Meist unnötig
Öko-Test warnt: Zink-Vitamin-C-Präparate enttäuschen im Test
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Zink und Vitamin C gelten als beliebtes Duo gegen Erkältungen. Doch der aktuelle Öko-Test von 21 Präparaten zeichnet ein anderes Bild: Der Nutzen für gesunde Menschen ist gering.
Das Wichtigste in Kürze
Viele Menschen setzen in der Schnupfenzeit auf Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C.
Eine Untersuchung von Öko-Test zeigt nun, warum das Vertrauen in die kleinen Helfer überzogen sein könnte.
Die Wirkung ist begrenzt, die Dosierung oft problematisch.
Wenn die Erkältungszeit beginnt, greifen viele Menschen zu Kombipräparaten mit Zink und Vitamin C. Sie sollen das Immunsystem stärken und Beschwerden möglichst fernhalten. Ein aktueller Test von Öko-Test dämpft diese Hoffnung jedoch deutlich: Von 21 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln erhielt kein Produkt die Note "gut" oder besser. Als bestes Ergebnis gab es lediglich ein "befriedigend", während drei Viertel der Mittel mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durchfielen.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Kapseln, Lutsch- und Brausetabletten aus Drogerien, Supermärkten, Apotheken und Online-Shops. Bewertet wurden unter anderem der wissenschaftlich belegte Nutzen für gesunde Erwachsene, die gemessenen Mengen an Vitamin C und Zink, weitere Inhaltsstoffe sowie Kennzeichnung und Verpackung. Besonders auffällig war die Dosierung: Nur vier der 21 Präparate blieben innerhalb der Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung. 17 Produkte lagen darüber.
Auf die richtige Dosierung achten
Das gilt vor allem für Vitamin C. Das BfR empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 Milligramm pro Tag aufzunehmen. Die getesteten Produkte enthielten zwischen 12 und 1.000 Milligramm. Zwar gibt es Hinweise, dass eine regelmäßige Einnahme die Dauer einer Erkältung leicht verkürzen kann – die dafür in Studien eingesetzten Mengen liegen jedoch teils deutlich über der BfR-Empfehlung. Bei mehr als 2.000 Milligramm täglich drohen unter anderem Durchfall und andere Verdauungsprobleme.
Auch Zink ist kein pauschaler Erkältungsschutz. Studien deuten zwar auf eine geringfügige Verkürzung der Krankheitsdauer hin, eindeutige Empfehlungen lassen sich daraus laut Öko-Test aber nicht ableiten. Das BfR empfiehlt maximal 6,5 Milligramm Zink pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln; 11 der 21 getesteten Produkte überschritten diesen Wert. Eine dauerhaft sehr hohe Zufuhr von mehr als 25 Milligramm kann zudem einen Kupfermangel verursachen und dadurch die Blutbildung beeinträchtigen.
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Präparate bei ausgewogener Ernährung meist unnötig
Für gesunde Menschen ist eine zusätzliche Einnahme meist nicht nötig. Vitamin C lässt sich problemlos über Paprika, Orangensaft, Brokkoli, Tomaten oder Kartoffeln aufnehmen. Zink liefern unter anderem Fleisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Für Vegetarier und Veganer kann die Versorgung schwieriger sein, weil sogenannte Phytate aus pflanzlichen Lebensmitteln die Zinkaufnahme hemmen.
Einweichen, Keimen, Fermentieren oder Sauerteig kann helfen. Bei einem nachgewiesenen Mangel oder besonderen Lebenssituationen sollte eine Ergänzung jedoch ärztlich abgestimmt werden. Zusätzlich kritisierte Öko-Test bei zehn Produkten problematische Zusatzstoffe – darunter in fünf Fällen Talkum, das auf EU-Ebene als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft werden könnte.
Verwendete Quellen:
Öko-Test: Vitamin C und Zink als Immunbooster? So empfehlenswert sind die Präparate wirklich
Nachrichtenagentur dpa
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