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Königshaus Norwegen: Alles über Haakon, Mette-Marit, Thronfolge und Skandale
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Norwegische Royals am Ende? (3. Februar)
Videoclip • 04:25 Min • Ab 12
Für Norwegens Königshaus beginnt unter König Haakon VIII. ein neues Kapitel. Doch Skandale und Kontroversen belasten die Monarchie. Wer gehört zur Königsfamilie und wie läuft die Thronfolge ab?
Das Wichtigste in Kürze
Norwegen ist eine konstitutionelle Monarchie mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte.
Seit dem Tod seines Vaters Harald V. am 28. August 2026 ist Haakon VIII. König von Norwegen. Königin Mette-Marit ist schwer lungenkrank.
Kronprinzessin Ingrid Alexandra steht an erster Stelle der Thronfolge. Ihr Bruder Sverre Magnus folgt auf Platz zwei.
Was zeichnet die norwegische Monarchie aus?
Die norwegische Monarchie blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück: Ihre Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert. Das heutige Königshaus entstand 1905, als Norwegen von Schweden unabhängig wurde.
Norwegen ist eine konstitutionelle Monarchie und zugleich eine parlamentarische Demokratie. Der König ist das Staatsoberhaupt, hat aber überwiegend repräsentative und zeremonielle Aufgaben. Die politische Macht liegt bei den demokratisch gewählten Institutionen.
Seit dem Tod von König Harald V. am 28. August 2026 steht sein Sohn Haakon VIII. an der Spitze des Königshauses.
Trotz regelmäßiger Diskussionen über die Zukunft des Königshauses hält Norwegen an der Monarchie fest. Im Februar 2026 lehnte das Parlament ihre Abschaffung mit deutlicher Mehrheit ab.
Wer gehört zum norwegischen Königshaus?
An der Spitze des norwegischen Königshauses stehen seit dem 28. August 2026 König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit. Zum engeren Königshaus gehört außerdem ihre Tochter, Kronprinzessin Ingrid Alexandra. Die weitere Königsfamilie umfasst auch Angehörige, die keine offiziellen Aufgaben für die Monarchie übernehmen.
Die wichtigsten Mitglieder im Überblick:
König Haakon VIII.: Folgte nach dem Tod seines Vaters Harald V. auf den Thron, geboren am 20. Juli 1973.
Königin Mette-Marit: Ist seit 2001 mit Haakon verheiratet und seit dessen Thronbesteigung Königin von Norwegen, geboren am 19. August 1973.
Kronprinzessin Ingrid Alexandra: Die Tochter des Königspaares ist die Thronfolgerin, geboren am 21. Januar 2004.
Prinz Sverre Magnus: Der Sohn des Königspaares steht an zweiter Stelle der Thronfolge, geboren am 3. Dezember 2005.
Königin Sonja: Die Witwe von König Harald V. gehört seit dessen Tod im August 2026 nicht mehr zum engeren Königshaus. Ihren Titel als Königin behält sie und übernimmt weiterhin repräsentative Aufgaben. Geboren ist Sonja am 4. Juli 1937.
Prinzessin Märtha Louise: Die ältere Schwester des Königs hat keine offiziellen Aufgaben mehr. Geboren ist sie am 22. September 1971.
Marius Borg Høiby: Der Sohn von Mette-Marit aus einer früheren Beziehung besitzt keinen royalen Titel und steht nicht in der Thronfolge. Geboren ist er am 13. Januar 1997.
Die Mitglieder der norwegischen Königsfamilie winken am Tag der Beerdigung des bisherigen Königs Harald V. vom Balkon (von links): Königin Mette-Marit, König Haakon VIII., Königin Sonja, die Witwe von Harald V., Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus.
Bild: picture alliance / Royal Press Europe
Wer sind der neue König und die Königin von Norwegen?
35 Jahre lang war Harald V. König von Norwegen. Nach seinem Tod ging die Krone automatisch auf seinen Sohn Haakon über. Der neue König legte am 1. September 2026 vor dem Parlament in Oslo seinen Eid auf die Verfassung ab. Eine Krönung gibt es in Norwegen seit 1908 nicht mehr. Wie seine Vorgänger wählte Haakon VIII. den Leitspruch "Alles für Norwegen".
Haakon wurde am 20. Juli 1973 in Oslo geboren. Er absolvierte eine militärische Ausbildung bei der Marine und studierte unter anderem Politikwissenschaften in den USA sowie Entwicklungsstudien in London. Schon als Kronprinz vertrat er Norwegen bei Staatsbesuchen und engagierte sich für soziale und internationale Themen.
Seine Frau Mette-Marit stammt aus Kristiansand im Süden Norwegens. Ihre Hochzeit mit Haakon im August 2001 sorgte für Aufsehen: Die Bürgerliche war alleinerziehende Mutter, zudem wurde ihre Vergangenheit in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert. Später engagierte sie sich unter anderem für Gesundheit, Bildung und Literatur.
