Gefahr im Urlaubsparadies
UNESCO warnt: Tsunami-Risiko im Mittelmeer deutlich höher als gedacht
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerNach einem schweren Erdbeben hat Japan eine Tsunami-Warnung ausgegeben. (Archivbild)
Bild: Hidetaka Komukai/Kyodo News/AP/dpa
Im Mittelmeer drohen in den nächsten Jahrzehnten mit Sicherheit neue Tsunamis – Expert:innen gehen laut UNESCO von einer 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit für einen Tsunami von mindestens einem Meter Höhe in den nächsten 30 bis 50 Jahren aus. Besonders gefährdet sind Teile Griechenlands, Italiens, der Türkei sowie weitere Küstenregionen rund um das Mittelmeer und den Nordostatlantik.
Das Wichtigste in Kürze
In den nächsten 30–50 Jahren erwartet die UNESCO mit 100-prozentiger Sicherheit mindestens einen Tsunami von einem Meter Höhe im Mittelmeer.
Besonders gefährdet sind Griechenland, Süditalien, Teile der Türkei sowie weitere Regionen rund um das Mittelmeer und den Nordostatlantik.
Viele Länder setzen auf das UNESCO‑Warnsystem NEAMTWS und nationale Zentren, doch die kurze Vorwarnzeit im Mittelmeer bleibt eine große Herausforderung.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind im Mittelmeerraum oder in angrenzenden Gebieten rund 100 Tsunamis dokumentiert worden. Das entspricht etwa 10 Prozent aller weltweit registrierten Ereignisse. Die UNESCO betont laut "euronews", dass in den kommenden Jahrzehnten mit weiteren Tsunamis zu rechnen ist. Laut der Organisation besteht eine "100-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 30–50 Jahren ein Tsunami mit mindestens einem Meter Höhe im Mittelmeer auftreten wird".
Auch wenn ein Meter Wellenhöhe vergleichsweise harmlos klingt, warnen Expert:innen: Schon kleinere Tsunamis können an dicht besiedelten Küsten erhebliche Schäden verursachen. Häfen, Strände und touristische Gebiete seien besonders gefährdet, wenn starke Strömungen auftreten und das Wasser unvorhersehbar ansteigt und wieder zurückströmt.
Tsunamis: Kleine Vorwarnzeit, starke Strömungen
Tsunamis entstehen meist durch starke Seebeben oder Vulkanausbrüche. Sie bestehen aus mehreren aufeinanderfolgenden Wellen, die mit hoher Geschwindigkeit über das Meer ziehen. Fachleute weisen darauf hin, dass nicht unbedingt die erste Welle die gefährlichste ist. Besonders kritisch sind die kräftigen Strömungen, die Häfen überfluten, Schwimmer:innen überraschen und in bebauten Küstengebieten schwere Zerstörungen verursachen können.
Im Mittelmeer kommt ein weiterer Faktor hinzu: Das Meer ist im Vergleich zu großen Ozeanen relativ klein. Ein Tsunami kann nahegelegene Küsten schon nach 20 bis 40 Minuten erreichen. Das bedeutet: Die Vorwarnzeit ist deutlich kürzer als etwa im Pazifik. Oft ist ein spürbares Seebeben eines der wichtigsten Warnsignale für die Bevölkerung an den Küsten.
Auch in den News:
Hotspots: Wo das Tsunami-Risiko am höchsten ist
Im westlichen Mittelmeer sind vor allem die Balearen und Teile der spanischen Küste um Valencia betroffen. Tsunamis sind dort seltener, können aber auftreten, wenn sie zum Beispiel durch Erdbeben vor der nordafrikanischen Küste ausgelöst werden. An den Küstenregionen Algeriens und Marokkos besteht ein besonderes Risiko. So löste das Erdbeben von Boumerdès im Jahr 2003 einen kleineren Tsunami aus, der Teile des westlichen Mittelmeers beeinflusste.
Portugal gehört zur Nordost-Atlantik-Region, in der sich die afrikanische und die eurasische Platte treffen. Das ist eine tektonisch aktive Zone, in der Erdbeben und gelegentlich auch Tsunamis auftreten können. Expert:innen des portugiesischen Instituto Português do Mar e da Atmosfera (IPMA) betonen laut "euronews", dass das Tsunami-Risiko an Portugals Küste real ist – auch wenn die Wahrscheinlichkeit für sehr große Wellen geringer ist als in stark seismischen Regionen wie dem Pazifik.
Türkei, Südfrankreich und gemeinsame Warnsysteme
Die Westtürkei ist vor allem an den Küsten der Ägäis betroffen, etwa in der Nähe von Izmir und der Bodrum-Halbinsel. Häufige Erdbeben entlang aktiver Verwerfungen können dort kleinere Tsunamis auslösen. An der Mittelmeerküste Südfrankreichs – etwa bei Nizza, Marseille, Toulon und entlang der Côte d’Azur – sprechen Fachleute von einem moderaten Tsunami-Risiko. Extrem große Wellen sind hier selten. Dennoch können schnelle Tsunamiwellen die Küsten innerhalb von 20 bis 60 Minuten erreichen. Frühwarnsysteme und Notfallpläne sind daher wichtig.
Grundsätzlich gilt: Im östlichen Mittelmeer – vor allem in Griechenland, der Türkei und Italien – ist das Risiko aufgrund der starken tektonischen Aktivität am höchsten. Im zentralen Mittelmeer ist das Risiko moderat, im westlichen Mittelmeer (etwa Spanien, Frankreich) geringer, aber nicht gleich null.
UNESCO-Warnsystem soll Küsten schützen
Viele Mittelmeerländer sind im gemeinsamen regionalen Tsunami-Warnsystem der UNESCO verbunden, dem NEAMTWS (North-eastern Atlantic, Mediterranean and connected seas Tsunami Warning System). Dieses System soll Warninformationen koordinieren und schnell an die betroffenen Staaten weitergeben. Länder wie Frankreich, Italien, Griechenland, die Türkei und Portugal betreiben zusätzlich eigene nationale Warnzentren oder anerkannte "Tsunami Service Provider". Sie geben im Alarmfall Warnungen an Behörden und Bevölkerung weiter.
Die UNESCO mahnt, dass dicht besiedelte Küsten mit seismischer und vulkanischer Aktivität "das Risiko von kleinen wie auch potenziell verheerenden Tsunamis im nordöstlichen Atlantik und angrenzenden Meeren wie Mittelmeer, Nordsee, Ostsee und Schwarzem Meer aktiv berücksichtigen" müssten. Denn das Risiko ist real – im Mittelmeerraum und darüber hinaus.
Verwendete Quellen:
euronews: "Sturmflut: So wahrscheinlich ist ein Tsunami im Mittelmeer"
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