Schilddrüse & Gesundheit

L-Thyroxin: DGE warnt vor fragwürdigen Schilddrüsen-Präparaten

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Gefährliche Nebenwirkung bei L-Thyroxin entdeckt

Videoclip • 01:38 Min • Ab 12


Müdigkeit trotz L-Thyroxin? Die DGE warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln und rät, anhaltende Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die DGE warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln, die eine bessere Umwandlung von L-Thyroxin in das aktive Hormon T3 versprechen.

  • Inhaltsstoffe wie Silychristin aus Mariendistel oder Cholin könnten den Schilddrüsenhormonhaushalt möglicherweise ungünstig beeinflussen.

  • Anhaltende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden; die L-Thyroxin-Dosis darf nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird häufig L-Thyroxin verschrieben. Der Körper wandelt das Hormon in den Zellen in die aktive Form T3 um. Trotzdem können Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Wortfindungsstörungen bestehen bleiben.

Viele Betroffene suchen dann im Internet nach Lösungen und stoßen auf Nahrungsergänzungsmittel, die den Schilddrüsenhormonstoffwechsel unterstützen sollen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt jedoch vor solchen Versprechen, wie "Pharmazeutsiche Zeitung" berichtet. Für eine Verbesserung der Umwandlung von L-Thyroxin in T3 durch Inhaltsstoffe wie Selen, Cholin oder Mariendistel gebe es keinen Wirksamkeitsnachweis, erklärt der Endokrinologe Lars Möller in einer Mitteilung der Fachgesellschaft.


Mariendistel kann Hormontransport hemmen

Besonders kritisch bewertet die DGE Präparate mit Inhaltsstoffen, die den Transport von Schilddrüsenhormonen im Körper beeinflussen könnten. Möller zufolge zeigen Untersuchungen, dass Silychristin, eine Substanz aus Mariendistelextrakten, den Transporter MCT8 hemmen kann. Dieses Transporteiweiß bringt Schilddrüsenhormone in die Zellen.

Eine regelmäßige Einnahme könnte deshalb möglicherweise nicht helfen, sondern die Beschwerden sogar verstärken. Die DGE warnt damit vor einem Risiko, das viele Verbraucher:innen bei pflanzlichen oder "natürlichen" Produkten möglicherweise unterschätzen.

Auch Cholin nicht leichtfertig einnehmen

Auch bei Cholin rät die Fachgesellschaft zur Vorsicht. Der Stoff wurde früher teilweise als "Vitamin B4" bezeichnet, gilt heute aber nicht als klassisches Vitamin. Eine aktuelle Studie brachte erhöhte Cholinkonzentrationen laut DGE mit einem niedrigeren Schilddrüsenhormonstatus und erhöhten TSH-Werten im Blut in Verbindung. Zudem wurde ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieben.

Die Studienergebnisse beweisen zwar nicht automatisch, dass Cholinpräparate Beschwerden verursachen. Sie zeigen aber, warum eine unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei Schilddrüsenerkrankungen problematisch sein kann. Auch Wechselwirkungen mit anderen Präparaten sollten berücksichtigt werden.

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Beschwerden ärztlich abklären lassen

Wer trotz einer ärztlich eingestellten L-Thyroxin-Therapie Beschwerden hat, sollte die Ursache medizinisch untersuchen lassen. Dabei kann geprüft werden, ob das Medikament korrekt eingenommen wird, ob andere Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung beeinflussen oder ob eine andere Erkrankung hinter den Symptomen steckt.

Die DGE rät ausdrücklich davon ab, die L-Thyroxin-Dosis eigenständig zu verändern oder die Behandlung abzusetzen. Nahrungsergänzungsmittel sollten ebenfalls nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung eingesetzt werden.


Verwendete Quellen:

Pharmazeutische Zeitung: "Warnung vor Nahrungsergänzungsmitteln bei anhaltenden Beschwerden"

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