Was, wenn doch?

Inszenierte Attentatsversuche auf Trump? Warum viele von Verschwörungstheorien fasziniert sind

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Umfrage: Trump so unbeliebt wie nie zuvor (29. April)

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


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Schüsse in Washington: War der mutmaßliche Mordversuch an Trump womöglich inszeniert? Verschwörungstheorien rund um die US-Regierung faszinieren Menschen im Internet und darüber hinaus. Warum ist das so?

Das Wichtigste in Kürze

  • Schüsse beim Gala-Dinner mit Trump: Schon kurz darauf kursieren zahlreiche Gerüchte um das mutmaßliche Attentat.

  • Warum wirken Verschwörungstheorien so intensiv und nachhaltig – Psycholog:innen erklären.

  • Eine reale Gefahr: Expert:innen warnen vor allem vor unvorhergesehenen Folgen der wilden Geschichten rund um Trump und Co.

Ein dunkler Raum. In der Mitte sitzt eine maskierte Person. Mit klarem Blick fixiert sie die Menschen hinter den Bildschirmen. Dann öffnet sie den Mund und nennt immer wieder den einen Namen: Cole Allen.

Es ist der Name des Schützen, welcher die Schüsse beim Trump-Dinner abfeuerte. Nun ist ein über drei Jahre alter Post mit genau diesem Namen auf der Plattform X aufgetaucht.

Videos wie diese sind in den vergangenen Tagen vermehrt in den sozialen Medien aufgetaucht. Manchmal sieht man die Erzählenden, mal spricht eine KI. Damit frisst sich eine Frage in die Köpfe vieler Menschen: Was, wenn doch?

Auch in den News:

Die ruhige Stimme des Mannes versichert: Hinter dem mutmaßlichen Mordversuch auf US-Präsidenten Donald Trump beim Korrespondentendinner steckt mehr. Eine Verschwörung. Der maskierte Unbekannte erzählt von scheinbaren Fakten und Zusammenhängen. Ein Fazit oder eine Einordnung am Ende des Videos bleibt aus – die soll sich der oder die Instagram-User:in selbst erschließen.

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Es kann jeden treffen – deshalb sind Mythen für unser Gehirn attraktiv

Verschwörungserzählungen wie diese "appellieren an unsere urmenschliche Intuition, hinter den Dingen Muster, Intention und Plan zu unterstellen", erklärt der Psychologe Roland Imhoff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Diese 'hyperactive agency detection' hilft uns, unsere soziale Umwelt besser zu verstehen, aber auch die Welt als kontrollierbar wahrzunehmen."

Imhoff sieht die Verbindung zu solchen Geschichten schon in antiken Tragödien, bis hin zu heutigen Hollywood-Blockbustern: Es seien die immergleichen Erzählstrukturen. "Es gibt Schurken, die sinistre Pläne verfolgen (und schuld sind am beklagenswerten Zustand der Welt), denen aber Heldinnen und Helden das Handwerk legen können."

Im Grunde könne "jeder unter den richtigen Umständen anfällig für Verschwörungstheorien sein", so die britische Psychologin Karen Douglas von der University of Kent.

Waren die Schüsse beim Gala-Dinner inszeniert?

Die Aussage der aktuell kursierenden Videos rund um Trump ist eindeutig: Der Angriff des Einzeltäters soll inszeniert gewesen sein.

Im Herbst wird in den USA gewählt – für Trump steht bei den Midterms viel auf dem Spiel. Mit einem auf ihn geplanten Angriff wolle der US-Präsident von seiner misslungenen (Kriegs-)Politik ablenken und seine Beliebtheitswerte steigern. Das beschwören zumindest einige der Mythen-Erzähler:innen. Stellenweise wird auf eine Verbindung zu Israel hingewiesen.

Die Geschichte des "staged shooting" wirkt: Unmittelbar nach dem Zwischenfall zählte das US-Unternehmen Newsguard, das auf Falschinformationen und Vertrauensbewertungen für Nachrichtenquellen im Internet spezialisiert ist, allein auf X 80 Millionen Aufrufe dieser Verschwörungs-Beiträge.

