Niederlage in Baden-Württemberg

SPD-Nachwuchs rechnet nach Wahlschlappe mit seiner Partei ab

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

Der SPD-Nachwuchpolitiker Robin Mesarosch zerlegt nach der Wahlpleite in Baden-Württemberg seine eigene Partei.

Bild: IMAGO/Fotostand


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In einem Video auf Instagram hat der 34-jährige SPD-Politiker Robin Mesarosch seiner Wut über das schlechte Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg Luft gemacht. Nicht nur Saskia Esken spendierte ein "gefällt mir".

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein junger SPD-Politiker hat seine Enttäuschung über das Desaster seiner Partei bei der Wahl in Baden-Württemberg auf Social Media öffentlich gemacht.

  • Das Instagram-Video von Robin Mesarosch kommt teilsweise sogar bei den eigenen Parteikolleg:innen gut an.

  • Der 34-Jährige beklagt vor allem die "miserable Kommunikation" im Wahlkampf.

Die SPD soll sich parteiintern bis nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz dazu verpflichtet haben, die Wahlniederlage in Baden-Württemberg nicht zu thematisieren. Das meldet die "Bild-Zeitung". Ein junger Genosse habe sich jedoch nicht an die Schweigevereinbarung gehalten und seinen Unmut in einem Instragram-Video aufgearbeitet. Es handelt sich um Robin Merarosch, der bis zum Zerbrechen der Ampel-Koalition im Bundestag saß. In seinem Video rechnet Mesarosch mit seiner Partei ab und beklagt insbesondere deren "miserable Kommunikation". Mesrarosch hat 119.000 Follower:innen, 5.000 mehr als SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil, wie bild.de anmerkt.

"Meine Partei hat am Sonntag ein Ergebnis eingefahren, für das es keine Worte gibt …", beginnt Mesarosch sein Video. "In der südlichen Hälfte von Baden-Württemberg, wo ich wohne, (…) da wohnen ungefähr 4,2 Millionen Menschen, das sind mehr Leute, als in Kroatien wohnen. Und dieses Kroatien, das beackert die SPD in Zukunft mit zwei Landtagsabgeordneten. Zwei für 4,2 Millionen!"

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"Arsch aufgerissen", aber Lage "seit Jahren unterirdisch"

Die SPD-Genoss:innen im Ländle hätten sich "den Arsch aufgerissen", so Mesarosch weiter, "teils ihren Jahresurlaub genommen", um Wahlkampf zu machen – und dann "Ergebnisse einfahren" müssen "wie irgendwelche Spaßparteien". Als Gründe für die Niederlage führt der Jungpolitiker auf: "Miserable Kommunikation, miserable Organisation und Inhalte, die teils gut waren (…), aber die am Ende auch oft zu wünschen übrig gelassen haben." Das sei nur ein "kleiner Teil" der Lage, da die Gesamtsituation bereits "seit Jahren unterirdisch" sei. Es gehe es um nicht weniger als die Existenz der SPD, und nicht mehr nur darum, ob man Wähler:innen verliere, denn "das passiert, wenn man scheiße performt".

Mesarosch setzt noch einen drauf: "Die Tragik ist, dass dieses Land eine Partei verlieren kann, die diesem Land so viel geben könnte, wenn man es denn nur richtig machen würde." Auf die Frage, wie es richtig ginge, wettert der 34-Jährige: "Nicht so! Seit Jahren machen wir dieselben Fehler!" Die SPD habe "gar keine Strategie, gar keine". "Das ist so behämmert und gleichzeitig die Riesen-Chance, (…) wenn man sich nur etwas mit Hirn anstrengt, dass es dann auch besser sein kann."


Mesarosch kritisiert auch eigenen Landesvorstand

Auch seine Genossen im Landesvorstand Baden-Württemberg bekommen von Mesarosch ihr Fett weg: "Da sitzen auch Leute, deren einziges Problem bei 5,5 Prozent zu sein scheint: 'Wo bleibe ich?'" Die Schlappe hätte nicht eine Person allein zu verantworten. Der baden-württembergische Generalsekretär Sascha Binder (43), der "maßgeblich und qua Amt" den "historisch unterirdischen" Wahlkampf geleitet habe, sei am Sonntag "anständigerweise zurückgetreten". "Aber heute (…) ist er jetzt plötzlich Vorsitzender von der Landtagsfraktion, und das geht nicht. Das geht nicht! Wir werden seit Jahren verarscht."

Binder war einer der ersten, der Anfang 2025 Ex-Parteichefin Saskia Esken öffentlich angezählt hatte. Prompt reagierte die 64-Jährige mit einem "gefällt mir" auf Mesaroschs Wut-Video.

Weitere SPD-Mitglieder wie die Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr und Juso-Chef Philipp Türmer klickten das Herzchen abenfalls an, ebenso Grünen-Chef Felix Banaszak. "Danke für Deine Ehrlichkeit", kommentiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta:. "Ist nicht nur bei euch so, aber bei euch ist es besonders ausgeprägt."


Verwendete Quellen:

Instagram-Video von Robin Masarosch

bild.de: "Nach Wahl-Desaster in BaWü: 'Miserabel!' SPD-Jungpolitiker zerlegt seine Partei"

Nachrichtengentur dpa

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