Justiz

Senioren betrogen: Amtsgericht Wiesbaden verhängt lange Haftstrafe

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

:newstime

Enkeltrick und Co.: So schützt man Familie

Videoclip • 01:12 Min • Ab 12


Der Drahtzieher einer bundesweiten Betrügerbande muss für viele Jahre ins Gefängnis. Er und seine Komplizen hatten sich am Telefon als Polizisten und Anwälte ausgegeben und ältere Menschen um deren Erspartes gebracht.

Mit Lügengeschichten hatten sie Senior:innen in Deutschland unter Druck gesetzt, um von ihnen Geld zu kassieren und auf diese Weise einen hohen sechsstelligen Schaden angerichtet. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte den Anführer einer bundesweiten Betrugsgang nun zu neun Jahren und zehn Monaten Haft, teilte eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Fast ein Jahrzehnt Freiheitsstrafe sei mehr, als es nicht selten für Totschlag gebe, sagte der Staatsanwalt nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil. Er habe in seinem Plädoyer elfeinhalb Jahre Haft gefordert, der Verteidiger nur "eine milde Strafe".

240.000 Euro in bar in einer Tüte

Der nun Verurteilte war der Polizei in Wiesbaden Ende 2025 ins Netz gegangen, als er mit einer Tüte voll Bargeld die Wohnung einer betrogenen Seniorin verließ. Die Beamt:innen stellten die Geldschein-Bündel im Wert von mehr als 240.000 Euro sicher. Zusammen mit weiteren Straftaten schädigte der Betrüger mehrere Opfer in Höhe von insgesamt rund 385.000 Euro, die der teils geständige Täter noch zurückzahlen muss.

Nach Worten der Gerichtssprecherin wurde er nun unter anderem wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Beihilfe zur Erpressung und versuchten Diebstahls verurteilt.

Auch in den News:

Ermittlungen gegen weitere Verdächtige laufen noch

Der Mann, der im südhessischen Weiterstadt im Gefängnis sitzt, soll sich dem Staatsanwalt zufolge auch zu einem Mord verabredet haben, der allerdings nicht ausgeführt wurde. Dieser Vorwurf wurde vom Prozess abgekoppelt, um noch weitere Ermittlungen zu ermöglichen.

Wie der Staatsanwalt weiter sagte, sind bundesweit rund ein Dutzend weitere Verdächtige in diesen Betrugskomplex verwickelt. Hinzu kämen zwei mutmaßliche Hintermänner in der Türkei. Das Wiesbadener Urteil sei ein Signal im Kampf gegen derartig verwerfliche Straftaten zulasten älterer Bürger:innen, so der Jurist.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken