Balten-Airline in Not
Auch Lufthansa beteiligt: Air Baltic flüchtet in Insolvenz
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Mehr Großinsolvenzen in Deutschland
Videoclip • 01:12 Min • Ab 12
Corona-Krise und Russlands Krieg gegen die Ukraine brachten die Air Baltic in finanzielle Schwierigkeiten. Jetzt hat sich die größte baltische Airline zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen.
Das Wichtigste in Kürze
Air Baltic hat in den USA Gläubigerschutz beantragt.
Die lettische Fluggesellschaft will den Betrieb aber aufrechterhalten.
Auch die Lufthansa ist an der größten baltischen Airline beteiligt.
Air Baltic beantragt Gläubigerschutz in den USA
Die Air Baltic fliegt in Deutschland die fünf größten Flughäfen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München an. Seit vergangenem Jahr ist auch die Lufthansa mit zehn Prozent an der lettischen Fluggesellschaft beteiligt. Doch die Airline ist schon länger in finanzieller Not und hat nun in den USA Gläubigerschutz beantragt.
Das Unternehmen habe freiwillig einen Antrag nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts bei einem Gericht in New York gestellt, teilte die mehrheitlich staatliche Fluglinie in Riga mit. Der Flugbetrieb sowie alle Dienstleistungen für Kunden liefen uneingeschränkt weiter. "Wir fliegen, verkaufen Tickets und planen unseren zukünftigen Flugplan", sagte Unternehmenschef Erno Hildén auf auf einer Pressekonferenz in Riga.
Auch in den News:
Für Air-Baltic-Passagiere soll sich nichts ändern
"Wir werden den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortführen", betonte Hildén weiter. "Unser Ziel ist es, unsere Schulden grundlegend zu restrukturieren und mit unseren Vertragspartnern eine Einigung über diese Verpflichtungen zu erzielen." Angesichts der internationalen Ziele und Vertragspartner habe man sich dazu für ein Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts entschieden. Der US-Gläubigerschutz ist durch niedrige rechtliche Hürden auch für Unternehmen außerhalb der USA zugänglich.
Man habe die verfügbaren Optionen sorgfältig geprüft, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Andrejs Martinovs. Das Verfahren biete unter gerichtlicher Aufsicht und mit Schutz vor Gläubigerforderungen einen klaren Rahmen für Vereinbarungen mit Gläubigern wie Flugzeug-Leasinggebern. "Die zentrale Priorität ist, weiterzufliegen und die Anbindung Lettlands aufrechtzuerhalten", erklärte Martinovs. Ziel sei es, den Prozess mit einer finanziell gestärkten AirBaltic und einer deutlich reduzierten Schuldenlast abzuschließen.
Zusammen mit der Einleitung des Gläubigerschutzverfahrens erhielt Air Baltic von Kreditgebern die verbindliche Zusage, 350 Millionen Euro an neuen Finanzmitteln zu einem Zinssatz von 12 Prozent bereitzustellen. Damit sollen die Liquidität und der laufende Betrieb des Unternehmens gesichert werden, teilten die Fluggesellschaft und die Staatskanzlei in Riga mit. Air Baltic geht den Angaben zufolge davon aus, das Verfahren bis etwa Juni 2027 abzuschließen.
Corona und Ukraine-Krieg brachten Airline in Schwierigkeiten
Die Air Baltic sitzt in Riga und ist die größte Fluggesellschaft in den baltischen Staaten. Sie fliegt von ihrem Drehkreuz Riga zu mehr als 70 Zielen, bietet aber weder Flüge in die USA noch innerhalb der Staaten an. Größter Anteilseigner ist mit mehr als 88 Prozent der lettische Staat.
Auch Lettlands Ministerpräsident Andris Kulbergs unterstützte den Rettungsversuch. "Ich betrachte diese Lösung als eine der besten Möglichkeiten, die Überlebensfähigkeit von Air Baltic sicherzustellen, da sie die notwendigen Instrumente und Zeit bietet, um den entwickelten Restrukturierungsplan umzusetzen", teilte er mit. Das Unternehmen beginne damit die seit Jahren aufgeschobene Bereinigung seiner Schulden und Verbindlichkeiten.
Lettlands Regierung musste mit Kapitalerhöhungen wiederholt das Überleben des Unternehmens sichern, das durch Folgen der Corona-Pandemie und durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine in finanzielle Schieflage geraten war. Der seit längerem geplante Börsengang wurde mehrmals verschoben.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur Reuters
Nachrichtenagentur dpa
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