Seit 2018 leidet Mette-Marit an einer unheilbaren Lungenfibrose. Bei der Erkrankung vernarbt das Lungengewebe zunehmend, was das Atmen erschwert. Nachdem sich ihr Zustand stark verschlechtert hatte, erhielt sie im Juni 2026 eine Spenderlunge. Wegen Komplikationen nach der Transplantation fehlte sie beim Amtsantritt ihres Mannes. An Haakons Seite stand stattdessen die gemeinsame Tochter Ingrid Alexandra.
Warum steckt das norwegische Königshaus in einer Krise?
Mehrere Skandale haben das norwegische Königshaus in den vergangenen Jahren unter Druck gesetzt. Besonders drei Fälle sorgten für Schlagzeilen:
Vergewaltigungen und häusliche Gewalt: Marius Borg Høiby, der Sohn von Königin Mette-Marit, wurde im Juni 2026 unter anderem wegen zweifacher Vergewaltigung, häuslicher Gewalt und Drogendelikten zu vier Jahren Haft verurteilt. In zwei weiteren Vergewaltigungsfällen wurde er freigesprochen. Gegen Teile des Urteils legte Høiby Berufung ein.
Kontakte zu Jeffrey Epstein: Veröffentlichte Dokumente zeigen, dass Mette-Marit zwischen 2011 und 2014 engen, freundschaftlichen Kontakt zu dem später verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte – auch nachdem dieser 2008 wegen Sexualdelikten an einer Minderjährigen verurteilt worden war. 2013 übernachtete sie sogar mehrere Tage in seinem Haus in Florida. In den Epstein-Akten taucht sie über tausendmal auf. Mette-Marit entschuldigte sich öffentlich und erklärte, Epstein habe sie manipuliert und getäuscht. Strafrechtliche Vorwürfe gegen sie gibt es nicht.
Kommerzielle Nutzung des Prinzessinnentitels: Prinzessin Märtha Louise darf ihren Titel eigentlich nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Kritiker:innen werfen ihr jedoch vor, das nicht immer einzuhalten. Als die Schwester des heutigen Königs 2024 den selbsternannten US-Schamanen Durek Verrett heiratete, vermarkteten die beiden ihre Verbindung zum Königshaus. Unter anderem kam ein Gin mit ihrem Titel auf den Markt. 2025 erschien zudem eine Netflix-Doku über das Paar und seine Hochzeit, die Märtha Louise Ärger mit dem Königshaus einbrachte.
Trotz der Skandale steht die Mehrheit der Norweger:innen weiterhin hinter der Monarchie. Bei einer Umfrage für die Zeitung "Verdens Gang" (VG) im September 2026 sprachen sich 78 Prozent dafür aus, sie beizubehalten. Allerdings hatten 88 Prozent der Befragten großes Vertrauen in König Haakon VIII., aber nur 41 Prozent in Königin Mette-Marit.
Wie ist die Thronfolge in Norwegen geregelt?
Die Thronfolge in Norwegen ist in der Verfassung geregelt. Seit einer Anpassung von 1990 haben männliche und weibliche Nachkommen die gleichen Rechte. Entscheidend ist die Reihenfolge der Geburt.
Allerdings gilt die Regelung nicht rückwirkend: Deshalb behielt Haakon den Vorrang vor seiner zwei Jahre älteren Schwester Märtha Louise, die nach den heutigen Regeln Königin geworden wäre.
Nach Haakon steht seine Tochter Kronprinzessin Ingrid Alexandra an erster Stelle der Thronfolge. Sie könnte damit eines Tages als erste Frau seit mehr als 600 Jahren aus eigenem Recht den norwegischen Thron besteigen. Ihr jüngerer Bruder Prinz Sverre Magnus folgt auf Platz zwei, Märtha Louise auf Platz drei.
Welche Aufgaben hat das norwegische Königshaus?
Das norwegische Königshaus vertritt das Land im In- und Ausland. König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit empfangen Staatsgäste, reisen zu offiziellen Besuchen ins Ausland und nehmen an wichtigen nationalen Veranstaltungen teil. Die Royals besuchen außerdem soziale Einrichtungen, unterstützen gemeinnützige Organisationen und engagieren sich für gesellschaftliche Anliegen.
Wegen ihrer schweren Erkrankung wird Mette-Marit allerdings voraussichtlich bis zum Sommer 2027 keine offiziellen Termine wahrnehmen. In dieser Zeit übernimmt Königin Sonja repräsentative Aufgaben.
Der König hat zudem verfassungsmäßige Aufgaben. So eröffnet er jedes Jahr das Parlament, das sogenannte Storting, und ernennt formal die Regierung. Er leitet die Sitzungen des Staatsrats, bei denen Gesetze und wichtige Regierungsentscheidungen offiziell bestätigt werden.
Politische Entscheidungen trifft der König jedoch nicht eigenständig. Er handelt nach den Vorgaben der Verfassung und folgt bei der Regierungsbildung den parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen. Die tatsächliche politische Macht liegt bei Parlament und Regierung.
Wie begann die Geschichte der norwegischen Monarchie?
