Zehn Euro monatlich vom Staat
Altersvorsorge ab sechs? Kabinett bringt Frühstartrente auf den Weg
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
"Rente mit 63": Mehrheit gegen Abschaffung
Videoclip • 01:06 Min • Ab 12
Schon mit sechs fürs Alter vorsorgen? Eine staatliche Förderung soll Kinder früh an das Thema Rente heranführen. Langfristig könnten dabei hohe Beträge entstehen – allerdings nicht für alle.
Das Wichtigste in Kürze
Durch die sogenannte Frühstartrente von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sollen junge Menschen ein Startkapital für ihre private Altersvorsorge erhalten.
Sollte das Gesetz im Bundestag beschlossen werden, bekommt zunächst jedes Kind aus dem Geburtsjahrgang 2020 zehn Euro monatlich vom Staat.
Schon jetzt gibt es allerdings mächtig Kritik an Klingbeils Plänen.
Für das Alter kann man nie zu früh vorsorgen: Kinder sollen deshalb künftig einen monatlichen Zuschuss vom Staat erhalten. Das Kabinett brachte in Berlin die sogenannte Frühstartrente von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf den Weg. Die Idee: Der Bund soll für jedes Kind, das sechs Jahre alt wird, bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot einzahlen.
"Wir wollen, dass alle besser und früher für das Alter vorsorgen können", erklärte Klingbeil. Bisher hänge das viel zu oft vom Elternhaus ab. Mit dem neuen System werde kein Kind vergessen – und die Kinder würden zugleich früh an den Finanzmarkt herangeführt.
Nicht jedes Kind bekommt die Frühstartrente
Nein. Sollte das Gesetz im Bundestag beschlossen werden, geht das Geld erst einmal an Kinder mit Geburtsjahrgang 2020. Ab 2027 kommt dann jedes Jahr der Geburtsjahrgang der dann Sechsjährigen dazu.
Wer heute schon sieben Jahre alt ist, geht leer aus. Irgendwo müsse man anfangen, sagt Klingbeil dazu. "Aber das sind Entscheidungen, die man halt zu treffen hat in der Politik."
Auch in den News:
Eltern entscheiden, was mit dem Geld passiert
Die Frühstartrente ist eine Art Startkapital für die Altersvorsorge. Das Geld soll automatisch an alle Kinder des entsprechenden Jahrgangs ausgezahlt werden. Es geht direkt in ein Depot, dessen Erträge bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei sind. Ausgezahlt wird das geförderte Kapital grundsätzlich nicht vor Ende des 65. Lebensjahrs.
Was für ein Depot genutzt wird, können die Eltern selbst aussuchen – zumindest innerhalb gewisser Vorgaben. So dürfen bis zum 18. Lebensjahr keine Abschluss- und Vertriebskosten entstehen.
Wählen Eltern nicht aktiv ein Depot, wird eine von der Bundesbank verwaltete, öffentliche Kapitalanlage genutzt. Bis zum 35. Lebensjahr könne man das Geld dann ins eigene Depot holen, sagte Klingbeil.
Depotwert könnte auf hohe Summe anwachsen
Nach Rechnung des Finanzministeriums entsteht allein aus der staatlichen Förderung bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro. "Daraus können bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden", erklärt Klingbeils Ministerium.
Doch Eltern und Großeltern können das Depot auch durch freiwillige Zahlungen aufstocken – Einzahlungen bis zu 6.840 Euro im Jahr sind erlaubt. Legten die Eltern monatlich nur zehn Euro drauf, könne das Depot bis zum Renteneintritt auf rund 107.000 Euro wachsen, rechnet das Finanzministerium. Bei einer Zuzahlung von monatlich 50 Euro könnten im Rentenalter rund 320.000 Euro zusammengekommen sein. Diesen Berechnungen liegt eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von 7 Prozent zugrunde. Tatsächlich können sich die Depots besser oder auch schlechter entwickeln.
Staat zahlt bis zu 411 Millionen Euro
Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.
Nicht nur Sparen ist das Ziel
Nein, die Frühstartrente soll auch dafür sorgen, dass sich mehr junge Leute mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen. Sie sollen die Wertentwicklung in ihren eigenen Depots spüren – und auch sehen, dass sich ein vorübergehendes Minus auf lange Sicht oft ausgleicht. Der Gesetzentwurf spricht von "einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen" mit den Eltern.
So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen. Denn private Vorsorge wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Dafür hat die Bundesregierung einen Nachfolger für die wenig beliebte private Riester-Rente entwickelt. Von der Frühstartrente soll es mit der Volljährigkeit einen nahtlosen Übergang in die neue steuerlich geförderte private Altersvorsorge geben.
Die Frühstartrente sei "eine richtige Chance für die Kinder in unserem Land. Und das ist aber auch eine richtige Chance, um die Rente zukunftsfest aufzustellen", sagt Klingbeil.
"Sinnlos-Projekt": So reagiert die Politik auf Klingbeils Frühstartrente
Für die Linke ist die Frühstartrente ein "Sinnlos-Projekt". Rentenexpertin Sarah Vollath sagte der "Rheinischen Post": "Die Frühstartrente ist nichts anderes als Symbolpolitik, mit der die Bundesregierung schon die Jüngsten in der Gesellschaft an den Kapitalmarkt binden will." Wohlhabende Eltern, die Eigenbeiträge stemmen könnten, würden obendrauf steuerlich begünstigt, während ärmere Familien das Nachsehen hätten.
Auch Gewerkschaften halten das Konzept für falsch. Zehn Euro im Monat seien nur ein kleiner Köder, um Familien in die Arme von Fondsanbietern zu treiben, kritisierte die IG Metall. Statt der Finanzwirtschaft unter die Arme zu greifen, müsse die Bundesregierung die gesetzliche Rente stärken.
Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann dagegen verteidigte die Frühstartrente: "Jungen Menschen kommt dadurch die Kraft des Kapitalmarkts und der Zinseszinseffekt von klein auf zugute", betonte sie.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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