Über 100 Verletzte
Freizeitpark-Achterbahn fordert Hirnschäden und Tote: Dieses Fahrgeschäft "sollte nicht existieren dürfen"
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker17:30 SAT.1 Bayern
Tödlicher Unfall auf der Wiesn: Mitarbeiter von Freefall-Tower getroffen (22. September)
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Kopfüber in die Katastrophe: Die Achterbahn "X2" eines kalifornischen Freizeitparks soll laut CNN über hundert Fahrgästen Hirnverletzungen zugefügt haben, zwei weitere Personen seien infolge der Attraktion gestorben. Nun ziehen Betroffene vor Gericht.
Das Wichtigste in Kürze
In Kalifornien steht eine weltbekannte Attraktion: Die Achterbahn "X2" soll selbst hartgesonnene Freizeitpark-Fans an die Grenzen treiben.
Und das nicht ohne Grund – wie eine Recherche des US-Senders CNN ergeben hat, sollen über 100 Personen von Hirnverletzungen berichtet haben.
Der zuständige Freizeitpark "Six Flags Magic Mountain" habe sich bislang nicht zu den schweren Vorwürfen geäußert, die Achterbahn ist seit Mitte Juni allerdings dicht.
Die "X2" im Freizeitpark "Six Flags Magic Mountain": eine Achterbahn, die laut Website selbst "den hartgesottensten Adrenalinjunkie" zum Schreien bringt. Auf knapp 70 Meter Höhe schießen die Fahrgäste bei 122 Kilometern pro Stunde mit dem Gesicht voraus in die Tiefe – und das auf Sitzen, die sich über 360 Grad willkürlich quasi um sich selbst drehen.
All das habe in den letzten zwei Jahren über 100 Hirnverletzungen gefordert. Das soll eine Recherche des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN ergeben haben. Die Daten reichen von lebensverändernden Beschwerden über Betroffene, die seit Wochen im Koma liegen, bis hin zu Todesfällen.
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26-Jährige nach Achterbahnfahrt im Koma
Der Freizeitpark habe "bewusst mit dem Leben der Menschen gespielt", so der Zivilrechtsanwalt Christopher Bulone im Bericht von CNN. "Eine solche Achterbahn sollte nicht existieren dürfen." Auf einer Pressekonferenz am Dienstag (22. September) soll er die Einreichung dreier Klagen gegen die Betreiber von "Six Flags Magic Mountain" verkündet haben.
Die Vorwürfe gegen die Hauptattraktion des Parks im kalifornischen Santa Clarita wiegen schwer. Die Recherche des US-Senders will allein innerhalb des letzten Jahrzehnts zwei Todesfälle aufgedeckt haben. Zuletzt seien zwei Personen im Abstand von nur sechs Tagen nach einer Fahrt mit der "X2" in der Notaufnahme gelandet, so der Bericht.
Im Zuge der CNN-Untersuchung sollen Anwälte von insgesamt über 100 Mandant:innen gesprochen haben, die in den vergangenen zwei Jahren Hirnverletzungen in unterschiedlichen Schweregraden erlitten hätten. Hunderte weitere sollen über anderweitige Beschwerden infolge einer Fahrt mit der "X2" geklagt haben.
Als zwei der Betroffenen nennt CNN die 26-jährige Naomi Greer-Wilkinson und die 40-jährige Pamela Guillen. Beide hätten nach dem Aussteigen das Bewusstsein verloren und traumatische Hirnverletzungen erlitten. In einer CNN vorliegenden Mail heiße es, Ursache der Traumata sei ein "Ereignis mit schneller Beschleunigung und Abbremsung während der Fahrt mit der 'X2'".
Die 26-Jährige liege weiterhin im Koma. Pamela Guillen berichtete gegenüber CNN, sie habe das Sprechen und Gehen neu erlernen müssen, leide bis heute unter extremen Kopfschmerzen und sogenanntem "Brain Fog", was laut AOK unter anderem Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme beim Strukturieren von Handlungen zur Folge hat. Von diesen Symptomen habe auch Michael Wilk, Anwalt aus Los Angeles, berichtet. "Ich glaube, mir entgeht etwa die Hälfte der Gespräche, an denen ich teilnehme", so der Anwalt gegenüber CNN. Seinen Beruf könne er nicht mehr ausüben.
Auch in den News:
Expert:innen warnen seit Langem vor Gefahr der "X2"
"Six Flags Magic Mountain" selbst habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Anwälte des Freizeitparks hätten lediglich auf Schilder verwiesen, die Fahrgäste vor möglichen "inhärenten Risiken" warnten. Weiter hieß es CNN zufolge, die Achterbahn werde regelmäßig geprüft. Wer die Bahn "gemäß den Anweisungen" nutze, müsse keine traumatischen Hirnverletzungen aufgrund der physikalischen Kräfte, denen Insassen ausgesetzt seien, fürchten.
Den Angaben des Senders nach sollen Besucher:innen sowie medizinisches Fachpersonal bereits jahrelang vor den Gefahren der "X2" gewarnt haben. Laut CNN ließen die Verantwortlichen des Parks sowie staatliche Aufsichtsbehörden entgegen den Mahnungen die Attraktion weiterlaufen. Rechtsanwalt Gary Dordick, der ebenfalls Mandant:innen zu dem Fall vertrete, habe auf einer Pressekonferenz erklärt, viele der mutmaßlichen Opfer hätten ihre Verletzungen dem Park gemeldet. "Magic Mountain", so Dordick, "weiß seit Jahren um die Gefahren dieser Attraktion".
Nach eigenen Angaben der Freizeitpark-eigenen Homepage sei die "furchteinflößende" Achterbahn mittlerweile gesperrt. Laut CNN erfolgte dies wohl nur einen Tag nach dem jüngsten Unfall. Ein offizieller Grund für das zeitweilige Aus der "X2" sei bislang allerdings nicht genannt worden.
Verwendete Quellen:
CNN: "More than 100 riders now allege brain injuries from Six Flags roller coaster following CNN investigation"
Six Flags Magic Mountain: "X2 - Enter the fifth dimension for a new way to fly"
AOK: "Brain Fog: Was bei Nebel im Gehirn hilft"
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