Spektakel am Himmel
Sonnenstreifer: Wird dieser April-Komet zum Jahrhundert-Schauspiel?
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
NASA zeigt Bilder vom Alien-Komet 3I/ATLAS
Videoclip • 01:12 Min • Ab 12
Im April rast der seltene Sonnenkreuzer C/2026 A1 (MAPS) dicht an der Sonne vorbei. Er könnte kurz so hell wie Venus werden – oder spektakulär zerbrechen und unsichtbar bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
C/2026 A1 (MAPS) ist ein seltener Sonnenstreifer der Kreutz‑Gruppe und nähert sich der Sonne am 4. April 2026 bis auf rund 800.000 Kilometer.
Fachleute rechnen mit kurzzeitig extremer Helligkeit, warnen aber: Am Tag des Perihels steht der Komet zu nah an der Sonne, direkte Beobachtung ist gefährlich und kaum möglich.
Die besten Chancen bietet die Abenddämmerung um den 4./5. April; ob MAPS zum "Großen Kometen" wird oder im Sonnenfeuer zerbricht, bleibt bis zuletzt offen.
Ein neuer Komet sorgt schon Monate vor seinem Auftritt für Aufregung in der Fachwelt: C/2026 A1 (MAPS) aus der seltenen Familie der Sonnenstreifer nähert sich der Sonne auf Tuchfühlung. Am 4. April 2026 passiert er sein Perihel – seinen sonnennächsten Punkt – in nur rund 800.000 Kilometern Abstand.
Weil diese Kreutz‑Kometen in der Vergangenheit einige der eindrucksvollsten Himmelsereignisse der Geschichte geliefert haben, hoffen viele auf ein "Großes Kometenjahr". "Der Komet könnte sich zu einem echten 'Großen Kometen' entwickeln – oder vollständig zerfallen", fasst das Portal Science Alert die Spannbreite zusammen.
Was macht den Komet so besonders?
Entdeckt wurde C/2026 A1 am 13. Januar 2026 von vier Amateurastronomen des MAPS‑Programms (Maury, Attard, Parrott, Signoret) in Chile. Er gilt als frühester bekannte Kreutz‑Sonnenstreifer auf dem Weg zur Sonne, festgestellt 11,5 Wochen vor dem Perihel – deutlich früher als der legendäre Komet Ikeya‑Seki 1965, der erst einen Monat vor seinem großen Auftritt gefunden wurde.
Die Kreutz‑Gruppe geht auf einen Riesengestirn zurück, das um 362 v. Chr. der Sonne zu nahe kam und in zahlreiche Bruchstücke zerbarst. Viele dieser Fragmente – darunter der große Komet von 1106, der Komet von 1843 und Ikeya‑Seki – kehren auf extrem sonnennahem Kurs zurück. Fachleute gehen davon aus, dass auch MAPS ein Splitter dieses historischen Kometen ist. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie schreibt, er könne "heller werden als C/2011 W3 (Lovejoy), aber nicht so hell wie C/1965 S1 (Ikeya‑Seki)".
Wann und wo ist der Komet zu sehen?
Die Chancen für spektakuläre Fotos haben einen Haken: Am Perihel-Tag 4. April steht der Komet von Mitteleuropa aus gesehen extrem nahe an der Sonne – nur wenige Grad darüber. Prognosen sprechen zwar von einer maximalen Helligkeit um Größenklasse −4 bis sogar −5, doch diese wird bei minimalem Sonnenabstand erreicht. "Meldungen, wonach der Komet am Tag des Perihels mit freiem Auge bei Tag zu sehen sein wird, sind als Unsinn einzustufen", warnt die Wiener Arbeitsgemeinschaft und ergänzt: "Es sei ausdrücklich davor gewarnt, ohne geeigneten Schutz direkt zur Sonne zu blicken!"
Für Beobachter:innen in Mitteleuropa lohnt sich vor allem der Blick in der hellen Abenddämmerung am 4. und 5. April: kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen. Dann könnte MAPS – sofern er die Sonnenpassage übersteht – mit einem möglicherweise langen Schweif im Feldstecher sichtbar sein. Rund eine Woche vor und nach dem Perihel wird er voraussichtlich nur im Fernglas oder kleinen Teleskop auffallen. Auf der Südhalbkugel könnten größere Teleskope ihn bereits Ende März in der Morgendämmerung erfassen.
Auch in den News:
Spektakel – oder kosmischer Reinfall?
Kometen sind berüchtigt dafür, Prognosen zu widerlegen. So steil, wie die Helligkeit von C/2026 A1 vor dem Perihel steigen dürfte, kann sie danach auch wieder fallen. Dazu kommt das Risiko, dass der Kern dem enormen Hitzestress und der Schwerkraft so nahe an der Sonne nicht standhält und vollständig zerbricht. Dann bliebe möglicherweise nur ein diffuser Staubschweif, der rasch verblasst.
Selbst wenn MAPS zum "kosmischen Reinfall" wird, ist er für die Forschung ein Gewinn: Sonnenkreuzer liefern einzigartige Daten über die Struktur von Kometenkernen und das Verhalten von Staub und Gas im innersten Bereich des Sonnensystems. Für Hobbyastronom:innen gilt bis Anfang April: Erwartungen dämpfen, Sicherheitsregeln einhalten – und in der Abenddämmerung bereit sein. Mit etwas Glück zeichnet C/2026 A1 (MAPS) einen leuchtenden Schweif über den westlichen Himmel, der uns für ein paar Tage an die Dynamik unseres Sonnensystems erinnert.
Verwendete Quellen:
Forbes: "Very Rare 'Sungrazer' Comet Set For Spectacular Show In April"
Österreichischer Astronomischer Verein: "Komet C/2026 A1 (MAPS)"
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