Gesundheit

RKI schlägt wegen RSV-Saison Alarm: Wer jetzt besonders gefährdet ist

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von Max Strumberger

Es ist Winter. Das merken auch die Arztpraxen. Immer mehr Patient:innen klagen über Erkältungssymptome. (Symbolbild)

Bild: Alicia Windzio/dpa


Das Robert Koch-Institut schlägt Alarm: Die kommende RSV-Saison könnte früher starten und intensiver verlaufen als in den Vorjahren. Vor allem die Jüngsten sind gefährdet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das RKI warnt vor einer besonders frühen und starken RSV-Saison.

  • Schon in den kommenden Wochen könnten Kinderarztpraxen und Kliniken stark belastet sein.

  • Besonders gefährdet sind Säuglinge, Frühgeborene, Kinder mit Vorerkrankungen sowie ältere Menschen.

Die Grippewelle hält Deutschland weiter fest im Griff – doch im Schatten der Influenza bahnt sich leise ein weiterer Erreger seinen Weg: das Respiratorische Synzytialvirus, kurz RSV. Fachleute des Robert-Koch-Instituts (RKI) registrieren in der dritten Kalenderwoche 2026 einen klaren Anstieg der RSV-Nachweise. Was zunächst nach einem Detail in den Labordaten klingt, werten Expert:innen als klassisches Frühzeichen: Die RSV-Saison dürfte gerade erst beginnen – mit möglichem deutlichem Nachschlag in den kommenden Wochen.

Noch ist die RSV-Aktivität in der Bevölkerung laut RKI vergleichsweise niedrig. Doch in den virologischen Proben taucht das Virus inzwischen regelmäßig auf. In der ambulanten Überwachung machte RSV zuletzt rund vier Prozent der nachgewiesenen Erreger aus, im Krankenhausbereich liegt der Anteil auf einem ähnlichen Niveau. Erfahrungsgemäß ist genau dieser Punkt kritisch: Wenn RSV erst einmal messbar in den Statistiken erscheint, steigen die Fallzahlen häufig zeitversetzt und deutlich an.

Kliniken im Fokus

Besonderes Augenmerk gilt daher den Kliniken. Die Zahl der schweren akuten Atemwegsinfektionen (SARI) liegt derzeit zwar noch auf moderatem Niveau, doch Kinderärzt:innen sind alarmiert: RSV gilt nicht ohne Grund als klassischer "Kinderklinik-Füller". Trifft das Virus auf Säuglinge und Kleinkinder, können banale Erkältungssymptome rasch zu schweren Atemproblemen werden – und zu einem sprunghaften Anstieg der Krankenhausaufnahmen. Auch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sind gefährdet und können schwere Verläufe entwickeln.

Parallel dazu dominiert weiterhin die Influenza das Infektionsgeschehen in Deutschland. Rund 60 Prozent der nachgewiesenen Viren waren zuletzt Grippeviren, überwiegend Influenza A, wie das RKI berichtet. Sars-CoV-2 spielt dagegen nur noch eine Nebenrolle: Der Anteil von Covid-19 unter den nachgewiesenen Atemwegsviren liegt im niedrigen einstelligen Bereich, auch bei den schweren Atemwegsinfektionen im Krankenhaus entfällt nur ein kleiner Teil auf das Coronavirus. Während die Grippewelle derzeit den Takt vorgibt, läuft RSV – wie in früheren Jahren – mit zeitlichem Versatz hinterher.


Virus kann für bestimmte Gruppen lebensgefährlich werden

Das  RSV rückt in den Herbst- und Wintermonaten immer stärker in den Fokus von Ärzt:innen und Familien. Der Erreger, der weltweit verbreitet ist, verursacht akute Atemwegserkrankungen – von harmlos wirkenden Erkältungen bis hin zu schweren Infektionen der Lunge. Besonders alarmierend: Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres haben fast alle Kinder bereits eine RSV-Infektion durchgemacht. Für die meisten verläuft sie mild, doch für bestimmte Gruppen kann sie lebensbedrohlich werden.

Gefährdet sind vor allem Säuglinge, insbesondere Frühgeborene oder Kinder mit Vorerkrankungen, sowie ältere Menschen ab 75 Jahren und Ältere mit bestimmten Grundkrankheiten. Bei ihnen kann RSV zu schweren Entzündungen der unteren Atemwege führen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen – teilweise sogar mit künstlicher Beatmung. In Deutschland ist RSV bei Säuglingen die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte wegen Atemwegserkrankungen. Besonders kritisch sind die ersten sechs Lebensmonate: In dieser Zeit ist das Risiko für schwere Verläufe am größten, und die Mehrheit der schweren RSV-Erkrankungen trifft zuvor völlig gesunde Babys.

Das sind die typischen Symptome von RSV

Übertragen wird RSV vor allem über Tröpfcheninfektion – also beim Husten, Niesen oder Sprechen. Doch die Gefahr lauert nicht nur in der Luft: Das Virus kann auch über Hände, gemeinsam benutzte Gegenstände und Oberflächen weitergegeben werden. Erschwerend kommt hinzu, dass RSV auf verschiedenen Materialien eine gewisse Zeit ansteckend bleibt: etwa 20 Minuten auf Händen, rund 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln. Umso wichtiger ist ein konsequenter Schutz: regelmäßiges und gründliches Händewaschen, das Vermeiden, Augen, Nase und Mund mit ungewaschenen Händen zu berühren, Abstand halten, Maske tragen, gut lüften – und bei Risikogruppen die von der STIKO empfohlenen Maßnahmen wie RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Säuglinge sowie RSV-Impfung für ältere Erwachsene.

Die Symptome einer RSV-Infektion ähneln zunächst oft einer gewöhnlichen Erkältung: Schnupfen, Husten, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl. Doch insbesondere bei Säuglingen kann sich die Situation schnell zuspitzen – etwa durch Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder eine Entzündung von Luftröhre und Bronchien. Bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko kann ebenfalls eine Lungenentzündung als Komplikation auftreten. Wer erkrankt ist, sollte nach Empfehlung von Fachleuten möglichst zu Hause bleiben, Kontakte und den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen – etwa Kita oder Schule – meiden und viel trinken. Nasensprays oder -tropfen können die Atmung erleichtern. Verschlechtern sich die Symptome, tritt Atemnot auf oder wirkt ein Kind apathisch oder ungewöhnlich matt, ist schnelle ärztliche Abklärung dringend nötig.


Verwendete Quellen:

RKI

n-tv: RKI sieht RSV-Welle anrollen

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