Kürzungen bei Hautkrebsvorsorge?
Patrice Aminati bei "Hart aber fair": "Ich werde mit Medikamenten künstlich am Leben gehalten"
Aktualisiert:
von Doris Neubauer:newstime
Gesundheitsreform: Wer jetzt mehr zahlt
Videoclip • 01:47 Min • Ab 12
Bei der Gesundheitsreform steht auch das Hautkrebsscreening als Kassenleistung auf dem Prüfstand, doch CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck dementierte bei "Hart aber fair": "Keine Kürzung, kein Beschluss", erklärte er - sehr zur Freude von Krebspatientin Patrice Aminati.
Das Wichtigste in Kürze
Die geplanten Einsparungen im Rahmen der Gesundheitsreform beschäftigen am Montagabend die Gäste bei "Hart aber fair".
Krebspatientin Patrice Aminati plädierte vehement für die Beibehaltung des Hautkrebsscreenings.
CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck konnte sie ein Versprechen abringen.
Streeck bei "Hart aber fair": Keine Kürzungen beim Hautkrebsscreening
66 Sparmaßnahmen sollen laut Expert:innenkommission dabei helfen, das teure Gesundheitssystem zu reformieren. Auch das seit 2008 bestehende Hautkrebsscreening soll auf dem Prüfstand stehen. Jährlich könnten damit 240 Millionen Euro eingespart werden.
Unternehmerin und Krebspatientin Patrice Aminati zeigte sich in der Polittalk-Sendung "Hart aber fair" am Montagabend (4. Mai) empört über den Vorschlag. Die Einsparmöglichkeit bei der Früherkennung stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, die nach einer (zu) späten Diagnose entstünden. "Allein was meine Krebserkrankung in den letzten Jahren gekostet hat ...", fügte sie hinzu.
Die Mutter einer zweijährigen Tochter, die während ihrer Schwangerschaft die Diagnose schwarzer Hautkrebs erhalten hatte, ist überzeugt: "Prävention ist die beste Möglichkeit, Kosten zu sparen." Deshalb wünsche sie sich ein Screening und eine Früherkennung bereits ab 14 Jahren.
Zudem plädiert sie dafür, Vorsorgemöglichkeiten stärker ins Bewusstsein zu rücken. "Ich habe das (Anm.: Risiko) total unterschätzt", gab sie bei "Hart aber fair" zu, "ich möchte nicht, dass andere den gleichen Fehler machen." Sie selbst werde heute "dank Medikamenten künstlich am Leben gehalten".
Die Möglichkeiten der Vorsorge seien der größte Schalthebel, erklärte CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck in der Sendung zum Thema "Teuer und nur Mittelmaß - was läuft schief bei Ärzten, Kliniken und Kassen?". Das Hautkrebsscreening solle nicht eingeschränkt, sondern die Wirksamkeit der Maßnahme überprüft werden, bemühte er sich um Deeskalation.
Aminati hakte nach: "Es ist kein Beschluss?" Streeck: "Keine Kürzung und kein Beschluss."
"Das Screening zu verbessern, ist der Auftrag", fügte Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hinzu, "Es muss funktionieren, und wenn Geld gespart wird, wunderbar - das ist aber nicht das primäre Dictum."
Aminati konnte das zunächst nicht so recht glauben, freute sich dann aber doch: "Das ist ein schönes Ergebnis des Abends."
Anzahl der Krankenkassen reduzieren?
Doch Amanti hatte auch an einer anderen Stelle auf ein Resultat gehofft: "Wo können wir einsparen?", fragte die Krebspatientin die Experten- und Politikerrunde und machte auch gleich einen Vorschlag: Warum nicht die Anzahl der aktuell 93 gesetzlichen Krankenkassen und damit den bürokratischen Aufwand reduzieren? "Wenn man das ein bisschen drosselt, bleibt mehr Geld übrig für Patienten", argumentierte sie unter dem Applaus des Publikums.
Doch Gassen erstickte ihre Hoffnung im Keim: "Das bringt leider nicht so viel", erklärte er. Aber auch von dem im Kabinett beschlossenen Gesetz zur GKV-Beitragssatzstabilisierung hält er offenbar wenig. Deutlich kritisierte er die Erhöhung der Zusatzbeiträge sowie den Ansatz, Besserverdienende stärker zur Kasse zu bitten. "Ich glaube nicht, dass es so gelingt", sagte er.
Krankenkassen-Beiträge von Bürgergeldempfängern "Elefant im Raum"
Diese Maßnahmen seien nicht zielführend. Zudem werde dadurch weder die Pharmaindustrie tangiert noch die "fehlende Gegenfinanzierung von versicherungsfremden Leistungen. Das sind 45 Milliarden Euro - da haben wir das Geld", betonte Gassen. Die Krankenkassen-Beiträge von Bürgergeldempfänger:innen seien der "Elefant im Raum."
Diese sind auch für Streeck ein "neuralgischer Punkt". Zwar gehörten die versicherungsfremden Leistungen nicht in die gesetzliche Krankenkasse, aber der Bund habe nicht die notwendigen zwölf Milliarden Euro. "Das gehört zur Wahrheit dazu", merkte er an und wies gleichzeitig darauf hin, dass der Bund zum ersten Mal die Bürgergeldkosten anteilig übernommen habe.
"Das Beitragsstabilisierungsgesetz bringt nur Zeit", verteidigte der Gesundheitspolitiker die aktuellen Beschlüsse zwar, der Weisheit letzter Schluss seien sie aber nicht: "Wir müssen ein Gesundheitssystem und eine Vision entwerfen, die präventionszentriert ist." Gesundes Verhalten müsse vergütet werden, appellierte er zur Freude Aminatis, die erklärte: "Ich hoffe, dass Frau Warken zuhört". Klamroth konnte sie beruhigen: "Ich bin sicher", sagte er, "sie guckt zu."
Auch in den News:
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Bessere Kameras und Akkus
iPhone 18 Pro: Diese 6 Upgrades bekommt das neue Apple-Handy

Notfälle auf hoher See
Wie sicher ist die medizinische Versorgung auf Kreuzfahrten?

Kommt noch mal die Kälte?
Sommerliche Temperaturen oder Kältesturz? So ist die Mai-Prognose

Sperrungen auf Autobahn
Unfall mit Schulbus: Verletzte Person bei Zusammenstoß auf A7

Ermittlungen laufen
Leipziger Amokfahrt: Was bekannt ist und welche Fragen offen sind

Notfall auf hoher See
Das passiert beim Sterbefall auf einem Kreuzfahrtschiff