Als erster König Norwegens gilt Harald Schönhaar, der im 9. Jahrhundert mehrere kleinere Königreiche unter seiner Herrschaft vereinte. In den folgenden Jahrhunderten herrschten verschiedene Könige über Norwegen, bis das Land 1380 durch eine dynastische Verbindung mit Dänemark vereinigt wurde. Ab 1536 stand Norwegen unter dänischer Herrschaft.
Nach den Napoleonischen Kriegen wurde Norwegen 1814 von Dänemark getrennt und sollte an Schweden fallen. Die Norweger erklärten zunächst ihre Unabhängigkeit und verabschiedeten eine eigene Verfassung. Doch am Ende mussten sie eine Union mit Schweden akzeptieren. Norwegen behielt sein Parlament und weitgehende Selbstverwaltung, teilte sich aber den König mit Schweden.
Wie entstand das norwegische Königshaus?
Als Norwegen 1905 seine Union mit Schweden auflöste, brauchte das Land ein neues Staatsoberhaupt. Ein geeigneter norwegischer Kandidat stand nicht zur Verfügung, daher fiel die Wahl auf den dänischen Prinzen Carl.
Der Sohn des späteren dänischen Königs Frederik VIII. war mit der britischen Prinzessin Maud verheiratet, einer Tochter von König Edward VII. Die engen Verbindungen zu europäischen Königshäusern galten als vorteilhaft. Zudem hatte das Paar schon einen Sohn und damit einen Thronfolger.
Carl bestand darauf, dass die Bevölkerung ein Mitspracherecht über die norwegische Monarchie hatte. Bei einer Volksabstimmung im November 1905 sprachen sich knapp 79 Prozent der damals ausschließlich männlichen Wahlberechtigten dafür aus, ihm den Thron anzubieten. Anschließend nahm er den Namen Haakon VII. an, sein Sohn Alexander wurde zu Olav. Damit knüpfte die Familie an die Tradition der mittelalterlichen norwegischen Könige an.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Haakon VII. zu einer Symbolfigur des Widerstands gegen die deutsche Besatzung. Als die Nationalsozialisten 1940 eine von ihnen unterstützte Regierung durchsetzen wollten, verweigerte er die Anerkennung und ging mit der norwegischen Regierung ins Exil nach Großbritannien. Erst nach Kriegsende kehrte er 1945 zurück.
Nach seinem Tod 1957 wurde Sohn Olav V. König. Der Monarch war für seine Bodenständigkeit bekannt und wurde daher "Volkskönig" genannt. 1991 bestieg sein Sohn Harald V. den Thron. Seit August 2026 steht mit Haakon VIII. die vierte Generation der 1905 begründeten Dynastie an der Spitze Norwegens.
Wie finanziert sich das norwegische Königshaus?
Das norwegische Königshaus wird überwiegend aus Steuergeldern finanziert. Wie viel Geld es bekommt, entscheidet das Parlament jedes Jahr. Für 2026 wurden rund 307,7 Millionen norwegische Kronen (etwa 29,4 Millionen Euro) bewilligt. Davon flossen rund 278 Millionen Kronen (26,6 Millionen Euro) in den Betrieb des Königshofs, beispielsweise für Personal, offizielle Veranstaltungen und die Unterhaltung der Gebäude.
Die Königsfamilie erhält außerdem eine Apanage für persönliche Ausgaben und den Unterhalt privater Immobilien. Dafür waren 2026 insgesamt rund 29,7 Millionen Kronen (2,8 Millionen Euro) vorgesehen.
FAQ: Königshaus Norwegen
Die wichtigste Residenz ist das Königliche Schloss in Oslo. Es dient als Wohn- und Amtssitz des Königs und wird für offizielle Empfänge genutzt. Haakon und Mette-Marit lebten vor dem Thronwechsel auf dem Anwesen Skaugum in Asker, rund 20 Kilometer südwestlich von Oslo.
Marius Borg Høiby ist der Sohn von Königin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung und der Stiefsohn von König Haakon VIII. Er wurde von Haakon nicht adoptiert und stammt nicht von einem norwegischen Monarchen ab. Deshalb ist er nicht thronfolgeberechtigt.
Ja, Kronprinzessin Ingrid Alexandra steht an erster Stelle der norwegischen Thronfolge. Die Tochter von König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit wird ihrem Vater nach den geltenden Regeln eines Tages auf den Thron folgen. Sie wäre damit die erste regierende Königin Norwegens seit mehr als 600 Jahren.
Verwendete Quellen:
The Royal House of Norway (Webseite des norwegischen Königshauses)
Newstime: "Epstein-Skandal: Norweger wollen Mette-Marit nicht als Königin"
Newstime: "König Harald V. ist tot: Haakon übernimmt den Thron in schwierigen Zeiten für Norwegen"
Governement Norway: "What happens when a monarch passes away?"
Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Neue Rolle: Königin Sonja gehört nicht mehr zum norwegischen Königshaus"
Bild: "Märtha Louise und ihr Sex-Schamane verklagen Freunde auf Mega-Summe"
Reuters: "Norway parliament supports monarchy despite scandals"
VG: "Ny måling: Ni av ti har tillit til dronning Sonja"
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