Krise der deutschen Wirtschaft

Produktion steigt, Exporte schwächeln: Hoffnung auf wirtschaftliche Wende in 2026

Veröffentlicht:

von Jacqueline Bittl

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Linnemann fordert "Wirtschaftswunder 2.0" (7. Januar)

Videoclip • 01:06 Min • Ab 12


Die Industrie sendet erste Erholungssignale, doch der Export bleibt ein Belastungsfaktor. Ökonom:innen blicken dennoch vorsichtig optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die deutsche Industrieproduktion ist im November überraschend den dritten Monat in Folge gestiegen, getragen vor allem von der Auto- und Maschinenbauindustrie.

  • Gleichzeitig gerieten die Exporte deutlich unter Druck, insbesondere durch starke Rückgänge im Handel mit den USA.

  • Ökonom:innen sehen trotz anhaltender Schwächen vorsichtige Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung und erwarten für die kommenden Jahre wieder Wachstum.

In der deutschen Industrie häufen sich die Hinweise auf ein Ende der langjährigen Talfahrt. Im November stieg die Produktion von Industrie, Bau und Energieversorgern überraschend den dritten Monat in Folge. Dies geht vor allem auf starke Zuwächse in der Autobranche zurück, auch wenn über 50.000 Jobs in einem Jahr abgebaut wurden.

Dämpfend wirkte hingegen der Export, insbesondere das Geschäft mit den USA, das deutliche Rückgänge verzeichnete. Ökonom:innen sehen dennoch zunehmend Signale dafür, dass die Wirtschaft im neuen Jahr wieder an Fahrt gewinnen könnte.

Die jüngsten Zahlen verdeutlichen, "dass die Konjunktur der deutschen Industrie langsam wieder anzieht", sagte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank, geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2025 gewachsen sein wird. Die Industrieproduktion lasse darauf schließen, "dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen wird". Sollten sich die Auftragsbücher füllen, profitierten Produktion und damit auch Exporte. "Es gibt also berechtigten Grund zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft 2026 deutlich stärker wachsen könnte."

Produktion in der Industrie zieht an

Allein in der Industrie stieg die Produktion im November um 2,1 Prozent, getragen nicht nur von der Autobranche, sondern auch vom Maschinenbau, einer weiteren zentralen Branche. Die Energieerzeugung hingegen ging deutlich zurück. Zusammen mit leichten Rückgängen im Bauwesen wuchs die Gesamtproduktion um 0,8 Prozent, während Expert:innen einen Rückgang erwartet hatten. Bereits am Donnerstag (8. Januar) waren die Daten zu Industrieaufträgen überraschend stark ausgefallen.

Exporte unter Druck

Doch die deutsche Wirtschaft wird durch den Export im November gebremst. Die Ausfuhren sanken deutlich um 2,5 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro. Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, sprach von einem "weiteren Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland". Besonders die Exporte in die USA gingen stark zurück - um 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 10,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Ausfuhren in die USA fast ein Viertel niedriger.

"Das zeigt erneut, wie sehr dieser einstige Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ins Stocken geraten ist", erklärt Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Auch die Ausfuhren in die EU-Staaten gingen zurück, während die Exporte nach China um 3,4 Prozent zulegten. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sieht ein gespaltenes Bild: Problematisch bleibt die Beziehung zum wichtigsten Exportland USA. "Es ist nur ein schwacher Trost, dass China wieder die Rolle unseres wichtigsten Handelspartners übernimmt."

Treier wertete gestiegene Importe und die höhere Industrieproduktion als "erste Anzeichen für eine nachhaltige Stabilisierung der Industrie zum Jahresende". Auch Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), bestätigt, dass sich die Industrieproduktion gefangen habe. Dennoch dürfte die Herstellung 2025 rund 14 Prozent unter dem Niveau von 2018 liegen. In den letzten sieben Jahren sei die Industrieproduktion nur 2021 gestiegen – als Teil-Erholung nach der Corona-Pandemie.

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Ökonom:innen sehen vorsichtigen Aufwärtstrend

Die Krise der Industrie, die viele Arbeitsplätze gekostet hat, ist ein wesentlicher Grund für die Schwäche der deutschen Wirtschaft, die zwei Jahre in Folge geschrumpft ist und 2025 voraussichtlich stagnieren wird. Für dieses Jahr erwarten Ökonom:innen wieder Wachstum, nicht zuletzt, weil die milliardenschweren Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur die Konjunktur stützen.

Laut Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Bank, werden die positiven Signale aus der Industrie zwar durch schwache Exporte und geringen privaten Konsum gedämpft. "Die ersten Anzeichen einer industriellen Wende, zusammen mit der vollständigen Umsetzung der Konjunkturprogramme, bestätigen jedoch unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft 2026 endlich wieder wachsen wird."


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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