Nach Maduros Festnahme

Trump-Aktion als Vorbild? China könnte Taiwan-Invasion vorbereiten

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

China könnte die US-Aktion gegen Venezuelas Maduro möglicherweise als Vorbild für ein ähnliches Vorgehen gegen Taiwans Regierung ansehen.

Bild: via REUTERS


Venezuelas Machthaber Maduro wurde von einem US-Elitekommando festgenommen, nur Stunden nach einem Treffen mit Chinas Gesandtem. Beobachter:innen befürchten, dass dieser Vorfall als Präzedenzfall für eine chinesische Übernahme Taiwans dienen könnte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Festnahme von Venezuelas Machthaber Maduro durch die USA könnte weitreichende geopolitische Auswirkungen haben.

  • China ist erzürnt, weil es mit Venezuela einen Verbündeten im Vorhof der USA zu verlieren droht.

  • Zudem könnte Peking ähnlich argumentieren wie Trump und die Regierung in Taiwan festnehmen lassen.

Nur wenige Stunden vor der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ereigneten sich im Miraflores-Palast Szenen, die den rasanten Machtverlust des 63-Jährigen verdeutlichen. Laut Berichten von CNN schüttelte Maduro Chinas oberstem Gesandten in Lateinamerika die Hand – ein Symbol der engen Beziehungen zwischen China und Venezuela. Doch nur Stunden später wurde der Präsident gemeinsam mit seiner Frau von einem US-Elitekommando aus dem Schlafzimmer entführt. Dieser überraschende Einsatz stellt nicht nur einen Wendepunkt in der politischen Lage Venezuelas dar, sondern wirft auch geopolitische Fragen auf: Könnte das Vorgehen des US-Präsidenten ein Präzedenzfall für China in Taiwan sein?

Nimmt sich Peking Trump als Vorbild gegen Taiwan?

China und Venezuela pflegen seit Jahrzehnten enge wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen. Die Volksrepublik ist einer der wichtigsten Handelspartner und Kreditgeber für das von Sanktionen belastete Land. Besonders der Energiesektor profitiert von dieser Partnerschaft: Venezuela ist Chinas größter Erdöl-Lieferant, auch wenn der Anteil am Gesamtbedarf Chinas relativ gering ist. Laut dem US-Forschungsinstitut Aid Data flossen von 2000 bis 2023 rund 105,7 Milliarden US-Dollar an Darlehen nach Venezuela. Diese Mittel wurden unter anderem für den Ausbau der Infrastruktur und die Energieversorgung genutzt.

Auch im militärischen Bereich ist Venezuela ein bedeutender Partner für China. Zwischen 2010 und 2020 kaufte Caracas Waffen im Wert von 495 Millionen US-Dollar aus China, womit es zum größten Abnehmer Pekings in Südamerika wurde. Im Jahr 2023 intensivierten Nicolás Maduro und Xi Jinping ihre Beziehungen weiter, indem sie eine sogenannte strategische Allwetter-Partnerschaft eingingen – eine Beziehung, die Peking nur mit wenigen Ländern pflegt.

"China könnte sich die Hände reiben"

Der Coup gegen Maduro könnte weitreichende geopolitische Folgen haben. In Peking befürchten viele, dass die USA mit diesem Vorgehen ihren Einfluss in Lateinamerika ausweiten wollen – zulasten Chinas. Beobachter wie Alexander Göhrlach warnen zudem vor einer möglichen chinesischen Reaktion: "China könnte sich die Hände reiben", zitiert die "Frankfurter Rundschau" (FR) den Honorarprofessor für Ethik und Theologie an der Leuphana Universität Lüneburg.

Ein Szenario, das zunehmend realistisch erscheint, ist eine militärische Übernahme Taiwans durch China. Peking hält das demokratische Taiwan für eine abtrünnige Provinz, die früher oder später wieder mit der Volksrepublik China vereint werden soll. In "Focus online" führt Göhrlach aus, dass China die Festnahme Maduros als Vorbild heranziehen könnte. Denn die USA hätten die Aktion in Venezuela als "interne Angelegenheit deklariert" und nicht als Kriegseinsatz.

Dem Experten zufolge könnte China ähnlich handeln und die Regierung in Taipeh verhaften lassen. Taiwans Präsident Lai Ching-te und sein Kabinett könnten durch Spezialeinheiten verhaftet und in China vor Gericht gestellt werden. Chinas Machthaber Xi Jinping würde das laut Göhrlach dann genauso begründen wie Trump.

Pekings Zerstörer der US-Flotte überlegen

Taiwan ist von zentraler Bedeutung für die globale Halbleiterindustrie – ein Bereich, der bei einer Blockade oder militärischen Eskalation massive Auswirkungen auf den Welthandel hätte. "Chinas Marine hat bereits gezeigt, wie schnell sie Taiwan von der Außenwelt abschneiden kann", warnt Göhrlach weiter. Sollte China tatsächlich handeln, könnten die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen weitreichend sein.

Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Jahren ihre militärischen Kapazitäten massiv ausgebaut. Laut dem Fachportal Force Index wird China bis 2026 ein neues Kapitel in seinem ehrgeizigen Flottenprogramm aufschlagen. Bereits jetzt produziert das Land mehrere moderne Zerstörer-Typen gleichzeitig in Serie – eine Leistung, die weltweit einzigartig ist. Satellitenbilder zeigen, dass allein im Mai 2024 zwei weitere hochmoderne Kriegsschiffe fertiggestellt wurden. Diese Zerstörer sind mit einem Dualband-Radarsystem ausgestattet, das dem US-System der Zumwalt-Klasse überlegen ist.


Verwendete Quellen:

FR: "Nach Maduros Sturz: China rüstet mit Superzerstörer für Taiwan-Szenario auf"

Focus online: "Gefährliche Blaupause: Wie Trumps Jagd auf Maduro Peking inspirieren könnte"

Nachrichtenagentur dpa

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