Darf US-Präsident Zölle verhängen?
Trump warnt Supreme Court vor Zoll-Urteil: "Wirtschaftliche Verwüstung" droht
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von Max Strumberger:newstime
Trump vor dem Supreme Court - sind seine Zölle illegal?
Videoclip • 53 Sek • Ab 12
Kann ein Präsident eigenmächtig Zölle verhängen? Der Supreme Court klärt diese Frage in einem Fall, der weit über Trumps Politik hinausgeht.
Das Wichtigste in Kürze
In den USA steht eine historische Entscheidung steht bevor.
Der Supreme Court prüft, ob Donald Trump während seiner zweiten Amtszeit rechtmäßig Zölle verhängt hat.
Im Fokus steht das Notstandsgesetz IEEPA und die Frage, wie weit die Befugnisse eines US-Präsidenten tatsächlich reichen.
Der Supreme Court der Vereinigten Staaten steht vor einer wegweisenden Entscheidung, die nicht nur die Zollpolitik von Präsident Donald Trump, sondern auch die Machtverteilung zwischen Exekutive und Legislative grundlegend beeinflussen könnte. Im Zentrum des Verfahrens steht die Frage, ob Trump während seiner zweiten Amtszeit rechtmäßig Zölle gegen zahlreiche Länder, darunter auch EU-Staaten, verhängt hat. Der Präsident hatte sich dabei auf das Notstandsgesetz IEEPA aus dem Jahr 1977 berufen, das ihm in Krisenzeiten weitreichende Befugnisse einräumt. Doch Kritiker argumentieren, dass diese Befugnisse nicht für umfassende Handelsmaßnahmen wie Zölle gedacht seien. "Es geht hier nicht nur um Handelspolitik, sondern um die Verfassung selbst", erklärte ein Vertreter der Klägerseite.
Kernpunkt des Rechtsstreits ist die Frage, ob die von Trump verhängten Zölle im eigentlichen Sinne Steuern sind. Laut der US-Verfassung ist nur der Kongress befugt, Steuern zu erlassen. Die dreistündige Anhörung vor dem Supreme Court offenbarte die tiefen Gräben zwischen den beiden Parteien. Während die Regierungsseite darauf pochte, dass wirtschaftliche Notlagen wie das von Trump beschriebene Handelsungleichgewicht eine nationale Bedrohung darstellen könnten, betonte die Gegenseite die klare Gewaltenteilung der US-Verfassung. "Zölle sind Steuern, und Steuern dürfen nur vom Kongress beschlossen werden", argumentierten die Kläger. Die Regierung hingegen hielt dagegen, dass Zölle in diesem Fall als Druckmittel dienten, um ausländische Regierungen zu Verhandlungen zu zwingen – ein legitimes Mittel zur Wahrung der nationalen Sicherheit.
Hat Trump den Kongress bewusst umgangen?
Die rechtliche Grundlage für Trumps Vorgehen ist das International Emergency Economic Powers Act (IEEPA), ein Gesetz, das ursprünglich für gezielte Sanktionen oder Embargos gedacht war. Trump jedoch nutzte es, um flächendeckend Zölle gegen mehr als 100 Länder zu verhängen. Er begründete dies mit einem "wirtschaftlichen Notstand", der durch ein angebliches Ungleichgewicht im internationalen Handel entstanden sei. "Die USA werden unfair behandelt", hatte Trump wiederholt betont und gewarnt, dass ein Verlust seiner Notfallbefugnisse zu "wirtschaftlicher Verwüstung" führen könnte.
Doch Kritiker:innen werfen ihm vor, das Gesetz überdehnt und den Kongress bewusst umgangen zu haben. Die Bedeutung des Falls reicht weit über die aktuelle Zollpolitik hinaus. Sollte der Supreme Court zugunsten Trumps entscheiden, könnte dies künftigen Präsidenten eine weitreichende Machtfülle verleihen, wirtschaftliche Maßnahmen ohne Zustimmung des Kongresses zu ergreifen. Eine Entscheidung gegen Trump hingegen würde nicht nur seine Zollpolitik infrage stellen, sondern auch ein klares Signal setzen, dass die Gewaltenteilung in den USA weiterhin Bestand hat.
"Es geht hier um mehr als nur Zölle – es geht um die Frage, wer in diesem Land wirklich das Sagen hat", so ein Verfassungsrechtler. Der Fall zeigt einmal mehr, wie sehr Trumps Präsidentschaft von der Herausforderung geprägt ist, bestehende Institutionen und Normen auf die Probe zu stellen. Ob der Supreme Court diese Herausforderung annimmt oder Trumps Interpretation des Notstandsgesetzes bestätigt, wird sich in den kommenden Wochen oder Monaten zeigen – ein Urteil mit potenziell historischem Gewicht.
Quelle:Nachrichtenagentur dpa


