Verbraucherzentralen klären auf

Soja im Faktencheck: Wie gefährlich sind Tofu, Sojadrink und Co. wirklich?

Veröffentlicht:

von Jacqueline Bittl

:newstime

Lebensmittel- und Produkt-Rückrufe: Diese Rechte haben Verbraucher

Videoclip • 01:07 Min • Ab 12


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Hormone, Krebs, "Verweiblichung": Rund um Soja kursieren viele Mythen. Verbraucherzentralen haben geprüft, was davon stimmt – und was nicht.

Soja steckt längst in vielen Alltagsgerichten – vom Veggie-Döner bis zur Misosuppe. Immer wieder wird behauptet, Soja schade der Schilddrüse, erhöhe das Brustkrebsrisiko oder beeinflusse männliche Hormone. Ein Faktencheck der Verbraucherzentralen zeigt: Bei normalem Verzehr sind diese Sorgen rund um Sojaprodukte meist unbegründet.

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Verzehr von Soja ist unbedenklich – Ängste lassen sich wissenschaftlich nicht bestätigen

Grund für die Verunsicherung sind die sogenannten Isoflavone in Sojabohnen. Diese sekundären Pflanzenstoffe ähneln in ihrer Struktur dem Hormon Östrogen. Wie Stella Glogowski von der Verbraucherzentrale Hessen erklärt, führten diese Eigenschaften bei vielen Menschen zu Ängsten – wissenschaftlich lassen sich diese bei üblichen Verzehrmengen jedoch oft nicht bestätigen.

Auch bei Brustkrebs gilt moderater Sojakonsum nach aktuellem Kenntnisstand als unproblematisch. Laut Glogowski sind ein bis zwei Portionen Sojalebensmittel pro Tag – etwa 100 Gramm Tofu oder ein Glas Sojadrink – selbst während einer antihormonellen Therapie als sicher einzustufen. Fachgesellschaften sehen keine Hinweise darauf, dass dies das Rückfallrisiko erhöhe.

Beim Thema Schilddrüse kommt es dagegen auf die Umstände an. Bei ausreichender Jodversorgung erwarten die Verbraucherschützer:innen keine negativen Effekte durch normalen Sojakonsum. Bei Jodmangel, bestehenden Schilddrüsenerkrankungen oder hoch dosierten Isoflavon-Nahrungsergänzungsmitteln kann dies laut Verbraucherzentralen anders aussehen. In solchen Fällen wird zu ärztlicher Begleitung geraten. Insbesondere von isolierten Isoflavon-Supplementen rät Glogowski Menschen mit hormonabhängigen Krebsarten ab.

Die oft zitierte Sorge einer "Verweiblichung" von Männern hält die Expertin ebenfalls für unbegründet. Studien zeigen laut Verbraucherzentralen keine relevanten hormonellen Veränderungen bei üblichem Sojakonsum. Ebenso gibt es bislang keine gesicherten Belege dafür, dass Soja Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen zuverlässig lindere.

Unterm Strich empfehlen die Verbraucherzentralen vor allem eines: Vielfalt. Soja kann in normalen Mengen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein und liefert hochwertiges Protein, Ballaststoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe. Entscheidend ist das Maß – und eine gute Jodversorgung.

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FAQ: Soja

Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist der Verzehr üblicher Mengen von Sojalebensmitteln bei Brustkrebs unbedenklich. Ein bis zwei Portionen täglich – das entspricht etwa 100 g Tofu oder 250 ml Sojadrink – gelten auch während einer antihormonellen Therapie als sicher. Fachgesellschaften sehen keine Hinweise darauf, dass moderater Sojakonsum das Risiko für ein Wiederauftreten von Brustkrebs erhöht.

Bei ausreichender Jodversorgung schadet normaler Sojakonsum der Schilddrüse nicht. Die in Sojabohnen enthaltenen Isoflavone können ein bestimmtes Enzym in der Schilddrüse blockieren, was theoretisch zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen könnte. Allerdings ist dieser Effekt bei normalem Sojakonsum so gering und noch nicht klinisch relevant, dass Mediziner:innen bei gesunden Menschen kein Gesundheitsrisiko sehen. Hinzu kommt, dass sich die Menge der Isoflavone durch die Verarbeitung zu Tofu bereits auf etwa ein Fünftel reduziert. Etwa 100 g Tofu oder 250 ml Sojadrink gelten als sicher. Wer sich vielfältig ernährt und auf eine gute Jodversorgung achtet, muss Soja nicht meiden. Lediglich bei Jodmangel oder bestehenden Schilddrüsenerkrankungen wird eine ärztliche Begleitung empfohlen. Isoflavone aus Sojalebensmitteln und insbesondere hohe Mengen aus isolierten, hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln könnten hier nachteilige Effekte haben.

Die Sorge, dass Soja bei Männern eine "Verweiblichung" verursacht, ist unbegründet. Studien zeigen keine relevanten hormonellen Effekte bei üblichem Konsum. Isoflavone sind in ihrer regulierenden Form "sehr wahrscheinlich unbedenklich, vielleicht sogar nützlich", wie der Mediziner Stefan Kabisch von der Berliner Charité erklärt. Dies bestätigen auch Langzeituntersuchungen aus dem asiatischen Raum, wo Soja schon viel länger auf dem Speiseplan steht. Ein bis zwei Portionen Sojaprodukte täglich – eine Portion entspricht etwa 100 g Tofu oder 250 ml Sojadrink – gelten als sicher.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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