Forschende warnen
Nordsee-Spiegel steigt: Diese deutsche Insel droht bald im Meer zu versinken
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Nordsee-Insel Memmert könnte bis 2100 verschwinden
Videoclip • 01:03 Min • Ab 12
Die unbewohnte Nordseeinsel Memmert ist ein wichtiger Rückzugsort für Vögel. Forschende warnen jedoch, dass sie bis zum Jahr 2100 vollständig überflutet werden könnte.
Das Wichtigste in Kürze
Die Nordseeinsel Memmert könnte laut einer Modellrechnung der HafenCity Universität Hamburg bis 2100 vollständig überflutet werden.
Auf der unbewohnten Insel brüten mehr als 80 Vogelarten, außerdem rasten dort bei Hochwasser bis zu 100.000 Vögel.
Die Kachelotplate könnte zunächst mit Memmert zusammenwachsen, langfristig aber ebenfalls durch den steigenden Meeresspiegel verschwinden.
Die kleine Nordseeinsel Memmert könnte nach Berechnungen von Forschenden bis zum Ende dieses Jahrhunderts vollständig im Meer versinken. Das berichtet "T-Online" unter Berufung auf eine Modellrechnung der HafenCity Universität Hamburg. Selbst bei einem moderaten Szenario mit einer globalen Erwärmung von 1,8 Grad Celsius wäre die Insel demnach im Jahr 2100 komplett überflutet. Auch große Teile der Südseite der benachbarten Insel Juist könnten betroffen sein.
Memmert liegt weniger als zwei Kilometer südlich von Juist und ist unbewohnt. Zwischen März und November lebt dort der Vogelwart Enno Janßen, der das Tierleben dokumentiert und Müll an den Stränden sammelt. Auf der Insel brüten mehr als 80 Vogelarten, darunter Zwergseeschwalben, Löffler und Sumpfohreulen. Bei Hochwasser nutzen bis zu 100.000 Vögel Memmert als Rastplatz.
Meeresspiegelanstieg erhöht den Druck
Die Ursache für die Bedrohung ist der menschengemachte Klimawandel. Durch die Erwärmung schmelzen Gletscher und Eisschilde, gleichzeitig dehnt sich wärmeres Meerwasser aus. Nach Angaben des Umweltbundesamtes steigen die mittleren Wasserstände an Pegeln der Nord- und Ostsee bereits seit Jahrzehnten. Für dieses Jahrhundert wird weltweit mit einem Meeresspiegelanstieg von etwa 0,3 bis 1,0 Metern gerechnet.
Mit dem höheren Meeresspiegel nehmen auch die Risiken durch Sturmfluten und Küstenerosion zu. Bewohnte Inseln werden mit Deichen, Überflutungsflächen und weiteren Schutzmaßnahmen gesichert. Für das unbewohnte Memmert gibt es solche Möglichkeiten kaum. Ein dauerhafter Schutz wäre technisch aufwendig und ökologisch schwer zu rechtfertigen.
Mehr zum Thema Nordsee:
Sandbank könnte Memmert zunächst vergrößern
Gleichzeitig verändert sich die Landschaft rund um Memmert weiter. Die nahegelegene Kachelotplate, die vor rund 50 Jahren noch lediglich eine größere Sandbank war, ist inzwischen fast drei Kilometer lang und stellenweise mehr als einen Kilometer breit. Nach Einschätzung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) könnten Sandbank und Insel in etwa 50 Jahren zusammenwachsen.
Der frühere NLWKN-Direktor Siegfried Popp sagte laut "t-online": "Der bisherige Trend deutet darauf hin, dass die Dünen auf der Kachelotplate soweit aufwachsen, dass die Plate auch bei Sturmfluten nicht mehr überspült wird." Diese Entwicklung könnte Memmert vorübergehend verändern oder sogar erweitern. An der langfristigen Prognose ändert sie jedoch wenig: Nach den Berechnungen könnten sowohl Memmert als auch die Kachelotplate bis 2100 im Meer verschwinden.
Für den Naturschutz bedeutet das eine schwierige Abwägung. Memmert ist ein wertvoller Lebensraum, zugleich ist die Insel nicht dauerhaft bewohnt. Die Behörden beobachten deshalb vor allem, wie sich Dünen, Sandbänke und Sturmfluten entwickeln. Eine einfache technische Lösung gibt es nach derzeitiger Einschätzung nicht.
Verwendete Quellen:
T-Online: "Kleine Nordsee-Insel wird versinken – keine Chance auf Rettung"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Wetteraussicht
Wetter in Bayern: Kommt der Sommer nochmal zurück?

Weitere Drohne entdeckt
Neue Spuren nach Drohnenalarm am Flughafen Leipzig/Halle

Erstmals Ochsen-Gulasch
Vom Kalb zum Wiesn-Star: Ochsen fürs Oktoberfest

Auto kommt von Straße ab
Autounfall im Landkreis Dillingen an der Donau: Mutter stirbt, Tochter schwer verletzt

Messgeräte schlagen aus
Erdbeben am Bodensee: Epizentrum zwischen Radolfzell und Singen

Sturm und Gewitter
Tornado wütet über Südfrankreich – mehrere Menschen verletzt


