"Hinhaltetaktik" soll enden

Experten fordern auf Verkehrsministerkonferenz klares Ja zum Tempolimit

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

:newstime

Laut Umfrage: So denken die Deutschen wirklich über das Tempolimit

Videoclip • 01:19 Min • Ab 12


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In Lindau treffen sich ab heute die Verkehrsminister:innen von Bund und Ländern – im Mittelpunkt steht der Streit um ein mögliches Tempolimit. Eine neue Studie zeigt, wie viele Leben Tempo 120 retten könnte, während der Verkehrssektor seine Klimaziele erneut verfehlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Bündnis aus Umweltschützer:innen, Verkehrsopfer-Helfer:innen und der GdP fordert beim Treffen in Lindau ein Ende der Blockade beim Tempolimit.

  • Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum könnte Tempo 120 pro Jahr 58 Todesopfer, 2.300 Verletzte und Unfallkosten von 216 Millionen Euro vermeiden.

  • Der Verkehrssektor hat seine Klimaziele erneut verfehlt, während ein Tempolimit den CO2-Ausstoß um bis zu 11,7 Millionen Tonnen senken könnte.

In Lindau kommen ab heute (25. März) die Verkehrsminister:innen von Bund und Ländern zusammen. Offiziell geht es um verschiedenste verkehrspolitische Themen, doch ein Dauerbrenner drängt sich auf: das generelle Tempolimit. Seit Jahrzehnten wird in Deutschland darüber gestritten, während die Zahl der Verkehrstoten hoch bleibt und die Klimaziele immer wieder verfehlt werden.

Besonders im Fokus steht Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Er will in Lindau offiziell nichts von neuen Tempolimits hören. Beobachter:innen gehen aber davon aus, dass er sich dem Thema auf Dauer nicht entziehen kann. Ein Bündnis aus Umweltschützer:innen, Verkehrsopfer-Helfer:innen und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wirft der Politik eine "Hinhaltetaktik" vor und fordert klare Entscheidungen.

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Neue Studie: Tempo 120 könnte viele Leben retten

Rückenwind bekommen die Tempolimit-Befürworter:innen von einer aktuellen Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum. Die Ökonomin Maike Metz-Peeters kommt in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass bereits Tempo 120 auf Autobahnen die Zahl der Verkehrstoten deutlich reduzieren könnte. Ihren Berechnungen zufolge würde ein solches Limit die Zahl der Toten um etwa ein Drittel senken.

Metz-Peeters betont die Qualität der Datenlage. Sie sagt laut Studie: "Eine vergleichbare Datenbasis gab es bisher nicht." Demnach könnten pro Jahr 58 Todesopfer und rund 2.300 Verletzte weniger zu beklagen sein. Auch finanziell wäre der Effekt spürbar: Die Forschenden rechnen mit einer jährlichen Ersparnis bei den Unfallkosten von 216 Millionen Euro.

Auch in den News:

Blick aufs Ausland gibt Studie recht

Wie stark Geschwindigkeitsbegrenzungen wirken können, zeigt laut "t-online" der Blick nach Frankreich. Arno Wolter, Chef der Initiative für sichere Straßen, verweist auf die dortige Entwicklung: Nachdem das Tempolimit auf Landstraßen auf 80 km/h gesenkt wurde, sei die Zahl der schweren Unfälle deutlich zurückgegangen. Das Beispiel soll den deutschen Politiker:innen in Lindau zeigen, welches Potenzial auch hierzulande besteht.

Die Unfallzahlen in Deutschland bleiben hoch. Allein im Jahr 2025 starben auf den Straßen 2.814 Menschen, die meisten davon außerorts. Expert:innen und Opferverbände sehen darin ein weiteres Argument für strengere Regeln und ein Ende der aus ihrer Sicht überfälligen Debatte.

Klimaziele deutlich verfehlt – Verkehr als Problemsektor

Neben der Verkehrssicherheit steht der Klimaschutz im Mittelpunkt der Kritik. Laut Umweltbundesamt hat der Verkehrssektor seine Klimaziele im vergangenen Jahr erneut verfehlt. Besonders alarmierend: Der Ausstoß von Treibhausgasen ist nicht gesunken, sondern sogar um 1,4 Prozent gegenüber 2024 gestiegen.

Ein Tempolimit könnte hier kurzfristig wirken. Nach Berechnungen von Fachleuten ließe sich der jährliche CO2-Ausstoß um bis zu 11,7 Millionen Tonnen reduzieren. Umweltverbände sprechen laut "t-online" von einer "sofort verfügbaren Klimaschutzmaßnahme", die weder neue Technik noch lange Planungsverfahren benötigt – nur einen politischen Beschluss.

Polizei warnt vor Sparplänen bei der Fahrausbildung

Während Expert:innen ein klares Signal beim Tempolimit verlangen, kommt von der Polizei eine weitere Warnung: Sie sieht geplante Einsparungen bei der Fahrausbildung kritisch. Aus Sicht der Beamt:innen könnten weniger Fahrstunden oder abgespeckte Prüfungsanforderungen die Sicherheit auf den Straßen zusätzlich gefährden. Gerade in einer Phase, in der über mehr Sicherheit und weniger Unfälle debattiert wird, seien Kürzungen das falsche Signal.

In Lindau dürfte es daher nicht nur um Tempolimits gehen, sondern grundsätzlich um die Frage, wie sicherer und klimafreundlicher Verkehr in Zukunft aussehen soll. Ob sich die Verkehrsminister:innen auf konkrete Schritte einigen, ist offen – der Druck von Wissenschaft, Umweltverbänden und Polizei nimmt jedoch weiter zu.


Verwendete Quellen:

t-online: "Tempolimit: Jetzt könnte es ganz schnell gehen"

news.rub.de: "Wirtschaftswissenschaft: Weniger Verkehrstote durch Tempo 120"

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