kurven verloren die Reifen im Schnitt mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Sicherheitsreserven. Der Grund: Ein flaches Profil kann weniger Wasser aufnehmen und ableiten. Der ADAC empfiehlt deshalb, Winter- und Ganzjahresreifen bei vier Millimetern Restprofil zu ersetzen – und nicht erst bis zur gesetzlichen Untergrenze zu fahren.
So lässt sich die Profiltiefe kontrollieren
Wer die Profiltiefe regelmäßig misst, kann rechtzeitig reagieren. Ein Profiltiefenmesser liefert genaue Werte. Als grober Alltagscheck eignet sich eine Zwei-Euro-Münze: Der silberfarbene Rand ist etwa vier Millimeter breit. Verschwindet er vollständig in der Profilrille, ist die Profiltiefe noch ungefähr ausreichend für die ADAC-Empfehlung bei Winter- und Ganzjahresreifen.
Zusätzlich haben Reifen Verschleißanzeiger, die sogenannten TWI-Stege. Sind diese kleinen Querrippen in den Hauptrillen bündig mit dem übrigen Profil, ist die gesetzliche Mindestgrenze erreicht. Dann dürfen die Reifen nicht weiter genutzt werden. Besonders vor längeren Fahrten, bei Beginn der nassen Jahreszeit und vor dem Reifenwechsel lohnt sich der schnelle Check.
Verwendete Quellen:
ADAC: "Profiltiefe: So gefährlich sind abgefahrene Reifen"
StVZO: "§ 36 Bereifung und Laufflächen"
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