Illegale Recherchemethoden

Prinz Harry verklagt Klatschpresse: Darum erscheint er persönlich vor Gericht

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

Für Harry ist es bereits die dritte Klage dieser Art.

Bild: James Manning/PA Wire/dpa


Prinz Harry und seine Frau Meghan sind eines der Lieblingsthemen der britischen Klatschblätter. Weil einige es dabei mit dem Gesetz nicht so genau nahmen, zieht Harry zum dritten – und möglicherweise letzten – Mal vor Gericht.

Prinz Harry erschien zum Auftakt seiner Klage gegen den Verlag der Boulevardzeitung "Daily Mail" sichtlich guter Dinge: Er bedachte die zahlreichen Reporter:innen vor dem Gerichtsgebäude mit einem Lächeln und winkte ihnen zu.

Der Anlass ist dennoch ernst: Der jüngere Sohn von König Charles III. wirft den Journalist:innen der "Daily Mail" vor, für ihre Schlagzeilen über ihn jahrelang illegale Methoden genutzt zu haben. Dessen Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) weist alle Vorwürfe zurück.

Medienberichten zufolge will Prinz Harry am Donnerstag (22. Januar) selbst als Zeuge aussagen. Weitere Prominente, wie der Popstar Elton John, haben sich der Klage angeschlossen. Insgesamt ist die Verhandlung auf neun Wochen angesetzt.

Wanzen, Privatdetektive und abgehörte Telefonate

Die Vorwürfe gegenüber dem Medienhaus sind brisant: Journalist:innen sollem unter anderem Privatdetektive damit beauftragt haben, Wanzen in Wohnungen und Autos ihrer mutmaßlichen Opfer anzubringen. Außerdem sollen sie Telefongespräche abgehört und Krankenakten sowie Bankdaten unrechtmäßig eingesehen haben. All das habe sich in den Jahren 1993 bis 2011 abgespielt.

Harry hatte schon zuvor gegen den Verlag des "Daily Mirror" geklagt und sich auf einen Vergleich mit dem Verlag der "Sun" geeinigt. Dass britische Boulevardmedien jahrelang illegale Methoden nutzten, gilt als unumstritten. Zu ihren Opfern gehörten nicht nur Prominente, sondern auch Opfer von Verbrechen und deren Angehörige.

Ob das dritte Verfahren erfolgreich sein wird, ist nicht sicher: Ein wichtiger Zeuge hat Aussagen widerrufen, wonach er als Privatdetektiv an den illegalen Recherchen beteiligt gewesen sein soll.

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Jahrelanger Kampf gegen Boulevardpresse

Dass Prinz Harry gegen die Boulevardpresse nicht nur rechtlich vorgeht, sondern auch selbst im Zeugenstand sitzt, gilt als ungewöhnlich. Die britischen Royals meiden normalerweise solche Auftritte, um ihre Privatsphäre zu schützen.

Harry führt hingegen seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen die Klatschblätter. Er wolle zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten. Grund dafür könnte der Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana sein. Sie starb 1997 bei einer Verfolgungsjagd mit Paparazzi. Harry hatte mehrmals angedeutet, dass er für seine Frau Meghan ein ähnliches Schicksal fürchtet.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) annimmt, könnte es das letzte Gerichtsverfahren dieser Art sein: Harry hätte dann alle wichtigsten Boulevardmedien verklagt. Zudem wird gemutmaßt, dass er sich mit seinem Vater, König Charles, aussöhnen und es danach ruhiger angehen könnte. Der Prinz und seine Ehefrau hatten sich 2020 von der Königsfamilie abgewandt und leben seitdem mit ihren Kindern in den USA.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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