7, 10 oder 20 Prozent?
Trinkgeld per Karte: Verbraucherschützer monieren "Designtricks"
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Trinkgeld per Karte: Achtung vor Tricks
Videoclip • 01:04 Min • Ab 12
Trinkgeldgeben geht nicht nur bar. Verbraucherschützer:innen kritisieren jedoch "Designtricks" bei digitalen Optionen.
Das Wichtigste in Kürze:
Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert die Trinkgeldoptionen an Kartenlesegeräten
Er setzt sich für ein Verbot "manipulativer Designtricks" auf europäischer Ebene ein.
Die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger Trinkgeld zu geben, sei oft weniger sichtbar.
Der Kellner war nett, der Service war super: Beim Restaurantbesuch geben viele gerne ein kleines oder auch größeres Trinkgeld. Dafür reicht mittlerweile oft ein Klick auf dem Kartenterminal. Doch das versetzt so manchen in Stress.
Denn Lesegeräte zeigen häufig eine Vorauswahl an Optionen an: 7 Prozent oder 10 Prozent oder sogar 20 Prozent? Da schnell etwas anzutippen, setzt viele Gäste unter Druck – wer ist schon so gut in Prozentrechnung? Verbraucherschützer:innen warnen auch vor einer unterschwelligen Beeinflussung.
Wo tippt man "Kein Trinkgeld" an?
Der Verbraucherzentrale Bundesverband setzt sich daher nun für ein Verbot "manipulativer Designtricks" auf europäischer Ebene ein.
Die Chefin des Verbands, Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Bei der Kartenzahlung liegen sie vor, wenn die Option, kein Trinkgeld zu geben, versteckt oder schlechter sichtbar ist." Es müsse auf den ersten Blick erkennbar sein, wie Gäste Trinkgeld ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können. Doch oft sind die voreingestellten Prozent-Vorschläge auf den Displays größer oder farblich auffälliger dargestellt als andere Auswahlmöglichkeiten, wie "freie Eingabe" oder "Kein Trinkgeld".
"Viele Menschen geben gerne und freiwillig Trinkgeld, um guten Service wertzuschätzen", sagte Pop. Problematisch werde es, wenn Gäste gedrängt oder sogar manipuliert würden. Niemand sei verpflichtet, Trinkgeld zu geben.
Auch in den News:
Viele fühlen sich gedrängt
Eine Umfrage des Verbands zeigt, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten durch auffälliger dargestellte Prozent-Optionen zum Trinkgeldgeben gedrängt fühlt – voll und ganz stimmten 36 Prozent zu, eher stimmten 16 Prozent zu. Tendenziell nicht dazu gedrängt sehen sich 42 Prozent. Drei Viertel befürworten demnach, dass die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger Trinkgeld zu geben, ebenso sichtbar und leicht auswählbar sein sollte wie vorgeschlagene Beträge.
An den digitalen Trinkgeldfunktionen führt aber künftig kaum ein Weg vorbei, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Guido Zeitler. Für viele Kellner:innen seien sie auch durchaus hilfreich, weil immer mehr Gäste mit Karte zahlen und sonst teilweise gar kein Trinkgeld geben würden.
Bei der Art und Weise der Umsetzung legt die Gewerkschaft aber auch Wert auf Transparenz und darauf, dass es kein subtiles Drängen gibt. Auch bei digitaler Bezahlung müsse es eine freiwillige Entscheidung der Gäste bleiben.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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