Regenfreie Zeit in Sicht
Trinkwasser in Bayern: Wie steht es um die Versorgung?
Veröffentlicht:
von Lisa Peindl17:30 SAT.1 Bayern
Trockenheit mit Folgen: Lkw bringt Trink-Wasser ins Ost-Allgäu
Videoclip • 01:21 Min • Ab 12
Mit der Hitze steigt der Wasserverbrauch in Bayern. Was Kommunen und Experten raten und warum Poolbesitzer auf lokale Regeln achten sollten.
Hitze und Trockenheit belasten Bayerns Trinkwasserversorgung
Während der ersten Hitzewelle dieses Jahres Ende Juni haben die Menschen in Bayern erwartungsgemäß mehr Trinkwasser als üblich verbraucht. So manche Kommune ergreift bereits "Notmaßnahmen" zum Wassersparen. Nun kündigt der Deutsche Wetterdienst erneut heiße Tage an. Ein Überblick, wie es um Bayerns Trinkwasserversorgung steht:
Kann das Trinkwasser in diesen Tagen knapp werden?
Nein, derzeit nicht. "Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist gewährleistet", versichert eine Sprecherin des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Augsburg. "Versorgungsengpässe bei den Abnehmern sind aktuell nicht bekannt."
Dennoch wird die Situation genau beobachtet, denn wirklich gut ist die Lage nicht. Bei einer Reihe von Quellen und Brunnen, die der Wasserversorgung dienen, geht die Wassermenge zurück. Die Grundwasserstände sind nach LfU-Angaben niedrig oder sinken sogar – und zwar in einem Ausmaß, das saisonal unüblich sei.
Hilft der Regen der vergangenen Tage nicht?
Nicht wirklich. "Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Situation stabilisiert", erklärt die LfU-Sprecherin. Von einer merklichen Entspannung beim Trinkwasservorkommen könne allerdings nicht gesprochen werden. Aktuell werde an etwa Dreiviertel der Messstellen zu wenig Grundwasser registriert.
In Einzelfällen würden Brunnen außer Betrieb genommen. Bleibt die Lage örtlich weiter kritisch, dürften weitere folgen. Sollte die Versorgung irgendwo schwierig werden, können Trinkwassertalsperren Wasser an Fernwasserversorger liefern oder der Wasserversorger in der Nachbarregion aushelfen.
Welche Regionen leiden am stärksten?
Unterfranken zählt zu den trockensten Regionen in Bayern, aber auch in Südbayern regnet es schon seit geraumer Zeit viel zu wenig.
Der Trinkwasserversorger WVV in Würzburg registrierte in den Hitzetagen Ende Juni, wo die Lufttemperatur zeitweise die 40-Grad-Marke überschritt, dass deutlich mehr Trinkwasser in der Mainstadt verbraucht wurde. Am 23. Juni sei mit rund 45.000 Kubikmetern so viel wie seit etwa 20 Jahren nicht mehr an einem Tag bereitgestellt worden.
"Wenn alle unsere Anlagen laufen, können wir mit solchen Versorgungsspitzen umgehen", sagt WVV-Sprecherin Susanna Blum. "Allerdings stellen wir in den letzten 20 Jahren bei den Grundwassermittelwerten eine sinkende Tendenz fest, mit verschärfter Entwicklung in den letzten zehn Jahren."
In Regensburg, der Stadt an der Donau, ist der Wasserversorger Rewag mit Blick auf die Trinkwasserverfügbarkeit im Oberpfälzer Jura noch entspannt. "Vielmehr haben wir, weil es eben auch andere Situationen in anderen Regionen gibt, Notverbünde geschlossen, um im Fall der Fälle mit Trinkwasser auszuhelfen", erklärt Rewag-Sprecher Martin Gottschalk.
Nach LfU-Angaben ist die Lage derzeit vor allem in Schwaben, Oberbayern sowie Ostbayern heikel. Daher rufen einige Versorger bereits zum Wassersparen auf.
Was hat das vergangene Jahr damit zu tun?
2025 war nach Erkenntnissen des Deutschen Wetterdienstes überaus trocken. Gemessen wurde in Bayern ein Niederschlag von etwa 700 Litern pro Quadratmeter – ein Viertel weniger als im langjährigen Mittel. Passend dazu nennen die Meteorologen das Jahr auch "ungewöhnlich warm": Mit 9,4 Grad Celsius lag die Jahresmitteltemperatur 1,9 Grad über dem Vergleichswert der Jahre 1961 bis 1990, dem sogenannten Klimamittel.
Im sogenannten hydrologischen Winterhalbjahr – gemeint ist die Zeit zwischen November 2025 und April 2026 – sowie die Monate Mai und Juni waren nach LfU-Angaben eher trocken. "Die vom DWD prognostizierte Witterung für die kommenden Wochen lässt keine anhaltende Entspannung der Niedrigwassersituation erwarten."
Auch Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) mahnt. "Die aktuelle Hitzeperiode und die wenigen Niederschläge zeigen: Die Folgen des Klimawandels werden zunehmend auch in Bayern spürbar", sagt er.
Auto waschen, Pool füllen, Garten gießen – was ist noch erlaubt?
Ein landesweites Verbot gibt es nicht, auch wenn es lange Zeit nicht regnet. Allerdings können Städte und Gemeinden Einschränkungen erlassen, wenn das Wasser knapp wird. Wer einen privaten Pool füllen möchte, sollte sich deshalb vorab über die Regeln vor Ort informieren.
"Wir wissen nicht, wie unsere Kundinnen und Kunden das Wasser nutzen – unser Wissen endet am Wasserzähler", räumt ein Sprecher der Stadtwerke München ein. "Aber in Situationen, in denen die Wasserversorgungslage angespannt ist, gilt es, den Wasserbedarf auf die notwendige Nutzung zu reduzieren, also auf Trinken, Kochen, Hygiene und medizinischen Bedarf." Alles andere müsse dann zeitweise dahinter zurückstehen.
Experten raten schon lange, sparsam mit Wasser umzugehen. Pflanzen sollten möglichst morgens oder abends gegossen werden, wenn weniger Wasser verdunstet. Sinnvoll ist es außerdem, Regenwasser zu nutzen und lieber seltener, aber dafür gründlich zu gießen.
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Verwendete Quelle:
Nachrichtenagentur dpa
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