Apennin in Italien

Pelino-Schutzhütte: Touristen im Nationalpark Majella "schockieren" Behörde

Veröffentlicht:

von Oliwia Kowalak

:newstime

Italien beschließt Burka-Verbot an Schulen

Videoclip • 01:05 Min • Ab 12


Kurz nach der Einweihung des Pelino-Biwaks im italienischen Nationalpark Majella wurden Regelbrüche von Tourist:innen begangen. Der Vandalismus in den Bergregionen Italiens wird zunehmend zum Problem.

Hunde, E-Bikes und ein Shitstorm – im italienischen Gebirgszug Apennin sorgten einige Besucher:innen des Nationalparks Majella in der mittelitalienischen Region Abruzzen für Aufregung. Kurz nach der Einweihung der renovierten Schutzhütte Bivacco Cesare Mario Pelino sind Fotos zutage gekommen, welche vom Nationalpark an die Forstpolizei Carabinieri Forestali weitergeleitet wurden, wie italienische Medien berichten. In einem Facebook-Post der Behörde hieß es: "Dieses unverantwortliche Verhalten verstößt nicht nur gegen geltende Vorschriften, sondern birgt auch das Risiko von Unannehmlichkeiten für andere Wanderer, die sich in diesen Gebieten aufhalten."

Touristen in Pelino-Schutzhütte: "Mangel an Respekt"

Gemeint sind Urlauber:innen auf dem höchsten Gipfel Monte Amaro (2.793 Meter). Die Pelino-Schutzhütte wurde dort am 1. Oktober eingeweiht, nachdem das im Jahr 1982 errichtete Biwak modernisiert worden war. Die Renovierung ist mit Fördermitteln der Region Abruzzen in Höhe von 120.000 Euro aus dem Nationalen Tourismusfonds finanziert worden. Die Pelino-Schutzhütte soll Wander:innen für Übernachtungen oder als Notunterkunft bei schlechtem Wetter dienen. Sie ist ganzjährig geöffnet und offen begehbar, wie nahezu alle Biwaks in Italien.

Auf Bildern, die der Nationalpark via Facebook gepostet hatte, sind Bergsteiger:innen zu sehen, die mit Fahrrädern, teils auch E-Bikes, auf dem Gipfel vor der Pelino-Schutzhütte posieren. Sogar ein Hund wurde im Inneren der Berghütte angeleint abgebildet. "Wir sind schockiert über den völligen Mangel an Respekt vor den grundlegenden Regeln, die diese Berglandschaften schützen", schrieb die Verwaltung. Nach Angaben der Behörde sind die Fotos nur wenige Tage nach der Eröffnung der Schutzhütte an die Verwaltung des Nationalparks übermittelt worden.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.

Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

Behörde legt Gründe für Maßnahme offen

Der Post der Behörde zog allerhand Reaktionen auf sich. Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Beitrages haben über 400 Nutzer:innen Kommentare hinterlassen. Neben zahlreichen Beschwerden über Besucher:innen des Nationalparks brachten einige Nutzer:innen auch ein Problem mit dem Vorgehen der Verwaltung zum Ausdruck. "Mehr als um Hunde und Fahrräder würde ich mich Sorgen um all diese unzivilisierten Menschen machen, die im Laufe der Jahre Häuser und Unterkünfte zerstört und überall Müll hinterlassen haben", hieß es seitens eines Kommentators unter dem Beitrag der Nationalparkverwaltung.

"Abgesehen von den Obszönitäten und Beleidigungen möchten wir auf einige Kommentare eingehen, um die Gründe zu erläutern, warum Hunde und Fahrräder in bestimmten Bereichen des Parks nicht erlaubt sind", informierte die Behörde kurze Zeit später. Weder Hunde noch Fahrräder seien im gesamten Gebiet untersagt. Die Verwaltung erklärte aber, dass die betreffende hochgelegene Zone A von den Verboten betroffen sei. Grund dafür ist der Schutz des fragilen Ökosystems. "Der Berg gehört allen, aber er muss von allen geschützt werden", so der abschließende Hinweis der Verwaltung.

Im Detail gab die Verwaltung des Nationalparks an, dass ...

  • ... Fahrräder Wildtiere während Brut- oder Fortpflanzungszeit stören und die Vegetation beschädigen können.

  • ... Bremsen und Radrotationen die Bodenerosion beschleunigen.

  • ... das Fahren mit Mountainbikes auf teils schmalen Wegen zu Unfällen führen kann.

  • ... der Geruch von Hunden Wildtiere verschreckt.

  • ... Hunde sich in wilden Gebieten verirren könnten.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.

Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

Schutzhütte "keine Tankstelle": Italiens Problem mit Massentourismus

In diesem Jahr haben sich Berichte über Vandalismus in Schutzhütten in Bergregionen Italiens gehäuft. Im September warnte der Italienische Alpenverein Venetien (CAI) vor einer neuen Art des Massentourismus. Daher forderte Francesco Abbruscato, der Präsident des CAI, eine Begrenzung der Touristenzahl. "Wir haben große Schwierigkeiten mit dem Massentourismus, vor allem mit der vulgären Art", sagte Abbruscato der Zeitung "Corriere della Sera".

"Die Aktionen, die wir beobachtet haben, sind abscheulich: Seiten aus Büchern zerreißen, Matratzen vor das Biwak werfen oder die Notdurft darin verrichten", beklagte der CAI-Präsident. Seit Covid habe sich der Zustrom der Menschen, die unvorbereitet wandern, verstärkt, was das Hochgebirgssystem belaste. Der Sommer 2026 sei der "schlimmste seit Anfang der 1980er Jahre" gewesen. Eine Schließung der Biwaks schloss der Präsident aber aus, auch lehnte er ein Zugangskontrollsystem ab.

Trotzdem ergriffen Betreiber von Schutzhütten bereits Maßnahmen. Einige Biwaks wurden wegen anhaltendem Vandalismus abgesperrt. So musste laut Medienberichten das Biwak Giovanni Menegazzi in den südlichen Dolomiten mitunter nach mehreren Fällen von Vandalenakten geschlossen werden. Die Hütte Luca Vuerich in den Julischen Alpen wurde nach diversen Vorfällen auf ein Schlüsselsystem umgestellt, mit vorheriger Anmeldung. Bei einem Treffen zwischen dem Italienischen Alpenverein Venetien, der Provinzregierung, der Forstpolizei und den Präfekten soll über künftige Lösungen beraten werden, teilte CAI-Präsident Abbruscato mit.


Verwendete Quellen:

ildolomiti.it: "Dai cani nel bivacco appena inaugurato alle mountain bike in vetta, ignorando i divieti. L'amarezza del Parco: "La montagna è di tutti, ma va protetta da tutti"

corrieredelveneto.corriere.it: "Il turismo di massa in montagna, l'allerta del Cai: "Cafoni e materassi lanciati dai bivacchi: i rifugisti vivono sotto stress. Serve il numero chiuso sui sentieri"

Mehr entdecken