Wintereinbruch

Winter-Apokalypse in Russland: Tödliche Schneemassen legen Kamtschatka lahm

Aktualisiert:

von Michael Reimers

Die Behörden in Kamtschatka warnen vor Todesgefahr durch die Wetterbedingungen.

Bild: IMAGO/SNA


Extremwinter in Russland: Meterhoher Schnee begräbt Kamtschatka, fordert Tote und schneidet Menschen von der Versorgung ab. Auch Moskau versinkt im Schnee.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tödliche Schneemassen legen Kamtschatka lahm: Der schlimmste Winter seit Jahrzehnten hat Menschen eingeschlossen, zwei Todesopfer gefordert und die Versorgung ins Wanken gebracht.

  • Meterhohe Verwehungen zwingen Bewohner:innen, ihre Häuser durch Fenster zu verlassen, während Helfer:innen im Dauereinsatz sind.

  • Auch Moskau versinkt im Rekordschnee.

Die fernöstliche russische Halbinsel Kamtschatka versinkt derzeit im Schnee. Was Meteorolog:innen als die schwersten Schneefälle seit 30 Jahren bezeichnen, hat in der russischen Region laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu einem Ausnahmezustand geführt. Binnen weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten, mit tragischen Folgen für die Bevölkerung.

Tödliche Schneemassen und extreme Bedingungen

In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei Männer von Schneemassen erschlagen, die von Dächern zu Boden krachten. Die tagelangen Niederschläge der vergangenen Woche türmten stellenweise bis zu fünf Meter hohe Schneeverwehungen an Häusern auf.

Wissenschaftler:innen führen die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone über dem Pazifik zurück. Diese bringen große Mengen an Feuchtigkeit mit sich, die sich durch die niedrigen Temperaturen und die komplexe Geografie Kamtschatkas in massiven Schneefall verwandeln.

Eingesperrte Bewohner:innen und dramatische Szenen

In sozialen Netzwerken dokumentieren Dutzende Videos die dramatischen Zustände. Bewohner:innen sind in ihren Häusern eingesperrt, besonders ältere Menschen können sich nicht selbst befreien. Einige verlassen ihre Wohnungen über Fenster, weil nicht nur die Eingänge, sondern auch die ersten Etagen komplett eingeschneit sind.

Aufnahmen zeigen eine Frau, die ihr Fenster öffnet und sich mit einem Eimer durch den Schnee gräbt, um die eisige Masse in ihre Badewanne zu kippen. In einem anderen Video sieht man zwei Männer, die sich einen langen Tunnel zu ihrem unter meterhohem Schnee begrabenen Auto gegraben haben.

Auch in den News:

Neben professionellen Einsatzkräften sind auch Student:innen und Soldat:innen mobilisiert, um den Menschen in Not zu helfen. "Nicht alle können solch eine Situation alleine durchstehen", erklärt Student Pawel Scherebkin in einem Video des lokalen Nachrichtenportals "Kamtschatka Sergodnja", während er Wege zu Häusern freischaufelt. "Aber täglich kommen mehr Helfer hinzu. Wir kommen mit den Folgen des Zyklons klar."

Versorgungsengpässe und Hamsterkäufe

Gouverneur Wladimir Solodow hat für Montag (19. Januar) eine Krisensitzung einberufen, da es immer wieder Klagen über Versorgungsengpässe gibt. Besonders bei Obst und Gemüse kommt es zu Problemen, weil Lieferfahrzeuge nicht fahren können oder Gewächshäuser eingeschneit sind.

In seinem Telegram-Kanal zeigt sich der Gouverneur bei einem Supermarktbesuch und räumt die Versorgungsprobleme ein. Der Supermarktleiter berichtet von Hamsterkäufen – in einem Fall sollen 120 Brötchen auf einmal gekauft worden sein, um sie anderswo gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Solodow betont jedoch: "Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt sind, sind auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel läuft jedenfalls ununterbrochen."

Schulen geschlossen, Kinder in Gefahr

Die Lage bleibt angespannt bei tiefen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teilweise auf Fernunterricht umgestellt. Die Stadtverwaltung von Petropawlowsk-Kamtschatski warnt Eltern eindringlich davor, ihre Kinder auf die Straße zu lassen. Sie könnten von Schneemassen oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden – ein Problem, das in ganz Russland immer wieder zu Todesfällen führt.

Die Schneechaos-Problematik ist nicht auf Kamtschatka beschränkt. Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind Einsatzkräfte auf Dächern unterwegs, um Schnee wegzuschaufeln. Am 9. Januar sprachen Meteorolog:innen dort von einem der heftigsten Schneestürme in den vergangenen 146 Jahren der Wetterbeobachtung.

Für die kommende Woche kündigen Meteorolog:innen für Moskau Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius an – eine Entspannung ist also nicht in Sicht.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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