Deutschlands Zukunft
Ökonom macht Lanz fassungslos
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von Natascha Wittmann:newstime
Das Ende der Online-Schnäppchen?
Videoclip • 57 Sek • Ab 12
Bei "Markus Lanz" spitzte sich die Debatte über Deutschlands Zukunft als Industrie- und Technologiestandort zu, als Moritz Schularick ein ernüchterndes Bild vom Rückstand gegenüber China zeichnete. Mit seiner Diagnose machte der Ökonom den ZDF-Moderator sprachlos.
Das Wichtigste in Kürze
Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands war Thema bei "Markus Lanz" am Donnerstagabend.
Die anwesenden Ökonom:innen warnten einerseits vor Alarmstimmung.
Zugleich wurde der eklatante Rückstand gegenüber China betont.
Der Nahost-Krieg wirkt bis nach Deutschland: Benzin und Energie werden teurer, die Wirtschaft steht ohnehin unter Druck. Bei "Markus Lanz" wurde genau das am Donnerstagabend zur Vorlage für eine Grundsatzdebatte über die Zukunft des Industrie- und Technologiestandorts.
Gleich zu Beginn überraschte Ex-VW-Chef Herbert Diess mit seiner weltpolitischen Meinung, als er den amerikanischen Militäreinsatz im Iran befürwortete. Lanz wollte es genauer wissen: "Warum?" Diess antwortete deutlich: "Den Ansatz, dieses Regime zu wechseln, halte ich für außerordentlich wichtig für die Welt." Er legte nach: "Ich glaube, wir waren auch noch nie so nah dran an einem Regime-Wechsel. (...) Das Regime ist so schwach wie nie (...) und wenn ein Wechsel gelänge, wäre die Welt eine andere." Für Diess wäre ein Regime-Wechsel sogar ein "Wachstumsgenerator für die ganze Welt".
Wirtschaftsexperte: "Jede Krise bietet eine Chance"
Energieökonomin Claudia Kemfert hielt mit einem Blick auf die unmittelbaren Folgen für Märkte und Versorgung dagegen: "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist das wirklich eine Katastrophe, was da im Moment stattfindet." Kemfert warnte weiter: "Wir sind in einer fundamentalen fossilen Energiekrise. Und diese (...) hat dramatische Auswirkungen!" Der Spruch, mit dem Lanz auf diese ernste Aussage reagierte lockerte die Stimmung im Studio kurz auf: "Nicht alles (...) jetzt auf einen Schlag, weil sonst brauche ich gleich einen Schnaps. Den wollte ich eigentlich erst nach der Sendung nehmen!" Auch Ökonom Moritz Schularick dämpfte die Alarmstimmung mit seiner Einschätzung: Von Corona-"Horrorszenarien" sei man derzeit "noch weit entfernt".
Dann ging es um die Frage, ob die Krise der Energiewende Rückenwind geben könnte. "Ist das gerade ein großes Comeback für Erneuerbare?", wollte Lanz wissen. Kemfert hoffte darauf und wurde grundsätzlich: "Was brauchen wir denn noch, wie viele Weckrufe?" Wirtschaftsexperte Andreas Peichl sah ebenfalls das Potenzial des Augenblicks: "Jede Krise bietet eine Chance und das ist eben jetzt die Chance, da mehr zu machen." Diess stimmte zu und ärgerte sich darüber, dass "diese Erneuerbaren" in Deutschland "immer noch ein bisschen diskreditiert" würden - obwohl sie längst "so wettbewerbsfähig wie keine andere Energieform" seien und "man sie einfach in Deutschland (...) produzieren" könne.
Ökonom sieht Deutschland als "Entwicklungsland relativ zu China"
Moritz Schularick lenkte den Blick schließlich auf den globalen Wettbewerb und fällte dabei ein drastisches Urteil: "Bei den Batterie-Technologien, (...) Robotik, KI - da sind wir inzwischen Entwicklungsland relativ zu China." Lanz hakte nach: "Wirklich? Sind die so weit vorne?" Schularick antwortete knapp: "Die Entwicklung von neuen Autos, neuen Technologien, findet heute in China statt."
Ex-VW-Chef Herbert Diess wollte das nicht als Schicksal akzeptieren und formulierte einen Appell: "Wenn wir den Mut haben unternehmerisch, dann kann man wieder ins Spiel kommen, wenn man will. Und Deutschland hat die Grundfähigkeiten dafür." Seine Forderung? "Wir müssen uns trauen! Wir müssen uns mehr auf die neuen Themen konzentrieren und die alten dann auch mal loslassen. Und dann den Benzinpreis auch mal hochgehen lassen und (...) schneller auf die neuen Technologien wechseln." Zum Schluss sagte er hoffnungsvoll: "Die Diskussion, jetzt die Industrie abzuschreiben, halte ich für viel zu früh." Lanz ergänzte euphorisch: "Wir sind noch nicht am Ende!"
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