Früherer SPD-Chef
"Wird schon jemand geben": Sigmar Gabriel blockt Lanz-Fragen zur Bas-Nachfolge ab
Aktualisiert:
von Natascha Wittmann:newstime
"Teil der Vergiftung": Lanz attackiert Klingbeil
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" wurde nach dem Rücktritt von Bärbel Bas die Suche nach einer Nachfolge für den SPD-Vorsitz zur heiklen Personalfrage. Als Manuela Schwesig als potenzielle Kandidatin genannt wurde, bremste Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel jedoch sofort und ging bei konkreten Namen auffällig auf Distanz.
Der Rückzug von Bärbel Bas sorgt in Berlin weiter für Unruhe. Am 12. Oktober legte die SPD-Politikerin überraschend sowohl den Co-Parteivorsitz als auch ihr Amt als Bundesarbeitsministerin nieder. Als Gründe nannte sie den Tod ihrer Stieftochter sowie Angriffe, die sie nach eigener Darstellung auch aus den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU erlebt habe. Schnell ging es deshalb nicht mehr nur um Personalien, sondern um die Frage, wie vergiftet das Klima in der schwarz-roten Regierung inzwischen ist.
Auch bei "Markus Lanz" am Dienstagabend (13. Oktober) wurde der Rücktritt zum großen Thema. Gleich zu Beginn fand der ZDF-Moderator drastische Worte: "Es ist die politische Mitte, die sich hier gerade zerlegt." Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte derweil Verständnis für Bas' Schritt und verwies auf den Druck, der heute auf Politikerinnen und Politikern laste, gerade auch durch Social Media. Seine Einschätzung: "Das, was da heute los ist, dass man das persönlich manchmal nur schwer ertragen kann, das kann ich schon nachvollziehen."
Sigmar Gabriel offenbarte bei "Markus Lanz", warum er Manuela Schwesig nicht für die nächste SPD-Vorsitzende hält.
Bild: ZDF / Markus Hertrich
Gabriel habe deshalb "Respekt vor der Entscheidung". Er betonte: "Es tut mir leid, dass sie das macht. Es tut mir auch leid, dass das Klima so ist, dass es jemanden aus so einem Amt vergrault. Aber am Ende des Tages muss man so eine Entscheidung respektieren." Damit war die Diskussion über den Umgangston in der Koalition eröffnet. Gabriel räumte ein, dass die Auseinandersetzungen zwischen Union und SPD deutlich härter geführt würden als früher: "Natürlich ist es so, dass in der jetzigen Koalition mit relativ harten Bandagen gearbeitet wird. Das gilt für beide Seiten."
Er warnte dabei vor dem Schaden, den dies in der Öffentlichkeit anrichte: "Beide Seiten in der Koalition müssen sich eigentlich fragen, ob das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben, irgendeine Chance hat, dass Menschen die noch verstehen oder ob das immer nur der AfD hilft. Und ich glaube, Letzteres ist der Fall." Lanz erklärte daraufhin: "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie das so in der Deutlichkeit sagen."
Sigmar Gabriel: "Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird"
Sigmar Gabriel blieb dabei: Immer neue Spitzen gegeneinander und eine weitere "Eskalation solcher Auseinandersetzungen" helfen am Ende "weder der SPD noch der CDU/CSU". Seine Diagnose: "Mein Eindruck ist, dass sich beide nichts schenken und dass bei beiden ein Grund wäre, darüber nachzudenken, wie man zu einem geordneten Verhältnis zurückkommt."
Später nahm der Ex-SPD-Chef auch Friedrich Merz teilweise in Schutz und beschrieb eine Grundstimmung, in der der Kanzler kaum gewinnen könne: "Wenn der morgen übers Wasser laufen kann, dann sagen die Leute: Der kann nicht schwimmen." Als Lanz wissen wollte, ob Merz der richtige Kanzler sei, antwortete Gabriel nachdenklich: "Ich finde: Ja. Er ist dafür gewählt, er muss vier Jahre lang das durchhalten."
Lanz blieb hartnäckig: "Das ist ja nicht die Antwort auf die Frage. Ist er der richtige Mann an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit?" Gabriel blieb jedoch stur: "Wenn man gewählt ist, ist man der Richtige. Alles andere ist ja Unsinn." Gleichzeitig müsse die SPD laut Gabriel "ein Interesse daran haben", "dass Merz Erfolg hat, weil nur dann wird sie selbst Erfolg haben". Lanz stimmte zu und warnte, dass die Koalition am eigenen Ast säge: "Die ziehen sich gegenseitig in den Abgrund." Gabriel nickte: "Das sehe ich auch so. Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird." Lanz war überzeugt: "Das ist der Satz, der jetzt hängen bleibt."
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Sigmar Gabriel schießt in Richtung Lanz: "Dazu kriegen Sie mich hier nicht"
Zum Schluss ging es um die offene Führungsfrage bei den Sozialdemokraten. Journalistin Eva Quadbeck brachte Manuela Schwesig als mögliche neue Parteivorsitzende ins Spiel: "Das wäre dann in dem Fall in der Regierung für Herrn Merz Höchststrafe." Sigmar Gabriel konterte derweil trocken: "Es wäre erst mal für Manuela Schwesig eine Höchststrafe." Weiter erklärte Gabriel: "Dieser Spagat - Ministerpräsident in einem Bundesland zu sein und gleichzeitig in einer Regierungskoalition in Berlin eine tragende Rolle zu spielen. Ich weiß nicht, ob das schon mal einer geschafft hat." Man könne Schwesig "das eigentlich nicht empfehlen".
Zu Alternativen hielt sich Gabriel jedoch bedeckt: "Es wird schon jemand geben, der das macht." Als Lanz weiterbohrte, machte der Ex-Vizekanzler dicht: "Ich führe hier bestimmt keine Debatte darüber, wer der nächste SPD-Vorsitzende werden soll!" Lanz versuchte es erneut: "Haben Sie jemanden im Kopf?" Daraufhin entgegnete Gabriel: "Dazu kriegen Sie mich hier nicht! Das ist auch nicht mehr meine Angelegenheit, sich da einzumischen."
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