Tier geht viral
Affenbaby mit Stofftier: Wie Punch aus Japan zum Meme wurde
Veröffentlicht:
von Jana WejkumMillionen Menschen nehmen weltweit Anteil am Schicksal eines kleinen Affenjungen namens Punch. Worin der Reiz seiner Geschichte liegt und wie es mit ihm weitergeht.
Die Bilder des kleinen Japanmakaken mit dem Namen Punch gehen derzeit auf Social Media um die Welt. Das Affenbaby lebt im Ichikawa City Zoo nahe Japans Hauptstadt Tokio. Es wurde nach der Geburt von seiner Mutter verstoßen und sucht deshalb Trost bei einem Orang-Utan-Plüschtier.
Videos zeigen, wie der kleine Punch von den anderen Affen seiner Gruppe durchs Gehege gejagt wird und dabei sein Plüschtier hinter sich her zerrt. Der Zoo hat Punch kürzlich auf der Plattform X vorgestellt. Seitdem gehen der Hashtag "#HangInTherePunch" und seine japanische Entsprechung viral.
Externer Inhalt
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.
Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.
Punch zeigt natürliches Verhalten der Makaken
Für Punch' Situation gibt es eine natürliche Erklärung: Pfleger:innen vermuten, dass seine Mutter durch die enorme Sommerhitze mit ihrer ersten Geburt überfordert war. Sie verstieß ihn vermutlich, um das eigene Überleben zu sichern.
Weil Affen sich nach der Geburt an das Fell ihrer Mutter klammern, versuchten Pfleger:innen, ihm mit zusammengerollten Handtüchern zu helfen. Doch Punch mochte einen Stoff-Orang-Utan des schwedischen Möbelhauses Ikea am liebsten.
Videos, die zeigen, dass Punch von anderen Makaken weggestoßen wird, bevor er sich trostsuchend an sein Stofftier klammert, mögen auf uns Menschen grausam wirken. Expert:innen sehen es jedoch als ganz normales Verhalten unter Makaken.
Punch steht für Einsamkeit und Trost
Die Beliebtheit des Affenbabys könnte damit zusammenhängen, dass die Memes mit Punch aktuelle Themen wie Vereinsamung und die Wichtigkeit von Trost und Geborgenheit aufgreifen. Damit können sich viele identifizieren. Ein:e User:in schreibt auf Instagram: "Wir sehen uns selbst. Die Momente, in denen wir uns klein, verängstigt und missverstanden fühlen. Die Momente, in denen wir uns an Trost, Liebe und Hoffnung klammern. Wir sehen Widerstandsfähigkeit, Neugier und den nötigen Mut, um weiterzumachen."
Trost sei nicht nur ein "Luxus", sondern "der einzige Ort, an dem sich die Welt wieder sicher anfühlt", erklärt jemand anderes. Vor allem in Punchs Heimatland Japan leidet die Bevölkerung, auch wegen rasanter Überalterung, unter Einsamkeit.
Auch in den News:
Faszination Tiergeschichten
Dass Geschichten von Tierbabys ein großes Publikum finden, ist keine Seltenheit. In Deutschland erinnert man sich immer noch an den Eisbären Knut, der 2006 im Berliner Zoo von Hand aufgezogen wurde. Das Zwergflusspferd-Baby Moo Deng aus Thailand wurde im September 2024 berühmt. Und ein einsamer Pinguin aus der Wildtier-Doku "Begegnungen am Ende der Welt" von Werner Herzog erobert mit seiner Entschlossenheit, seinen eigenen Weg zu gehen, Social Media im Sturm.
"Tiergeschichten sind einfach – man muss nicht nach dem Warum fragen, man hat eine grundlegende Sympathie, für die es keine weitere Recherche braucht", erklärt der Philosoph Kai Denker, der sich mit Meme-Forschung befasst, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Viele seien leicht als Heldengeschichten zu deuten, in denen Held, Täter und Opfer zu erkennen sind. "Die Geschichten machen es durch die Komplexitätsreduktion leicht, Empathie zu empfinden. Es ist eine Art Wohlfühlregion – das kann dann auch eine Art Eskapismus sein", sagt Denker.
Externer Inhalt
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.
Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.
Hoffnungsvolle Aussichten für Punch
Den Hype um Punch wusste der Möbelhersteller Ikea inzwischen für Werbezwecke zu nutzen. Mit positiven Nebeneffekten für den Ichikawa City Zoo: Nach Angaben des US-Mediums "Today" habe Ikea Kontakt aufgenommen, um seine Hilfe anzubieten. Am 17. Februar habe der Zoo von Ikea Stofftiere und Aufbewahrungsgegenstände bekommen.
Vieles spricht dafür, dass Punch bald ganz ohne Kuscheltier auskommt. Das Makakenjunge sucht inzwischen seltener Trost bei seiner Ersatzmama: Es findet zunehmend Anschluss zu seinen Artgenossen. Videos zeigen, wie ein anderer Affe ihn tröstet und putzt oder wie Punch mit anderen aus der Gruppe spielt. Er werde "manchmal noch ausgeschimpft", lerne aber allmählich die Regeln des Rudels,, schrieb der Zoo am 12. Februar auf X.
Ziel sei es, dass Punch in einer Gruppe lebt, erklärt Takashi Yasunaga, der für den Zoo zuständige Leiter bei der Stadtverwaltung von Ichikawa, der dpa in Tokio. "Ich glaube, er ist auf dem besten Weg dorthin."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Today: "Punch the Monkey Has Captured Hearts Around the World. Here’s Why"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Bis zu 23 Grad
Temperaturrekord erwartet: So wird das Wetter zum Wochenende

In Wildnis verirrt
Auf Tasmanien verschwunden: Vermisste Backpackerin identifiziert

ARD-Talk
Iris Berben kritisiert bei Maischberger "brachialen" Diskurs der Wokeness-Bewegung

Vorfall mit der "Charles de Gaulle"
Russen-Drohne fliegt auf Frankreichs Flugzeugträger zu

Tiefe Gräben bei MAGA-Bewegung
Zoff im Trump-Lager: Konservative Influencerin attackiert Kirk-Witwe

Grenzgebiet zu Mexiko
Kommunikationsprobleme: US-Militär holt eigene Drohne vom Himmel

