Streit nach Bas-Rücktritt

"Es geht nicht um Schulnoten": Lanz lockt Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt aus der Reserve

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

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Personal-Poker nach Bas-Rücktritt bei der SPD

Videoclip • 01:27 Min • Ab 12


Bei "Markus Lanz" diskutierte der ZDF-Moderator über den Rücktritt von Bärbel Bas: Lanz kritisierte die scharfe SPD-Rhetorik und wollte wissen, wer dafür Verantwortung trage. Als Wolfgang Schmidt ausweichen wollte, blockte Lanz jedoch ab: "Es geht nicht um Schulnoten!"

Der Rücktritt von Bärbel Bas sorgt weiter für Wirbel. Am 12. Oktober gab die SPD-Politikerin überraschend gleich zwei Posten ab: das Amt der Bundesarbeitsministerin und den Co-Vorsitz ihrer Partei. Bas begründete den Schritt damit, dass sie nach einem familiären Trauerfall weiterhin politischen Attacken ausgesetzt gewesen sei. In Berlin entfachte das eine neue Debatte darüber, wie scharf der Ton in der Politik inzwischen geworden ist. Genau darüber wurde am Mittwochabend (14. Oktober) auch bei "Markus Lanz" gesprochen. Im Mittelpunkt stand vor allem, wie die SPD den Abgang von Bas öffentlich kommentiert, und ob manche Formulierungen die Lage zusätzlich anheizen.

Lanz störte sich besonders an einer Wortwahl, die nach Bas' Rückzug kursierte. Er sprach von einer sogenannten "Jägersprache" und verwies darauf, dass Bas als "waidwund geschossen" bezeichnet worden sei. Seine Reaktion fiel deutlich aus: "Da gab es viel Kritik. (...) Mag sein, aber das ist Politik, meine Güte!" Im Studio saß unter anderem SPD-Mann und Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt. Er gab Lanz teilweise recht, machte aber auch klar: "Trotzdem gehen Menschen damit unterschiedlich um." Schmidt räumte dennoch ein, dass er "die Reaktion im Anschluss auch nicht immer nur glücklich" fand. Eine indirekte Kritik an der eigenen Parteiführung? Lanz fragte: "Also Schwesig und Klingbeil haben da übertrieben?"

Markus Lanz (l.) und Wolfgang Schmidt gerieten am Mittwochabend aneinander, als es um den harschen Ton der SPD nach dem Rücktritt von Bärbel Bas ging.

Bild: ZDF / Markus Hertrich


SPD-Politiker Wolfgang Schmidt plädiert für "ein bisschen Entspannung"

Schmidt wich aus und wollte sich nicht auf konkrete Kritikpunkte für einzelne Aussagen festlegen: "Wenn man nicht mehr dabei ist, hinterher so Schulnoten zu verteilen ..." Doch Lanz unterbrach ihn prompt: "Es geht nicht um Schulnoten!", erklärte der Moderator: "Es geht ja da um etwas Größeres." Aus Sicht des Moderators wirkte der Schlagabtausch nach dem Rücktritt von Bas wie eine gezielte Zuspitzung gegen den Koalitionspartner.

Er sprach von massiven Angriffen auf die Union und zwar "in einer Situation, in der das Land in einer Verfassung ist, dass der Kanzler selbst sagt: 'Da geht gerade die demokratische Mitte kaputt'". Schmidt blieb danach zwar zurückhaltend, machte aber einen Punkt deutlich: Dauer-Eskalation bringe niemanden weiter. Sein Appell: "Lasst uns ein bisschen Entspannung wieder in die Veranstaltung bringen. Lasst uns nicht jeden Streit (...) zu so einer Machtfrage und einer Charakterfrage machen."

Auch in den News:

US-Journalist Evan Gershkovich über Haftentlassung: "So als käme man direkt von der ISS zurück"

Neben der hitzigen Innenpolitik gab es bei "Markus Lanz" auch einen nachdenklichen Moment mit Blick nach Russland, als US-Journalist Evan Gershkovich von seiner Haft berichtete. Er saß 16 Monate im Gefängnis, nachdem er am 29. März 2023 in Jekaterinburg wegen angeblicher Spionage festgenommen worden war. Frei kam er am 1. August 2024 durch einen Gefangenenaustausch. Auf Lanz' Frage nach den Bedingungen vor Ort sagte Gershkovich: "Man wird in gutem Zustand gehalten, weil man eben einen gewissen Wert hat."

Der Journalist erklärte außerdem, dass er "das Ganze wie eine Reportage behandelt" und "viele Informationen gesammelt" habe. Und wie fühlt sich die Rückkehr ins normale Leben an? Lanz wollte es genau wissen: "Geht das dann einfach so zurück in ein ganz normales Leben?" Gershkovich antwortete ehrlich: "Man ist einfach völlig überwältigt", sagte er, "so als käme man direkt von der ISS zurück." Im Gefängnis sei er "komplett isoliert von den ganzen Sinneseindrücken draußen in der Welt" gewesen. Das müsse man erst verarbeiten, dann erst könne man weitermachen und "sich ins normale Leben wieder" eingliedern.


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