Amtssitz des Bundespräsidenten
Generalsanierung von Schloss Bellevue – Hunderte Millionen Euro und acht Jahre Bauzeit
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
601 Millionen Euro für Bellevue-Sanierung
Videoclip • 01:29 Min • Ab 12
Der Sanierungsbedarf am Schloss Bellevue ist seit Jahren bekannt, nun steht fest: Die geplanten Arbeiten sollen mindestens 601 Millionen Euro kosten und bis zu acht Jahre dauern. Das Staatsoberhaupt muss in einen Interimsbau ausweichen.
Die geplante umfassende Sanierung des Berliner Amtssitzes des Bundespräsidenten wird voraussichtlich mindestens 601 Millionen Euro kosten. Nach Angaben des Bundespräsidialamts entfallen davon 146 Millionen Euro auf Maßnahmen am Schloss Bellevue. Weitere 120 Millionen Euro sind für die Instandsetzung des angeschlossenen Verwaltungsgebäudes vorgesehen, in dem rund 220 Beschäftigte tätig sind.
Für die vollständige Umsetzung der Arbeiten ist ein Zeitraum von acht Jahren eingeplant. Das bedeutet, dass die Person, die im März kommenden Jahres die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier antritt, ihre gesamte fünfjährige Amtszeit in einem nahezu fertiggestellten Ausweichquartier verbringen wird.
Neben den veranschlagten Baukosten von 601 Millionen Euro sind zusätzlich 188 Millionen Euro als Rücklage für derzeit nicht absehbare Risiken sowie 71 Millionen Euro zur Absicherung möglicher Baupreissteigerungen eingeplant.
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Umfangreiche Mängel bei Gebäude und Technik machen Eingriff notwendig
Die Sanierung ist aufgrund zahlreicher baulicher und technischer Defizite sowie gestiegener Anforderungen unter anderem in den Bereichen Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit erforderlich. Im Schloss Bellevue ist unter anderem das Dach undicht, die Lüftungsanlagen arbeiten nicht mehr ordnungsgemäß, und die Fenster erfüllen weder Einbruch- noch Schussschutzstandards. Zudem sind Risse in der Fassade sichtbar, an den Geschossdecken treten Korrosionsschäden auf.
Nach Angaben des Bundespräsidialamts entfallen weitere Kosten auf den Neubau der Hauptwache und der Technikzentrale in Höhe von 173 Millionen Euro sowie auf Maßnahmen zur Sicherung der denkmalgeschützten Parkanlage und zur Modernisierung der technischen Infrastruktur, die mit 162 Millionen Euro veranschlagt werden. Perspektivisch sollen sowohl das Schloss Bellevue als auch der Verwaltungsbau nahezu klimaneutral betrieben werden.
Verzögerter Umzug in den Interimsbau
Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedeutet die Sanierung den Umzug im Sommer aus dem Schloss Bellevue in ein nahegelegenes Ausweichquartier. Geplant war der Wechsel bereits für März, doch der sechsgeschossige Bürobau in Holzmodulbauweise wurde nicht rechtzeitig fertig.
Zwischenzeitlich war sogar erwogen worden, dass Steinmeier das Schloss schon zur Mitte seiner zweiten Amtszeit verlässt, um sich die Belastung mit einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger zu teilen – das wäre vor rund eineinhalb Jahren gewesen.
Privat ist er nicht betroffen: Er lebt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Der einzige Bundespräsident, der im Schloss wohnte, war Roman Herzog (1994–1999). Nach der Sanierung 2004/2005 wurden die damaligen Wohnräume wieder zu Büros; Herzog soll das Gebäude wegen wiederholter Strom- und Wasserausfälle als "Bruchbude" bezeichnet haben.
Das Bundespräsidialamt betont, das Staatsoberhaupt bleibe während der Bauzeit uneingeschränkt handlungsfähig; auch Staatsgäste sollen im Interimsbau empfangen werden. Zudem werde geprüft, ob sich die Projektlaufzeit organisatorisch verkürzen lässt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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