CEO spottet über Skepsis
Palantir-Chef: Deutschland hält US-Software für "Hexerei"
Veröffentlicht:
von Michael ReimersPalantir-Chef Alexander Karp hat bei einem Besuch beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew die vernetzte Kriegsführung des von Russland angegriffenen Landes gelobt.
Bild: Uncredited/Presidential Press Service/AP/dpa
Der CEO von Palantir hat sich über die Ablehnung der Bundeswehr mokiert, Datenanalyse-Software seines US-Unternehmens einzusetzen. Alexander Karp sagt, die Debatten in Deutschland hörten sich an, "als würde man über Hexerei sprechen".
Das Wichtigste in Kürze
Der Chef des US-Unternehmens Palantir hat Kritik an Deutschlands Skepsis geübt, die Software seines Konzerns für die Bundeswehr einzukaufen.
Die Debatte in Deutschland werde geführt, "als würde man über Hexerei sprechen", so CEO Alexander Karp.
Palantir liefert unter anderem den Armeen der USA, Israels und der Ukraine Software, die Geheimdienst-Daten auswertet.
Der Chef des amerikanischen Datenanalyse-Konzerns Palantir hat der "Bild"-Zeitung ein Interview gegeben, in dem er Deutschlands ablehnende Haltung zur Software seines Unternehmens kritisiert. Er wundere sich über die deutsche Skepsis, sagte CEO Alexander Karp, der in Deutschland studiert hat und fließend Deutsch spricht. Einer der Palantir-Mitgründer, der US-Unternehmer Peter Thiel, komme sogar aus Deutschland. "Peter und ich sind mit Abstand die prominentesten deutschen und/oder deutschsprachigen Geschäftsleute der Welt", sagte Karp. Andere Länder hätten schließlich auch Wege gefunden, ein gutes Verhältnis mit ihnen aufzubauen.
"Wenn wir Franzosen wären, hätten die Franzosen uns gezwungen, französische Pässe zu haben, nur Französisch zu sprechen und unseren Namen in 'Falantir' zu ändern." Er verstehe nicht, so Karp, warum Deutschland glaube, es sich leisten zu können, auf die Expertise seines Unternehmens zu verzichten. Die kritischen Debatten in Deutschland klingen für ihn, "als würde man über Hexerei sprechen".
Palantir-Software: "Betriebssystem für den Krieg"
Die ukrainische Armee setze die Produkte von Palantir sehr erfolgreich ein, schwärmt Karp: "Man kann es sich gewissermaßen wie ein Betriebssystem für den Krieg vorstellen." So wie Firmen Betriebssysteme nutzten, habe die Ukraine "eines für das moderne Schlachtfeld". Die Ukraine "steuert das Schlachtfeld so (…) wie ein Technologieunternehmen seine Kundschaft" bediene. Dabei gehe es lediglich um andere Fragen: "Wie viele russische Soldaten sterben pro Quadratkilometer? Und warum und wie und welche Einsatzmittel wurden verwendet und was hat funktioniert und was nicht?" Dies reiche "bis hinunter auf die Ebene einzelner Einheiten".
Das Schlachtfeld sei "der unerbittlichste Ort der Welt", um festzustellen, ob etwas funktioniere. Genau deshalb hoffe er, dass die Europäer offen sind für in der Ukraine entwickelte Produkte von Palantir. "Welche Produkte wird Europa kaufen, um sich zu verteidigen? Werden sie Produkte kaufen, die in PowerPoint-Präsentationen getestet wurden? (…) Oder werden sie die Produkte kaufen, die im Alleingang eine große Militärmacht aufhalten?"
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USA nutzten Palantir zur Maduro-Festnahme
Palantir ist in Deutschland wegen seiner Zusammenarbeit mit US-Sicherheitsbehörden umstritten. Kritiker:innen nennen die von der Firma entwickelte Software zur datenbankübergreifenden Analyse und Recherche (DAR) eine "Datenkrake", meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). So soll das Pentagon bei der US-Militäroperation zur Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro auf Anthropics ChatGPT-Konkurrenz Claude über Software von Palantir zugegriffen haben, schrieb das "Wall Street Journal".
Mit dem DAR-Programm können Millionen Daten aus verschiedenen Quellen in kürzester Zeit ausgewertet und verknüpft werden. Die Polizei in Deutschland nutzt die Software in einigen Bundesländern, um etwa Pädokriminellen auf die Spur zu kommen.
Zugriff auf hochsensible Daten durch Palantir-Beschäftigte
Beim Aufbau einer militärischen Cloud zur Datenverarbeitung und für KI-Anwendungen setzt die Bundeswehr nicht auf die Software des US-Anbieters Palantir. "Das sehe ich momentan überhaupt nicht", sagte der Chef der Cybertruppe der Bundeswehr, Thomas Daum, dem "Handelsblatt". Palantir erfülle bestimmte Voraussetzungen der Bundeswehr nicht. Das Unternehmen bietet dpa zufolge unter dem Namen "Maven" eine Software an, die in der NATO und von mehreren NATO-Verbündeten eingesetzt wird. "Bei der NATO ist diese Software im Einsatz, das wissen wir, und das nutzen wir auch. Und wir sehen auch die Erkenntnisse, die sich daraus ergeben", so Daum.
Allerdings gehe es auch um die Frage, wer diese Software bediene. "Das machen in der NATO tatsächlich Vertreter der Industrie, also der Firma Palantir", sagte der Vizeadmiral, der als Inspekteur den Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr führt. "So sehr wir an der Funktionalität interessiert sind für unseren eigenen Datenbestand, so unvorstellbar ist es eben momentan, Industriemitarbeiter auf den nationalen Datenbestand zuzulassen."
Wie das "Handelsblatt" weiter meldete, wurden von der Bundeswehr zwei deutsche und ein französischer Anbieter ausgewählt: Almato aus Stuttgart, eine Tochter des IT-deutschen Anbieters Datagroup, sowie die Software des Berliner Startups Orcrist und Chapsvision aus Paris. Deren Software solle diesen Sommer geprüft und zum Jahresende 2026 ein Auftrag vergeben werden.
Verwendete Daten:
Nachrichtenagentur dpa
bild.de: "Palantir-Chef wundert sich über Deutschland"
handelsblatt.com: "Palantir für die Bundeswehr? 'Sehe ich momentan überhaupt nicht'"
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