"Schraubenkönig"
Mit 15 allein nach Düsseldorf: So lernte Reinhold Würth das Verkaufen
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Reinhold Würth: Vom Schraubenhändler zum Milliardär
Videoclip • 01:28 Min • Ab 12
Reinhold Würth stieg schon früh in die kleine Firma seines Vaters ein – eine Wahl hatte er nicht. Mit 15 Jahren musste er herumreisen und Klinken putzen, doch es zeigte sich: Er war ein erfolgreicher Verkäufer.
Reinhold Würth und seine "Klinkenangst"
Er ist der "Schraubenkönig" und einer der reichsten Deutschen: Reinhold Würth hat sein Unternehmen zum weltgrößten Anbieter von Befestigungstechnik gemacht.
Doch die Anfänge des späteren Weltkonzerns waren bescheiden: Sein Vater Adolf Würth führte eine kleine Schraubengroßhandlung. Zwei Jahre vor der Mittleren Reife holte er seinen 14-jährigen Sohn in die Firma – als Lehrling und zweiten Mitarbeiter. Seine Mutter hatte eigentlich gewollt, dass der Junge einmal als Lehrer arbeitet. Reinhold Würth erinnerte sich später im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen":
Mein Vater war natürlich der Herr im Haus. Ich wurde nicht gefragt, was ich werden wollte.
Zu den Aufgaben des Lehrlings gehörte auch das Verkaufen der Waren: Schon als Jugendlicher musste Würth lernen, wie man Kund:innen gewinnt. Mit gerade einmal 15 Jahren schickte der Vater seinen Sohn allein auf Verkaufsreise nach Düsseldorf.
Im Januar 1951 machte sich Reinhold Würth vom baden-württembergischen Künzelsau aus auf den Weg in die rund 400 Kilometer entfernte Stadt. Nach eigenen Angaben verbrachte er zwei Wochen dort und besuchte potenzielle Kund:innen. Besonders wohl fühlte er sich dabei zunächst nicht: Er habe "ein wenig Klinkenangst gehabt", heißt es auf der Würth-Webseite. Doch er habe das "Verkaufen von der Pike auf gelernt", sagte er der "Wirtschaftswoche".
Der junge Mann war erfolgreich und kehrte mit neuen Aufträgen in den elterlichen Betrieb zurück: 2.000 Mark Umsatz hatte er gemacht. Sein Vater verhielt sich eher zurückhaltend und lobte seinen Lehrling nicht direkt, so die Würth-Webseite. Doch seiner Frau Alma gegenüber äußerte er sich ganz anders, was diese ihrem Sohn aber erst Jahre später verriet:
Gar nicht so schlecht, was der Lausbub da zustande gebracht hat!
Die Reise nach Düsseldorf war die erste von vielen weiteren Verkaufsreisen. Auch in den folgenden Jahren war Würth viel für das Unternehmen unterwegs. In der Familie musste dennoch auf jeden Pfennig geachtet werden. Seine Mutter schmierte dem jungen Würth Vesperbrote für mehrere Tage, damit er unterwegs nicht ins Restaurant gehen musste. Der Unternehmer erzählte der "Augsburger Allgemeinen" später:
Wenn ich mit meinem Opel Olympia den Berg runtergefahren bin, habe ich den Motor ausgeschaltet, um ein wenig Benzin zu sparen.
Reinhold Würth ist mit Schrauben zum Milliardär geworden.
Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Führerschein mit 16 – und das Anfang der 1950er-Jahre
Für seine Arbeit im Außendienst brauchte Reinhold Würth einen Führerschein. Doch mit 16 Jahren war er dafür eigentlich noch zu jung. Weil sein Vater ebenfalls keine Fahrerlaubnis hatte, beantragte dieser für seinen Sohn eine Ausnahmegenehmigung.
So konnte Reinhold Würth bereits mit 16 statt mit 18 Jahren den Führerschein machen. "Ich musste mich davor zweimal beim staatlichen Gesundheitsamt auf meine physische Tauglichkeit prüfen lassen", schilderte er später der "Wirtschaftswoche".
Wenig später musste der damals 19-Jährige noch mehr Verantwortung übernehmen: Nach dem überraschenden Tod seines Vaters 1954 leitete er die kleine Firma mit zwei Mitarbeitern. Aus diesem Betrieb entstand unter seiner Führung die weltweit tätige Würth-Gruppe - und aus Reinhold Würth wurde der "Schraubenkönig".
Verwendete Quellen:
Newstime: "Die Verbindung zwischen Tradition und Innovation": So wurde Reinhold Würth zum 'Schraubenkönig'"
Webseite der Würth-Gruppe: "Ein Unternehmer und sein Unternehmen"
Webseite der Würth-Gruppe: "Die Würth-Gruppe feiert Jubiläum: 75 Jahre Partner für das Handwerk"
Augsburger Allgemeine: "Unternehmer und Milliardär Reinhold Würth: 'Die sollen doch mal 75 Jahre malochen'"
Wirtschaftswoche: "Buchauszug Gespräche mit Reinhold Würth "Man sollte die Herstellung von Waffen verbieten, weltweit""
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