Selbst Trump selbst zeigt sich überrascht von dieser rasanten Entwicklung: "Normalerweise dauert es etwas länger. Normalerweise warten sie etwa zwei oder drei Monate, bevor sie so etwas sagen", so der Präsident gegenüber dem Sender CBS.

Experte warnt vor möglichen Gefahren

Imhoff sieht in dieser Geschwindigkeit vor allem eins: eine Gefahr. "Wenn Verschwörungserzählungen zu einem Ereignis vor die eigentliche Meldung kommen, also das Erste sind, was ich zu einem Ereignis lese, dann kommen sie in die privilegierte Position des zuerst Gehörten", so der Psychologe. "Das hat häufig einen Vorteil bei der Erinnerung, aber auch der folgenden Verarbeitung von Informationen, die vor dem Hintergrund des bereits Gehörten aufgenommen und gewichtet werden."

Die Verschwörungstheorien um den Schützen beim Trump-Dinner machen sich auch einige der MAGA-Anhänger:innen sowie der Präsident selbst zunutze. Sie können nun mit dem Finger auf die politisch generische Seite zeigen und behaupten, mit Verschwörungserzählungen werde bewusst versucht, dem US-Präsidenten zu schaden.

Eine Endlosspirale: Die eine Verschwörung dient der anderen, es ist ein konsequentes Spiegeln der Vorwürfe.


Die Geschichte mit dem blutenden Ohr

Der Mythos über den US-Präsidenten ist keine Neuheit. Er reiht sich in eine Kette zahlreicher Verschwörungstheorien des Trump-Universums ein.

So zum Beispiel das Attentat auf den damals noch Präsidentschaftskandidaten im Juli 2024, nach dem sich Trump mit blutendem Ohr als großen Anführer verklärte. Auch dazu gibt es unzählige Hintergrundbeiträge, gern auch mit Verbindung zu den aktuellen Ereignissen des Dinners in Washington. Ähnlich erging es dem tödlichen Anschlag auf Trumps Unterstützer Charlie Kirk im September 2025.

Emotional, aufgebauscht, andauernd: Verschwörungstheorien halten sich auch ohne Schusswaffe hartnäckig. Beinahe täglich gibt es neue Vermutungen über den Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Auch Geschichten über die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gehören zum Alltag von Verschwörungstheoretiker:innen.

Unabsehbare Folgen: Geschichten und ihr Einfluss auf die Realität

"In sozialen Medien ist es leicht, Verschwörungstheorien zu finden und zu verbreiten. Menschen, die sich dafür interessieren, stoßen fast sofort darauf", so die Psychologin Douglas. Der Algorithmus von Instagram, Facebook und Co. sei perfekt für auf Userspezialisierung basierende Geschichten. "Sind Verschwörungstheorien erst einmal im Umlauf, lassen sie sich nur schwer eindämmen – besonders dann, wenn einige Fakten noch unbekannt sind."

Besonders Trump mit seiner teils skurril wirkenden Art sei die ideale Figur für solche Erzählungen. Zudem verbreitet der Präsident selbst gerne wilde Geschichten, zum Beispiel über den nicht vorhandenen Klimawandel.

Trump mobilisiere seine Anhängerschaft "vor allem durch Polarisierung und Dämonisierung seiner Gegner", so auch Roland Imhoff. Das Gefährliche an den oft überspitzten Verschwörungstheorien seien vor allem ihre unabsehbaren Folgen.

Menschen könnten sich "von der etablierten Politik und Wissenschaft abwenden und hin zu extremeren politischen Ansichten und wissenschaftsfeindlichen Einstellungen führen", warnt Douglas. "Für manche mögen sie unterhaltsam und harmlos erscheinen, doch in vielen Fällen sind sie potenziell deutlich gefährlicher."



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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