Massive Kritik
"Sabotage am Binnenmarkt": Handelsverband wirft Bundesregierung Nichtstun bei Shein und Temu vor
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von dpaDas Portal Shein war zuletzt in Frankreich in den Schlagzeilen. (Symbolbild)
Bild: Julien Mattia/Le Pictorium via ZUMA Press/dpa
Der Handelsverband hält die deutschen Maßnahmen gegen asiatische Billig-Shoppingportale für unzureichend. Könnte sich die Bundesregierung Frankreichs hartes Vorgehen zum Vorbild nehmen?
Der Handelsverband wirft der Bundesregierung Nichtstun bei den umstrittenen Shoppingportalen Shein und Temu vor. Dies sei "unterlassene Hilfeleistung" an Mittelstand, Handel und Herstellern, sagte der Präsident des Handelsverbandes, Alexander von Preen, beim Handelskongress in Berlin.
Shein sowie Temu unterliefen täglich systematisch europäische Verbraucherschutz-, Steuer- und Umweltstandards. "Das ist Sabotage am Binnenmarkt." Es gebe kein Regelungsdefizit, sondern ein Versagen bei der Durchsetzung.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ging in ihrer Rede nicht direkt auf Shein und Temu ein. Sie sagte, Ziel sei es, die Rechtsdurchsetzung im Online-Handel zu stärken.
400.000 Pakete täglich
Die beiden asiatischen Shoppingportale Shein und Temu erfreuen sich bei Verbraucher:innen großer Beliebtheit. Laut einem aktuellen Ranking des Handelsforschungsinstituts EHI war Shein 2024 bereits der siebtgrößte Onlineshop in Deutschland. Temu belegte bei den Marktplätzen den vierten Rang.
Nach Angaben des Handelsverbandes werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kund:innen verschickt. Der Umsatz der beiden Portale in Deutschland lag 2024 demnach zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen Jahr mehr als 14 Millionen Menschen hierzulande bei Temu und Shein ein.
Dennoch sind die Anbieter umstritten. Politiker:innen, Handelsvertreter:innen und Verbraucherschützer:innen monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern eine strengere Regulierung und besseren Schutz beim Online-Einkauf.
Kontrollen an Flughäfen
In Frankreich geriet Shein zuletzt vermehrt ins Visier der Regierung. Im Zuge dessen kündigte die Regierung an, am Pariser Flughafen 200.000 Shein-Pakete zu kontrollieren. Shein entging jedoch vorerst einer Seitensperre. Die Regierung habe erreicht, dass Shein alle illegalen Produkte von seiner Plattform entfernt habe, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Das Unternehmen stehe aber weiterhin unter Beobachtung der staatlichen Behörden.
Die Bundesregierung hatte sich zu möglichen Schwerpunktkontrollen von Paketen von Shein an Flughäfen nach dem Vorbild Frankreichs bedeckt gehalten. Mögliche Maßnahmen würden nicht im Voraus angekündigt, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Die Zollverwaltung prüfe Warensendungen im Online-Handel laufend risikoorientiert und stichprobenartig.
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