Öffentlicher Nahverkehr
Oktoberfest 2026: U-Bahn-Sanierungsarbeiten während der Wiesn unterbrochen
Aktualisiert:
von Magdalena Fürst17:30 SAT.1 Bayern
Teufelsrad auf dem Oktoberfest 2026: Neue Figuren sorgen für Wirbel
Videoclip • 02:10 Min • Ab 12
Wenn die Stadt bald wieder aus allen Nähten platzt, werden die Sanierungsarbeiten bei den Linien U3 und U6 unterbrochen. Was Fahrgastverbände von den Sperrungen halten - und was sie fordern.
Sanierungsarbeiten während Wiesn ausgesetzt
Pünktlich zum Oktoberfest werden die mit starken Einschränkungen für die Fahrgäste verbundenen Sanierungsarbeiten bei den Münchner U-Bahnlinien 3 und 6 ausgesetzt. Die seit Mai andauernde Sperrung der vielbefahrenen Strecke zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße werde wie geplant vorübergehend beendet, erläuterten die Stadtwerke München. "Die U-Bahn kann nach aktuellem Stand ab Samstag, 19. September, und damit während des Oktoberfests wieder ohne Einschränkungen fahren." Danach allerdings gehen die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste weiter.
Denn die U-Bahnen fahren nur bis zum 4. Oktober wieder wie gewohnt. Im Anschluss folgen knapp zwei Monate, in denen der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar ist. Nach einer Winterpause mit regulärem Verkehr zwischen Ende November und Mitte April 2027 wird der Abschnitt Sendlinger Tor-Implerstraße erneut komplett gesperrt - und zwar bis August. Statt mit der U-Bahn müssen die Fahrgäste mit Ersatzbussen fahren.
Sanierungsarbeiten sind unausweichlich
Der Grund dafür ist die aufwendige Sanierung der in die Jahre gekommenen U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz. Bei ersterem ist die Statik gefährdet, bei zweiterem müssen Bauwerksschäden beseitigt werden. "Deswegen geht kein Weg an dieser Sperrung vorbei", betonen die Stadtwerke.
Fahrgastverbände sehen das genauso. "Die Infrastruktur muss instand gehalten werden. Wohin das führt, wenn man ein paar Jahre schlampt, sieht man am Beispiel Deutsche Bahn", sagt etwa Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr im Münchner Forum. Andreas Frank von Pro Bahn betont ebenfalls: "Dass die Baumaßnahmen erforderlich sind, ist unstrittig."
Kritik am Schienenersatzverkehr
Dennoch sehen die Verbände vor allem das Ersatzangebot kritisch. Damit die Fahrgäste trotz Streckensperrung an ihr Ziel kommen, hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zwar zwei Ersatzbuslinien eingerichtet - eine auf dem Originallinienweg der U-Bahn, die andere als Querverbindung zum Hauptbahnhof. Dennoch gibt es viel Unmut - über Gedränge an den Haltestellen der Ersatzbusse, über fehlende Anzeigen und vor allem über die Fahrzeiten, die mit den Bussen deutlich länger ausfallen als in der U-Bahn.
Beim letzten Punkt nimmt Frank die Verantwortlichen jedoch in Schutz: "Die Leute schimpfen immer auf die MVG, dass die nicht imstande sind, einen vernünftigen Ersatzverkehr zu machen. Aber die Taktung passt, die Kapazitäten passen - nur die Busse kommen nicht flüssig durch."
Um genau zu sein, stehen sie vor allem im Berufsverkehr oft im Stau. Deshalb wurde zuletzt ein relativ neuer Radweg in einer Hauptverkehrsstraße zur Busspur umgewidmet - sehr zum Ärger der Radler, deren Anteil eigentlich im Sinne des Klimaschutzes gefördert werden soll und die sich jetzt wieder den schmalen Gehweg mit den Fußgängern teilen müssen. Doch den Bussen bringt es den Stadtwerken zufolge einen Zeitvorteil von rund zwei Minuten.
Restriktionen für Autofahrer gefordert
Die Vertreter der beiden Fahrgastverbände schlagen beide in die gleiche Kerbe: Bevor die Züge der U3 und U6 das nächste Mal stillstehen, solle die Stadt über eine Restriktion des individuellen Autoverkehrs nachdenken. "Das ist auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen unverhältnismäßig, aber andererseits hat die U-Bahn jahrzehntelang täglich Zehntausende Fahrgäste transportiert und dadurch einen großen Beitrag zur Entlastung der Straßen geleistet", erläutert Maier. "Wenn jetzt die Sanierung fällig ist, muss man halt an die Fahrgäste denken, damit die möglichst gut mit dem Bus im Ersatzverkehr ihr Ziel erreichen."
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